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Mittwoch, 17. August 2022
RBO Stöckl Frühjahrsausfahrt Drucken E-Mail
Geschrieben von Jürgen Splet   

Heft bestellen - RBO Stöckl Frühjahrsausfahrt

Ein "Erfahrungsbericht" von Jürgen Splet

 

ImageDas Los des Sammlers ist mannigfaltig. Und eine der Unbilden ist seine Zeitnot. So kommt es, dass viele Sammler von Oldies selbige zwar besitzen, aber nur selten bis nie ausführen. Vielfältige Probleme wie die alljährliche Überprüfung, kleine Pannen just 5 Minuten vorm Aufbruch etc. sorgen dafür - und so ging‘s in letzter Zeit auch bei uns zu - Familie Splet war kaum mehr irgendwo bei Veranstaltungen gesichtet ...
Und wenn man nur schwer planen kann, weil‘s hint‘ und vurn im Kalender zwackt, sind die spontanen Dinge die besten. Eigentlich wollt ich für meine KTM-Moperln ja nur diese Embleme kaufen, die dank überalterter Kleber in letzter Zeit irgendwo unbemerkt vom Tank abfielen - und die bei RBO in Neuauflage lieferbar sind (dafür hol ich ihn jetzt einfach vor den Vorhang - Applaus, bitteschön!). Und natürlich wechselten wir beim Kauf auch ein paar private Worte - kennen uns ja seit der HTL - und er meinte, ob ich nicht am Samstag bei der RBOAusfahrt mitmachen möchte ... Ja, stimmt, die Einladung war mit der Post gekommen, am Kalender stand‘s auch, aber ...
Hm - warum eigentlich nicht? Arbeit gibt‘s zwar mehr als genug zu tun, andererseits - die läuft sicher nicht weg - machen wir‘s doch!  Das war Mitte der Woche - dann wurde ich doch a bisserl hektisch. Hatten doch die vorgesehenen fahrbaren Untersätze - ein Puch-Lido in sehr schönem Originalzustand und eine 125er Vespa aus Mitte der 70er, ebenso absolut original mit knapp 6.000 km, Pickerln aus dem letzten Jahrzehnt - irgendwas mit 07 und so ... (Ok, die Vespa hatte eines mit Ablauf 2010, aber das ist auch nicht viel besser).
Unser Mechaniker im Ort (wohl dem, der sowas hat) kennt uns ja - bei ca. 10 Pickerln pro Jahr kein Wunder - also stellte ich ihm die Geräte mit der Bitte, die Prüfung bis Freitag zu erledigen, auf den Hof. Der Lido musste vorher noch a bisserl gestreichelt werden - Elektrostarter mit diffizilem Choke (Voll ziehen, aber GLEICH nach dem Start halb zurück, sonst sauft er ab...) brauchte natürlich eine Batterieladung - den Kickstarter hatten sie sich bei Puch erspart.  Schön! Freitag nachmittag konnte ich die Vespa und Samstag früh den Puch in Empfang nehmen - schon bei der Heimfahrt dachte ich - naja, etwas lahm, der ist schon ewig nicht mehr gefahren worden. Ist ja an sich eine ziemlich schrullige Konstruktion - oder kennt noch jemand eine Zweiradautomatik, die über drei Gänge schaltet - und das auch ordentlich spüren lässt? Puch hat‘s - und dazu der kleine Viertakter ... eine lustige Kombination.
ImageAlso fuhren Hedi - meine liebe Gattin - auf Puch und ich auf der Vespa los. Sie voraus, da der Lido wirklich nicht für Beschleunigungsexzesse sorgte. Gaweinstal - wie schon der Name andeutet, ist die Ortschaft unten. Egal, in welche Richtung wir losfahren - nach spätestens einem Kilometer geht‘s bergauf. Und die B7 Richtung Wien hat nach Kollnbrunn sogar ein ziemlich fieses, weil langes Bergaufstück! 40 - 45 - 50 ... und das war‘s - der Lido blieb standhaft auch außerhalb des Ortsgebietes auf diesem Tempo - ich mit der Vespa mit Viertelgas dahinter. Doch - zwei Kilometer weiter - was ist das? Ich sehe eine graue, ziemlich kompakte Wolke aus dem Auspuff vor mir - wonach Hedi rasch kleiner wurde! Sie erzählte mir später, dass sie plötzlich das Gefühl hatte, einen kräftigen Tritt ins Kreuz zu kriegen - und dann zog der Roller mit merklich deutlicherem Geräusch plötzlich auf 85 hoch - und so blieb‘s dann den ganzen restlichen Tag. Welches Hindernis sich da in Rauch aufgelöst hatte - ich weiß es nicht - jedenfalls stand zügiger Fortbewegung ab jetzt nichts mehr im Wege und wir waren bald beim Standort der Fa.  RBO etwas nördlich von Korneuburg - und wir waren beileibe nicht die Ersten!
Und wie nicht anders zu erwarten - viele Leute, die man schon ewig nicht gesehen hat - und alle haben was zu erzählen. Ich mag sowas!! Für Kaffee und Kuchen war auch gesorgt - Hermann‘s Familie darf ich hier dankend erwähnen - und das Wetter war entgegen der Vorschau eigentlich auch sonnig - Herz, was willst du mehr!  Die Frühjahrsausfahrt der Freunde des Hauses RBO darf man sich so vorstellen: Es gibt drei Klassen: Mopeds und (aus welchem Grund auch immer) langsame Motorräder, Roller und gemütliche Motorräder, und flott fahrende Motorräder.
