Home arrow Archiv arrow AC 2009/06 arrow Benz 200 PS, genannt "Blitzen-Benz"  
Montag, 30. März 2020
Benz 200 PS, genannt "Blitzen-Benz" Drucken E-Mail
Geschrieben von Daimler Communications   

Heft bestellen - Benz 200 PS, genannt "Blitzen-Benz"

Das Fahrzeug durchbricht am 8. November 1909 als erstes Automobil die 200-km/h-Marke. Schneller als damalige Flugzeuge und Eisenbahnen wird der Blitzen-Benz weltweit zum Symbol für sportliche Erfolge.

Text & Photos: Daimler Communications

 

Image1909 ist ein besonderes Jahr in der Geschichte von Benz & Cie.: Das Unternehmen baut einen Rekordwagen, der eins der faszinierendsten Fahrzeuge der Automobilgeschichte werden wird. Der "Blitzen-Benz" durchbricht dank seines gewaltigen Motors mit 147 kW aus 21,5 Liter Hubraum erstmals die damals magische 200-km/h-Marke. Damit ist er schneller als jedes Flugzeug und die Eisenbahn und setzt einen Rekord für Landfahrzeuge, der acht Jahre ungeschlagen bleiben wird. Insgesamt entstehen sechs Blitzen-Benz, die in Europa und den USA eingesetzt werden. Heute existieren noch vier Wagen: Das Mercedes-Benz Museum hat einen Wagen in seinem Bestand, ein weiteres Originalfahrzeug und die einzige viersitzige Version ist in Händen eines Sammlers in den USA. Dort hat im Jahr 2004 auch ein anderer Enthusiast der Marke einen Nachbau mit verschiedenen Originalteilen fertig gestellt. Dieses Projekt, wurde in enger Zusammenarbeit mit der Sammlung des Mercedes- Benz Museums und mit dem Mercedes-Benz Classic Center durchgeführt. Schließlich wurde in England eine Replika des blauen Hémery-Wagens erstellt.

ImageSchneller als Bahn und Flugzeug. Der Name Benz klingt fast wie ein Synonym zum Automobil: Schließlich ist es Carl Benz, der am 29. Januar 1886 das Patent für seinen Motorwagen erhält - die Geburtsurkunde des Automobils. Gottlieb Daimlers Motorkutsche rollt nur wenige Wochen später das erste Mal. Bis zur Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert schwingt sich Benz zum größten Autohersteller der Welt auf. Die Fahrzeuge aus dem Werk in Mannheim genießen einen vorzüglichen Ruf, sie gelten als alltagstauglich und zuverlässig. Das kann man noch lange nicht von jedem Fabrikat sagen, das zu jener Zeit die Straßen bevölkert. Denn eine Vielzahl von Marken ist entstanden. Und Benz muss feststellen, dass in dieser unübersichtlichen Landschaft ein klingender Name allein kein Garant für Markterfolg ist. Die Konkurrenten und nicht zuletzt die Daimler-Motoren- Gesellschaft wissen sportliche Erfolge ihrer Fahrzeuge geschickt für Werbezwecke einzusetzen. Dagegen hat Benz sich trotz Engagement im Rennsport gewehrt und lieber die Alltagswerte seiner erschwinglichen Fahrzeuge herausgestellt. Julius Ganss, bei Benz & Cie. im Vorstand, hat sich intensiv mit der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens beschäftigt und ist zu dem Schluss gekommen, dass auch Benz sich den modernen Marktmechanismen nicht entziehen darf. Er kennt die Qualitäten seiner Mobile und weiß: Das Unternehmen ist in der Lage, einen Sportwagen zu bauen, der schneller ist als alle andere Mobile jener Zeit - die Eisenbahn und das Flugzeug eingeschlossen.
Zu Beginn des Jahres 1909 gibt der Vorstand die Order, ein Auto zu konstruieren, das mühelos die damals magische Marke von 200 km/h überschreiten kann. Basis ist der Motor des Grand-Prix Benz 150 PS, doch diese Leistung reicht für das ehrgeizige Vorhaben nicht aus. Zwecks Steigerung greift man zu einer wirksamen Methode: Der Hubraum wird auf 21,5 Liter vergrößert - mehr wird nie mehr ein Renn- oder Rekordwagen von Benz & Cie., der Daimler-Motoren-Gesellschaft oder der Daimler-Benz AG haben. In der ersten Ausführung leistet der Motor 135 kW bei 1500/min, was durch sorgfältige Feinarbeit schließlich auf 147 kW bei 1600/min gesteigert wird. Das Gewicht des auch in seiner physischen Erscheinung gewaltigen Motors beträgt 407 Kilogramm. Der Motor mit der Nummer 5100 kommt in ein modifiziertes Chassis des Benz Grand-Prix- Wagens. Das Fahrzeug erhält - der üblichen Namenslogik mit einer Leistungsangabe in PS folgend - die Bezeichnung Benz 200 PS. Fritz Erle, Konstrukteur bei Benz und später Leiter der Versuchs- und der Rennabteilung, nimmt am 22. August 1909 am Kilometerrennen in Frankfurt/ Main teil und siegt prompt mit einem Spitzenwert: Er legt die Distanz nach fliegendem Start in 22,6 Sekunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 159,3 km/h zurück und erhält den Preis der Großherzogin von Hessen.

