Frühling, Sommer, Herbst im Winter - Cavallino Classic, Cape Kennedy und NASCAR in Florida
Geschrieben von Helmut Artacker   

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Eine attraktive Möglichkeit, dem österreichischen Winter kurz zu entkommen, ist der Südosten der USA. Während der Süden Floridas im Januar wärmer ist als bei uns mancher Juli, sind die Temperaturen nur wenige hundert Kilometer nördlich mitunter frühlingshaft-herbstlich.

Wir haben für unsere Reise die im Untertitel erwähnten Highlights für den autoaffinen und technikbegeisterten Mann um Programmpunkte wie Flanieren in Fort Lauderdale oder am Ocean Drive in Miami Beach, Erholen in Key West und einen Rundflug im Wasserflugzeug über Miami ergänzt. Das ist gut für die Liebste und dient dem Motto „happy wife – happy life“, wie man dort so sagt.

Cavallino Classic

Im Rahmen der Cavallino Classic, einer weltweit bekannten Top-Veranstaltung des amerikanischen Cavallino-Magazins, präsentieren sich klassische Ferrari auf der Rennstrecke des Palm Beach International Raceway und dann vor dem Breakers Hotel im Rahmen eines Concours d’Elegance.

Die Anzahl der Teilnehmer auf der Rennstrecke hat heuer leider zu wünschen übriggelassen, die Zahl der ambitionierten Fahrer noch mehr. Zwei Alfa Romeo und ein Bugatti aus der Vorkriegszeit, ein 250 GTO und ein SWB sowie drei 512 LM sind da als rühmliche Ausnahmen in Erinnerung.

Beim Concours d’Elegance vor dem Breakers Hotel werden erlesenste Ferrari aus den 50ern und 60ern neben neueren präsentiert und prämiert. Wie auch immer man zu dieser Art des Wettbewerbs stehen mag: Die dort ausgestellten Fahrzeuge sind teilweise Einzelstücke oder Kleinstserien, viele mit toller Geschichte, man darf sie bei gutem Licht auch aus der Nähe ansehen oder fotografieren. Das alleine spricht dafür. Der Rahmen ist exklusiv, Kleidung und Verhalten der Aussteller und Besucher sind diesem Rahmen angepasst, macht sich insgesamt sehr gut.

Eine vollständige Aufzählung der präsentierten Fahrzeuge ist hier kaum möglich, ein Auszug aus den ausgestellten Fahrzeugen mit 3-Liter-Motor (Serie 250): MM PF Berlinetta (der Allerwunderschönste), Boano, PF Cabriolet, Testarossa, TdF, GT Zagato, GTO (der Teuerste), SWB, California …

Weiter hinten – man stelle sich das vor, auf den billigen Plätzen sozusagen – warten dann viele 275, 330, 365, Dinos, und die 8- und 12-Zylinder der 70er bis heute auf Juroren und Publikum. Ein Aussteller hat dazu gemeint, die Autos der 80er und jünger dienen dem Auffüllen der Veranstaltung und der Kassen.

Weitere Informationen, Ergebnisse des Concours und Termine für noch folgende Veranstaltungen unter www.cavallinoclassic.com

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Kennedy Space Center

Knapp vier Autostunden nördlich von Miami liegt das Kennedy Space Center, direkt am Atlantik. Den Standort hat man seinerzeit unter anderem aus folgenden Gesichtspunkten gewählt: In Äquatornähe ist die Zentrifugalkraft am höchsten, was beim Abschuss hilft; Raketen starten nach Osten, im Fall des Falles ist das Meer dem (bewohnten) Festland vorzuziehen und - höhere Umgebungstemperaturen sind für Raketenstarts von Vorteil.

Spätestens nach Betreten des insgesamt 55 km langen und 10 km breiten Geländes fällt der Besucher im Rocket Garden in Weltraum- und Forscherstimmung. Vorbei an den Raketen warten viele Stationen zu unterschiedlichen Themen. Mehrere Filme und Ausstellungen in verschiedenen Sälen oder Hallen zeigen die Erde von oben, das Leben in der Raumkapsel, Schwerelosigkeit, die Mission Mars und einiges mehr.