Alt müssen sie natürlich alle sein - nix für moderne Plastikbomber! Prinzipiell kann sich jeder seine Klasse aussuchen - also rein theoretisch kann ich auch mit einem Moped bei den Motorrädern mitfahren - aber Strecke und Schnitt sind dann nur mit gehörigem Tuning zu bewältigen.
Die Route sollte diesmal in einem ca. 60 km langen Bogen vom Firmenstandort nach Unterrohrbach in die Dampf- und Dieselgarage führen.  Klar, wenn man in der Gegend wohnt, sind die meisten Straßen ohnehin bekannt, aber in der Gruppe ist‘s doch auch mal lustig!
ImageWir starteten zu unserer Zeit - die einzelnen Gruppen gehen mit entsprechendem Zeitabstand auf die Reise - und Hedi legte ein paar "Freudenschwünge" hin, so viel Spaß machte ihr der nun hervorragend laufende Lido!
Die Strecke war schön gewählt - trotzdem verdüsterten sich die Mienen etwas - hatte sich doch zuvor bereits der Himmel ebenso verdüstert.  Noch hielt sich der Regen zurück - noch!  Ein paar Kilometer weiter: die ersten Tropfen.  Ab diesem Zeitpunkt hatte ich eine sehr verhaltene Kurventechnik - leicht schmieriger Belag, alte, also harte Reifen und ein 40 Jahre alter Originallack ... muss nicht sein, das wegen ein paar Sekunden zu zerstören!
Ein gutes Stück später: eine Umleitung - siehe da, die war nicht eingezeichnet! (Kunststück, die Schilder waren erst am gleichen Tag kurz zuvor aufgestellt worden - der Alptraum jedes Veranstalters!) Wir hatten also keine Wahl - die Schleife wurde um etliche Kilometer länger als geplant - was bei den hubraumschwachen Fahrzeugen doch zu etwas Verzögerung führte, aber so starr war der Zeitrahmen gottlob ohnehin nicht.
Vespa und Lido liefen klaglos und der Regen war gerade in ausreichender Menge vorhanden, um den Insektenbelag von der Brille zu waschen - aber nicht mehr - sehr anständig!  Im (vorläufigen) Ziel der Ausfahrt warteten natürlich schon etliche Treiber stärkerer Geräte und der Besitzer des kleinen Museums auf die restlichen Fahrer/innen (Ich bin kein Fan der Gender-Rechtschreibung - aber in diesem Fall waren ein paar Damen auch selbst gefahren, also muss es so sein.) und als alle anwesend waren, gab‘s eine launige Begrüßung durch den Museumsbetreiber, der sowohl Werdegang als auch Intention seiner Sammlerleidenschaft erklärte.  Ich stelle immer wieder fest, dass es Menschen gibt, die in einem anderen Zeitablauf leben - sein Tag muss definitiv mehr als 24 Stunden haben ...
Wir kennen die Sammlung von Karl Schmid und ihn selbst schon seit vielen Jahren - und auch unsere Tochter hat sehr gute Erinnerungen an ihre Erlebnisse in diesem Museum - wobei ich ja gestehen muss, dass für mich die Exponate im 1. Stock - Gerätschaften aus dem Alltag vor 100 - 50 Jahren - sogar noch interessanter sind als die Maschinen und Traktoren im Erdgeschoß.
ImageNach der Führung bzw. Besichtigung fuhren wir ein paar Kilometer weiter nach Oberrohrbach - der Heimatgemeinde von Hermann Stöckl (ich weiß noch, wie ich zu meinem Schulkollegen dorthin fuhr, damit er mir bei der Wartung meiner KTM-Comet hilft ... und daraus ist nun eine große Firma geworden - Gratulation!). Dortselbst war auf einem wunderschönen Freigelände genügend Platz für die vielen Fahrzeuge - die Besatzungen labten sich einstweilen unter Dach bei Wurst etc. Wie ich erfuhr, war dies ursprünglich die Sonnenterrasse eines Pensionistenheims gewesen. Nun, prinzipiell konnte ich es mir vorstellen, erleben konnte ich es leider nicht, da mit unserem Eintreffen eine Öffnung der Himmelsschleusen einherging, die nicht ohne war! Sicher, besser jetzt als früher, aber noch besser wäre es ein paar Stunden später gewesen.
Wir nutzten die etwas verlängerte Mittagspause für weitere Gespräche und als die Regenmenge beinahe gegen Null tendierte wagten wir es, die Heimfahrt anzutreten. Ein Puch-Motorradfahrer aus der Nachbarortschaft schloss sich uns an - in der Gruppe fühlte er sich mit seinem Elektrikproblem sicherer - der Lido hat ein hervorragendes Licht und die Vespa eigentlich auch, und der Himmel war immer noch sehr dunkel - der Grund dafür sollte uns bald bewusst werden - wir kamen in einen Guss, der für allseitig sehr feuchte Verhältnisse sorgte. Dass daheim in Gaweinstal alles trocken und beinahe Sonnenschein war, war uns eine halbe Stunde später eigentlich ziemlich egal - wir wollten nur mehr aus den nassen Klamotten raus!
Aber irgendwie gehört sowas auch zum Fahren einspuriger Fahrzeuge dazu - immer nur Schönwetter gibt‘s bei uns nicht und wer über unser Wetter mault, soll sich mal Bilder von Landschaften ohne Regen ansehen - da ist‘s nix mit herrlichen Wald- und Wiesendurchfahrten!
Wir hatten jedenfalls diesen Ausflug sehr genossen und der alte Spruch hatte sich bestätigt: ab und zu muss man eben spontan sein!
 
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