ImageEin Rekordwagen ist geboren. Werksfahrer Victor Hémery nutzt den Wagen zum ersten Mal am 17. Oktober 1909 bei einem Sprintrennen in Brüssel/Belgien und deklassiert die Konkurrenz deutlich. Am 8. November 1909 präsentiert er den Wagen in England auf der gerade erst eröffneten Rennstrecke von Brooklands und stellt einen neuen Landgeschwindigkeitsrekord auf: Mit fliegendem Start erreicht er über eine halbe Meile eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 205,666 km/h und über einen Kilometer von 202,648 km/h, durchbricht damit erstmals in Europa die magische Marke und zeigt vor allem, dass das Fahrzeug das kann, wozu es auf die Räder gestellt wurde. Ein Rekordwagen ist geboren. Er erreicht noch weitere Bestwerte, so den Kilometer mit stehendem Start in 31,326 Sekunden, die halbe Meile in 25,566 Sekunden und die Meile mit 41,268 Sekunden, womit die bestehenden, bis dahin von Darracq gehaltenen Rekorde eingestellt werden. Zeitgenössische Fotos zeigen, dass der Wagen schon beim Kilometerrennen in Frankfurt/Main seine charakteristische strömungsgünstige Karosserie trägt: Erle und Hémery bauen sie so eng wie möglich, um dem Fahrtwind nur eine geringe Angriffsfläche zu bieten. Deshalb befinden sich die Hebel für Gangschaltung und Handbremse wie auch die Auspuffanlage außerhalb der Karosserie, und nur Ausbuchtungen in der Motorhaube geben den Auslass-Kipphebeln den notwendigen Raum. Der hohe, schmale Kühlerkern befindet sich in einer Messing-Maske, deren oberen Abschluss ein spitz nach vorn gezogener Wasserkasten bildet: Dieser "Vogelschnabel" verhilft dem Wagen zu seinem markanten und zugleich aggressiven Aussehen. Am Heck läuft die Karosserie spitz aus. Fahrer und Beifahrer - der die Benzin-Handpumpe betätigt - sitzen ganz nah beieinander.