Ein Gebäude mit der Aufschrift „Atlantis“ empfängt den Besucher mit einer Filmvorführung wie andere auch, diese solle man jedenfalls über sich ergehen lassen. Am Ende des Films wird die Leinwand nach oben gezogen und sie steht leibhaftig vor einem, sieht dem Betrachter quasi in die Augen: Atlantis. Ganz, echt, riesig, umwerfend! Großartiges Kino, das können sie!

Per Bus werden Besucher zum Launch Complex geführt, jenen Teil des Areals, welcher der Endmontage und dem Abschuss der Raketen dient. Auch dort alles sauber, geheim, toll und riesig. Selbst hier herausragend das Vehicle Assembly Building, welches mit 218 x 158 x 160 m (L x B x H) laut Guide zu den volumsmäßig größten Gebäuden der Erde zählt. In diesem Bereich ist die Saturn 5 ausgestellt, noch heute außerordentlich beeindruckend, obgleich die Entstehungsgeschichte bereits im Zweiten Weltkrieg beginnt und der letzte Einsatz über 40 Jahre zurückliegt.

Noch immer starten regelmäßig Raketen, wie eine Woche vor unserem Besuch ein Versorgungsflug zu einem Satelliten, eine Woche nach unserem Besuch der Start von Spacex mit dem Tesla an Bord.

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Daytona International Speedway – NASCAR-Boliden selbst fahren

Wenige Tage im Jahr ist die Rennstrecke für zahlungskräftige, ambitionierte Touristen reserviert. Der Zeitplan ist auf www.daytonainternationalspeedway.com herauszufinden, die Buchung ebendort zu veranlassen.

Wenn es dann endlich soweit ist, folgt auf Akkreditierung und Umkleiden eine Schulung. Es wird penibel geklärt, was man tun muss und was man keinesfalls tun darf. Jeder Fahrer hat, einmal im Auto, über eine Gegensprechanlage im Helm Kontakt mit seinem Betreuer. Wird eine Anordnung nicht befolgt, kann dieser die Zündung des Autos per Funk deaktivieren und der Renntag ist beendet.

Dann endlich zur Strecke, Helm ausfassen und ins Gerät. Durch die Fensteröffnung, wie es gehört, da hilft sportliche Beweglichkeit, statt Zumachen wird ein Textilgitter vorgehängt. Vor dem Starten des Motors am manuellen 4-Gang-Getriebe den ersten Gang einlegen, dann den Motor starten und der Instruktor erlaubt über Funk das Losfahren.

Die anfangs erlaubten 4.000 U/min werden vom Instruktor bei ordentlicher Fahrweise jede Runde um 200 U/min erhöht, gefahren wird strikt „five feet above the yellow line“, welche den inneren Streckenrand anzeigt. Zur Mauer darf der Novize nicht rauf.

Bei 5.000 U/min sind die Autos abgeriegelt, entspricht etwa 230–240 km/h. Jedes Mal im Begrenzer lupfen, gerade so viel wie nötig, keinesfalls mehr als unbedingt erforderlich. Mit dieser Geschwindigkeit wird das ganze Oval durchfahren, die Steilkurve ist in den ersten Runden fordernd-anders, es gibt interessanterweise mehr Fliehkräfte als beispielsweise am ungarischen Raba-Ring.

Wir hatten zweimal acht Minuten gebucht. Beim ersten Turn sind die möglichen 240 km/h auch für den etwas geübten Fahrer ausreichend, beim zweiten Turn hätte es schon mehr sein dürfen.

Verglichen mit europäischen modernen Sportwägen ist es im etwa 10–15 Jahre alten NASCAR-Fahrzeug laut (600 PS V 8, Rennauspuff, nur Gitter im Fenster, keine Dämmung), man hat keinen Geradeauslauf (bei diesen Autos bewusst, fährt ja immer nur linksrum), keine Servo, dafür stinkt’s ein bissl.

Ein archaisches Gesamterlebnis, das ebenso wie das oben vorgeschlagene Ausgleichsprogramm für die Ladies jede Floridareise bereichert.

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