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Freitag, 26. Mai 2017
Dudenhofen: Vom Prüffeld zum Opel Test Center Drucken E-Mail
Geschrieben von Opel Historic   

Heft bestellen - Dudenhofen: Vom Prüffeld zum Opel Test Center

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Vor über 50 Jahren eröffnet das Opel-„Prüffeld“ in Dudenhofen, wie es damals noch heißt. Bis heute mussten sich hier Millionen von Opel-Fahrzeugen härtesten Prüfungen auf dem Weg zur Serienreife unterziehen. Von Beginn an wird das Areal ständig erweitert und modernisiert, so dass es sich zum größten und wichtigsten Test Center von Opel in Europa entwickelt hat.

„Keine Gnade“ – von Anfang an Zum Start im April 1966 umfasst das 2,6 Quadratkilometer große, streng abgeschirmte Gelände im Wald bei Rodgau-Dudenhofen eine Kombination aus unterschiedlichen Straßen und Wegen mit einer Gesamtlänge von 33 Kilometern. Damals wie heute kennen die Ingenieure keine Gnade, wenn es darum geht Neuentwicklungen zu testen. Etwa auf der fünf Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsbahn, die einen Neigungswinkel von 33 Grad aufweist und das Gelände wie ein Ring umschließt. Oder auf dem „Skid Pad“, einer betonierten Schleuderplatte mit 100 Metern Durchmesser. Es dient dazu, das Lenkverhalten zu ermitteln oder das Ausbrechen des Hecks in Kurven exakt zu messen. In den 1980er-Jahren kommt eine 4,4 Kilometer lange „Geräusch- und Komfortstrecke“ hinzu. 1992 wird der stark beanspruchte Hochgeschwindigkeitskurs in 24 Wochen komplett erneuert. Seither ermöglichen Rundkurs, Komfort- und Geräuschmessstrecke, „Skid Pad“, Berg-, Handling- und Marterstrecke intensive Fahrzeugtests und Entwicklungsarbeit an Motoren, Bremsen, Lenkung oder Fahrwerk.


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Mit 250 km/h in die Kurve – ohne Hände am Lenkrad Sukzessive wird das Gelände erweitert. 2004 kommt eine ovale Strecke mit einem Be- und Entwässerungssystem für Schleuderversuche und Slalomfahrten hinzu. 2006 folgt ein Allrad-Rollenprüfstand sowie eine moderne Großtankstelle mit 32 Zapfpistolen für 16 verschiedene Kraftstoffe. Seit der zweiten Rundbahnerneuerung im Jahr 2012 können Testfahrer mit 250 km/h querkraftfrei die Steilkurve entlang fahren – und dabei theoretisch auch die Hände vom Lenkrad nehmen. So überprüfen sie die zuvor errechneten Zielwerte wie etwa die Höchstgeschwindigkeit in der Realität. Die hauseigene Wetterstation liefert Daten zur Luftfeuchtigkeit, Windstärke und -richtung. Sie werden ergänzt durch hochempfindliche Sensoren in der Fahrbahndecke, die permanent Werte zu Temperatur und Feuchtigkeit des Belags messen, damit diese in den Testergebnissen berücksichtigt werden können – und natürlich, um die Bahnen je nach Wetterlage optimal für die Tests präparieren zu können.


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Wenn Fahrzeuge wie der neue Opel Astra in Dudenhofen auf Herz und Nieren überprüft werden, heißt das für sie vor Ort rund 45.000 Kilometer Extrembelastung. Das entspricht zehn Jahren Autoleben bei ambitionierter Fahrweise auf „echten Fahrbahnen“. So wurde die jüngste Kompaktklasse-Generation in nur 24 Wochen Belastungen ausgesetzt, die einem ganzen Fahrzeugleben gleichkommen. Hinzu kommen außerhalb des Geländes unzählige Testkilometer auf vielen verschiedenen Strecken in ganz Europa.


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Eine von vielen entscheidenden Prüfungen, der sich auch der Astra in Dudenhofen unterziehen musste, ist der „Dauerversuch“. Die Dauerlaufstrecken bieten viele unterschiedliche Fahrbahnoberflächen wie Asphalt und Kopfsteinpflaster, Bodenwellen und zahlreiche Kurven. Hier kontrollieren die Ingenieure, ob es ihnen gelungen ist, die Performance und die Qualität, die sie mit den Entwicklungsfahrzeugen abgestimmt und freigegeben haben, auch in die Serienproduktion zu überführen.

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Investitionen für die Fahrzeugentwicklung der Zukunft 2013 startet Opel das bislang größte Erweiterungs- und Modernisierungsvorhaben in Dudenhofen. Das Unternehmen investiert bis 2020 einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in das südöstlich von Frankfurt gelegene Gelände mit einer Teststrecke von mittlerweile rund 70 Kilometern. Bis dato fertiggestellt ist die neue Zufahrt, die in einem Bogen zum neuen Empfangsgebäude und den neuen Parkplätzen führt. Außerdem konnten bereits die neue Chassis-Werkstatt mit großem Reifenlager für bis zu 8.000 Räder sowie drei neue Antriebsstrang-Entwicklungsprüfstände eingeweiht werden. Auch die „Lange Gerade“ ist mittlerweile in Betrieb – eine 1,7 Kilometer lange Strecke samt mehrspurigen Rückfahrschleifen mit geneigten Kurven. Deren Neigungswinkel sind so gestaltet, dass während der Durchfahrt alle Räder absolut gleichmäßig belastet bleiben. So können bei den Bremstests am Ende der Strecke Messergebnisse erhoben werden, als sei das Fahrzeug stets geradeaus gefahren.

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Die „Lange Gerade“ mündet in das neue „Skid Pad“ mit 300 Metern Durchmesser, das Tests für automatisiertes Fahren ermöglichen wird. Die Gerade hat damit die Form eines Trichters, der sich von 30 auf 300 Meter verbreitert. „Da könnte problemlos eine Boeing 737 landen“, veranschaulicht Dr. Matthias Schollmaier, Direktor des Opel Test Centers, die Dimensionen. Der Bauabschnitt „Lange Gerade“ liegt außerhalb des angestammten Areals und verläuft parallel zur angrenzenden Landstraße. Daher musste zusätzliches Gelände von der Stadt Rodgau erworben werden.

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Auch im Bereich Fahrerassistenz-Systeme erweitert Opel die Kapazitäten in Rodgau-Dudenhofen mit einer neuen Strecke für „Automatisiertes Notfall-Bremsen“ (Automated Emergency Braking). „Wir haben noch viel vor“, sagt Dr. Schollmaier. „Unter anderem planen wir eine Lagerhalle für Einsatzfahrzeuge und Servicematerial, weitere Büros, zwei Parkhäuser und eine neue Kantine für die wachsende Belegschaft.“ Doch das ist längst nicht alles: Die Gesamtstreckenlänge am Standort wird in den nächsten Jahren auf 90 Kilometer ausgebaut. Dazu kommen im Herz der Anlage Prüfstände für Antriebssysteme sowie diverse Streckenerweiterungen und neue Streckenführungen für unterschiedlichste Ansprüche. Im hochmodernen Test- und Entwicklungszentrum Dudenhofen werden dann statt einstmals 150 bis zu 700 Mitarbeiter tätig sein.

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