ImageEin Auto verschiebt Grenzen. Bereits die ersten Rekordfahrten des modifizierten Benz 200 PS zeigen, dass das Auto alle bis dahin bekannten Grenzen verschiebt. Eine davon: Sämtliche europäischen Rennstrecken sind für die mit dem überstarken Wagen angepeilten Geschwindigkeiten nicht geeignet. Benz & Cie. weiß, dass es passende Strecken auf der anderen Seite des Atlantiks in den USA gibt, und rasch steht fest, dass die Reise dorthin gehen wird. Dem Geschäft wird es nicht abträglich sein, wenn man dort mit dem Rekordwagen reüssiert, denn die Vereinigten Staaten sind ein wichtiger Markt. So wird der neu karossierte Wagen nach einigen Probefahrten rund um Mannheim im Januar 1910 nach Amerika verschifft. Geplant ist, dass George Robertson mit dem Auto gegen Ralph de Palma antritt, der auf vielen amerikanischen Rennstrecken Rekorde hält. Doch es soll anders kommen.
Der Veranstaltungsmanager Ernie Moross erfährt von der Ankunft des Fahrzeugs beim Benz-Importeur Jesse Froehlich in New York und handelt mit ihm ein Tauschgeschäft aus: Er gibt seinen Grand-Prix Benz 150 PS in Zahlung, legt noch 6000 Dollar darauf und wird Besitzer des Rekordwagens. Dem geschickten Geschäftsmann fällt auch gleich ein werbewirksamer Name ein: Weil das Auto schnell wie der Blitz (Englisch: Lightning) zu sein scheint, nennt er ihn "Lightning Benz". Dieser Name wird auch auflackiert. Sein Fahrer Barney Oldfield tritt ohne spezielle Vorbereitung am 17. März 1910 am Strand von Daytona, Florida/USA zur Rekordjagd an, und überliefert ist eine neue Spitzenmarke von 211,97 km/h. Doch die A.I.A.C.R. (Association Internationale des Automobile Clubs Reconnus), das höchste Aufsichtsgremium des Automobilsports und Vorläuferorganisation der heutigen Fédération Internationale de l’Automobile (FIA), erkennt den Rekord nicht an, weil der Benz nicht - wie in den Wettbewerbs-bestimmungen festgelegt - die Distanz auch in Gegenrichtung durchfährt und das Mittel aus beiden Läufen den gültigen Wert ergibt. Danach organisiert der rege Moross in einer Art Wanderzirkus zahlreiche Showveranstaltungen mit dem "Lightning Benz". Doch der Name ist ihm schon bald nicht mehr markant genug, und er ändert ihn um in "Blitzen-Benz" - vermutlich, weil das den Auftritt des Autos deutscher Provenienz noch verstärkt. Zusätzlich wird auf die rechte Seite der Motorhaube ein kleiner Reichsadler lackiert.

ImageAbsoluter Landstreckenrekord: 228,1 km/h. Ende des Jahres 1910 schließt die American Automobile Association (AAA) Barney Oldfield von sämtlichen Rennaktivitäten aus. Bei seinen letzten Fahrten hat er den Blitzen-Benz so sehr ramponiert, dass Moross ihn wieder instand setzen lassen muss. Für die nächste Saison verpflichtet er den früheren Buick-Werksfahrer Bob Burman - zum großen Ärger von Oldfield, der weiß, dass der Wagen noch Geschwindigkeitsreserven bietet. Burman tritt am 23. April 1911 in Daytona Beach an, der breite und lange Strand eignet sich wunderbar für schnelle Fahrten. Er nutzt das volle Potential des Fahrzeugs und erzielt auf der fliegenden Meile eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 225,65 km/h, auf dem fliegenden Kilometer von 228,1 km/h - ein neuer Landgeschwindigkeitsrekord, der bis 1919 ungeschlagen bleiben wird. Damit ist der Benz doppelt so schnell wie ein Flugzeug der damaligen Zeit, und der Schienenfahrzeug-Rekord (1903: 210 km/h) ist auch übertroffen. Für den Rest der Saison tritt der Blitzen-Benz mit neuer "Kriegsbemalung" auf: Ihm sind jetzt ein riesiger Reichsadler und breite Zierlinien aufgemalt worden. Zudem hat man einen Tachometer montiert, dessen Übertragungswelle außen am Fahrzeug vorbei zum rechten Vorderrad führt.
Der Blitzen-Benz tourt durch die USA und ist die Attraktion auf vier Rädern. Doch eine Änderung des Reglements im Jahr 1913 beendet das Engagement: Die Hubraumgröße wird auf 7,4 Liter begrenzt. Der legendäre Blitzen-Benz I geht in den Besitz von Stoughton Fletcher über, der ihn von Burman im Verlauf des Jahres 1914 umbauen lässt. Im Oktober 1915 verkauft Fletcher den Wagen an Harry Harkness. Am 2. November 1915 taucht das Fahrzeug wieder in der Öffentlichkeit auf: Als "Burman Special" steht er am Start in der Sheepshead Bay, New York/USA, um gegen Ralph de Palma auf Sunbeam zu einem Vergleichsrennen anzutreten. Freilich ist der Rekordwagen kaum wiederzuerkennen, unter anderem hat er andere Drahtspeichenräder mit einer engeren Speichenfolge, Scherendämpfer statt Federband-Stoßdämpfern, versetzte Sitze, eine Auswölbung des Cockpits als Windabweiser und ein wesentlich längeres und runderes Heck, das nach hinten unten geneigt ist. 1916 verunglückt Burman tödlich in einem Peugeot. Danach kommt der Blitzen-Benz wieder nach Europa zurück, möglicherweise über Mannheim nach England. Hier taucht er Ostern 1922 in Brooklands auf, ist weiß lackiert, hat eine geänderte Motorabdeckung und einen neuen Kühler. Fahrer ist Graf Louis Vorow Zborowski, doch er rollt mit dem Blitzen-Benz zu keinen wahren Erfolgen. 1923 zerlegt er das Auto, um Antriebsteile für eine eigenes neues Projekt zu verwenden, den Higham Special.

