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Freitag, 23. Juni 2017
London–Brighton Drucken E-Mail
Geschrieben von Rudolf Bromberger   

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Diesmal auf keinen Fall zum Baden, ausgenommen im Applaus tausender Fans.

Echte Auto-, speziell Oldtimerfreunde finden immer wieder einen guten Grund, zu feiern und auch mobil unterwegs zu sein.

1896, zugegeben schon ein ganzes Weilchen her, gab es in London einen ganz besonderen Grund, richtig zu feiern. Ja, 1896, das ist schon richtig und die zwangsläufigen Gedanken, ob es damals denn schon Autos gab, sind durchwegs gerechtfertigt. Es gab sie und – es gibt viele davon – bis heute.


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Was gab es damals zu feiern und wie? Die Geschwindigkeitsbeschränkung von 4 mph wurde aufgehoben und der zwangsweise „Voranschreitende“ mit der roten Fahne – als Warnung vor dem bösen Ding, das da daher rattert – wurden  aufgehoben.

Symbolhaft und voll Enthusiasmus zerrissen ein paar Leute, rund um M. Gorden Finch-Hatton, die rote Fahne und starteten ein Rennen von London zum mondänen Badeort Brigthon. Hier waren Earls und Lordschaften ebenso dabei, wie Erfinder, Lebenskünstler und Pioniere der neuen Art von Kutschen ohne Pferde. Gewonnen hat übrigens der Franzose Léon Bollée auf einem – na klar doch – Bollée Dreirad.

„Aha“, wird der eine oder andere Leser zur Marke Bollée sagen, aber wer die Teilnehmerlisten studiert, wird eine große Zahl von Typen, Marken und Fabrikationen finden, die eine echte und auch anstrengende Zeitreise in die Zeit des „Fahrens ohne Pferde“ und damit eine neue Welt eröffnet.

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Seit 1927 jährlich Anfang November, abgesehen von den Kriegsjahren und Zeiten der Benzinknappheit; seit 1930 wird das Rennen vom Royal Automobilclub veranstaltet. Das Erlebnis des ältesten Automobilrennens ist bis heute zu erleben. Mehr als 400 Fahrzeuge, vom Verbrennungsmotor, Dampf oder auch Elektro angetrieben, oft auch dazwischen mit Muskelkraft, begeben sich vom Londoner Hyde Park zum Seebad nach Brighton. Eine Herausforderung, Abenteuer und pure Nostalgie, ist doch keines der Fahrzeuge später als 1905 gebaut worden.

Klar, dass es bitterkalt ist, aber auch logisch, dass fast alle Teilnehmer very british gekleidet sind und für diese Stunden, die sicher für viele mühsam und extrem anstrengend sind, in einer anderen Welt leben, denken und lenken.


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Der Lohn ist eine Medaille, aber auch der Applaus der tausenden Zuschauer, oft auch passend gekleidet, entlang der Strecke. Es sind diese kleinen Orte, die große Stimmung machen. Da scheint keiner mehr zu Hause zu sein, alle sind auf der Straße und harren stundenlang aus, um die Teilnehmer anzufeuern, zu bejubeln und dann und wann auch „Hand anzulegen“, wenn es bergauf geht oder das Mobil und die Fahrer ins Schnaufen kommen.

Als ob die Fahrt der 54 Meilen mit derartigen Gerätschaften und Fahrzeugen nicht schon Herausforderung und Abenteuer genug wäre, es gibt dazwischen auch noch Timingprüfungen und Bergwertungen. Hammer-Hill und Red-Hill stellen alles was Räder hat und auch die Insassen auf die Probe, Tee und Applaus gibt es in

Crawley und vielen Dörfern entlang der Route. Man fährt im öffentlichen Verkehr, aber jedes moderne Auto und auch die „mitfahrenden“ Oldtimerfans und Fan-Doppeldeckerbusse machen sofort Platz und freie Fahrt, schon seit 120 Jahren.

 Es lohnt sich, dabei zu sein, wenn auch „nur“ am Straßenrand, vielleicht auch mit kalten Fingern den Teebecher krampfhaft haltend, aber mit Faszination und Begeisterung.

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Natürlich, gibt es rundherum noch einige Veranstaltungen, auch echt gute Museen und man feiert gleichzeitig auch den „Guy Fawkes“-Tag

mit vielen Feuerwerken, Festivals auf den Schlössern und Straßenfesten mit Fackelzügen in vielen, meist kleinen, Orten. Man erinnert sich an den bösen Knaben, der am 5. November 1605 einen Sprengstoffanschlag auf das Parlament und den damaligen König plante, was aber zum Glück gescheitert ist. Seit dieser Zeit feiert man in und rund um London die Bonfire Night.

London–Brighton … das ist Schwerarbeit die glücklich macht, aber auch unvorstellbar, was es heute noch an Fahrzeugen gibt, die aus den Anfängen der „Feuerrösser“ stammen, aber auch noch dazu eine solche Herausforderung schaffen und immer wieder, bis auf ein paar Ausnahmen, durchs Ziel am Madeira Drive rollen, tuckern, dampfen, brummen oder rattern. Wer das erlebt hat, wenn auch nur als Zuschauer, hat fast das Gefühl, jedes Auto sagt Dir … „schau was ich geschafft habe“ und die Insassen haben, abgesehen von Kälteerscheinungen, ein so stolzes Lächeln.


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Da stehen Sie wieder und die Geschichte lebt weiter, auch wenn viele dieser Marken lange schon wieder in Vergessenheit geraten sind, sie fahren wieder, spätestens 2017 beim London–Brighton Run.

Peugeot, Panhard, De Dion, Daimler, Peugeot, Benz, Renault, Adler, Locomobile, Darracq, Oldsmobile, auch Wolseley, Delahaye oder Napier hat man schon als Historie im Kopf, aber Léon Bollée, Henriod, Phebus, New Orleans, Pieper oder Stephens sind schon Namen, die man vor London–Brighton nicht unbedingt in der Oldiegeschichte vermutet, oder?

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