ImageDer zweite Benz 200 PS. Kurz nach der Verschiffung des ersten Rekordwagens nach Amerika im Januar 1910 hat man im Werk in Mannheim einen weiteren 21,5-Liter-Motor (Nr. 6257) in ein Chassis eingebaut, das mit einem Grand-Prix-Aufbau versehen wird. Markant ist der dreieckige Drehern bekommt er den Benz 200 PS wieder unter Kontrolle. Danach gelangt der Wagen zurück ins Werk nach Mannheim und verbringt den Ersten Weltkrieg in der Versuchsabteilung. Nach Kriegsende machen sich die Mechaniker daran, aus dem vorhandenen Material gebrauchsfähige Wagen zusammenzusetzen. Zwei Fahrzeuge werden vollendet: Das eine basiert auf dem Chassis des Hornsted-Wagens und hat einen Aufbau, der dem Blitzen-Benz II nachempfunden ist. Markante Details: Die Drahtspeichenräder sind vollständig abgedeckt, das Auto hat ein Spitzheck und die Sitze sind versetzt angeordnet. 1922 wird das Fahrzeug nach Brooklands gebracht, wo es als Werkswagen von Horace V. Barlow gefahren wird und im August 1922 auf Anhieb das erste Rennen gewinnt. An einem anderen Lauf während der gleichen Veranstaltung ist übrigens auch Graf Zborowski auf dem Blitzen-Benz II dabei. Beim "100 MPH"-Kurzstrecken-Handicap- Rennen am 30. September 1922 kommt Captain John Duff am Steuer des Wagens Nr. 3 in seiner schnellsten Runde auf 184,21 km/h. Doch plötzlich hat er Probleme mit den Bremsen - der Wagen gerät über den oberen Rand der Steilkurve hinaus und stürzt ab, dabei wird das Auto fast vollständig zerstört. Das Wrack gelangt zurück nach Mannheim.

Die "Großmutter" heimst Erfolge ein. Der vierte Benz 200 PS (Motornummer 9143) entsteht um 1912. Er hat einen breiten Kühler, Holzspeichenräder und die Wechselkarosse des 1910/11 von Erle gefahrenen Wagens. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs nimmt er an mehreren Rennen teil, unter anderem mit Franz Hörner am Lenkrad, einem von Hémery und Erle geförderten Nachwuchsfahrer. Nach dem Krieg behält man die Holzspeichenräder bei. Nicht zuletzt damit sieht das Fahrzeug etwas altertümlich aus, was ihm bei seinen Auftritten nach dem Ersten Weltkrieg den Beinamen "Großmutter" einbringt, es aber nicht davon abhält, durch die gesamten 1920er Jahre hindurch erfolgreich eingesetzt zu werden. Dann beginnt eine zweite Karriere als Werbeträger für die Marke Benz, denn die Rekordwagen sind immer noch ein Publikumsmagnet. Dazu erhält das Auto eine spezielle Auspuffanlage: Mittels einer Klappe kann die Strömung entweder mit ohrenbetäubendem Lärm durch Rohrstummel direkt nach außen geführt werden, oder aber durch das leise System.

Der Blitzen-Benz des Mercedes-Benz Museums. Das Jahr 1935 steht bei Daimler-Benz im Zeichen eines Jubiläums: Vor 50 Jahren hatte man begonnen, Automobile zu bauen. Als repräsentatives Ausstellungsstück für die Feierlichkeiten entsteht dazu aus den noch vorhandenen Teilen ein weiterer Benz 200 PS - das Fahrzeug, das sich heute noch im Besitz des Mercedes-Benz Museums befindet. Einige Teile kommen von der "Großmutter", andere, beispielsweise die Nabenverschlüsse und vermutlich der Kühler und das Karosseriemittelteil, vom verunfallten Hornsted- Blitzen. Um das Fahrzeug schnittiger aussehen zu lassen, werden die Holzspeichenräder mit Aluminiumabdeckungen versehen. Damals neu angefertigt werden die Motorabdeckung, das Heckteil sowie die Abdeckung der Auspuffstummel.

Noch zwei Fahrzeuge. Zwei weitere Benz 200 PS hat es gegeben: Der Benz-Vertreter Treumann, Madrid, verkauft das Auto Nr. 5 (Motornummer 9145) an einen Herrn J. Ratis in Barcelona. Geliefert wird es am 20. Februar 1913. Die weitere Geschichte ist unbekannt. Den Blitzen-Benz Nr. 6 verkauft die Benz-Vertretung in Antwerpen an einen Herrn M. Heje in Gent, der das Fahrzeug am 24. Dezember 1913 bekommt - es dürfte ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk gewesen sein. Als einziger Blitzen-Benz (Motornummer 13280) hat das Auto ein verlängertes Chassis (3200 statt 2800 Millimeter) und eine viersitzige Touring-Karosserie. Auch dieser Blitzen-Benz tritt häufig in Brooklands zu Rekordfahrten an. Das Fahrzeug verbleibt lange Zeit in England, bevor es um das Jahr 2002 ein amerikanischer Sammler erwirbt.

Die Rechnung geht auf. Die Erfolge geben Benz & Cie. Recht, diese besonderen Fahrzeuge auf die Räder gestellt zu haben - wenn ein Rekord über mehr als acht Jahre gehalten wird, ist technisch schon etwas dahinter. Auch mit anderen Rennfahrzeugen reüssiert das Unternehmen während jener Jahre. Da wundert es nicht, dass das Interesse an der Marke groß ist und der Verkauf blüht. Die Rechnung des Unternehmens ist aufgegangen - doch der Glanz, den der Blitzen-Benz ihm verliehen hat, ist in barer Münze nicht zu kalkulieren. Denn er hält bis zum heutigen Tag an.

Die Geschichte des Blitzen-Benz lebt auf. Im Jahr 2004 rollt der jüngste Blitzen-Benz heran: Ein amerikanischer Sammler hat sich entschlossen, ein weiteres Fahrzeug bauen zu lassen, ohne Rücksicht auf die Kosten. Als Vorbild für das besondere Privatprojekt stellt ihm das Mercedes- Benz Museum für ein Jahr den eigenen Blitzen- Benz zur Verfügung - ein großer Vertrauensbeweis. Damit der Nachbau so originalgetreu wie möglich ist, erhält er zudem die bei Mercedes- Benz Classic vorhandenen Teile des Hornsted- Wagens, darunter der Motor Nr. 9141 und einige Nebenaggregate; Teile einer originalen Karosserie existieren noch in den USA. Gleichzeitig wird der Museums-Blitzen fachgerecht restauriert und fahrbereit gemacht. Wenn sein Motor erklingt, lebt bebend die Geschichte des Blitzen-Benz wieder auf. Von gewaltigem Klang begleitet, setzt er sich in Bewegung. Schon bei geringen Geschwindigkeiten ist die Achtung groß vor den Fahrern der frühen Jahre: Sie hatten wahrhaft Mut, am riesigen Lenkrad dieses Boliden auf Rekordhatz zu gehen - eine einfache Brille war ihr einziger Schutz bei 228,1 km/h, und die Federung dürfte bei derartig hohen Geschwindigkeiten nicht mehr viel Wirkung gehabt haben.
 
< voriger Eintrag