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Donnerstag, 11. August 2022
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Geschrieben von Alexander Korab   
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Alfa ist 100
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Alfa ist 100

Ein Blick ins Museo Storico Alfa Romeo in Arese
von Alexander Korab

 

ImageZahlreiche Automobilmarken wurden gegründet und sind wieder verschwunden. Fünfzehn existieren noch, die auf eine mehr als 100jährige Geschichte zurückblicken können und Alfa Romeo zählt seit heuer dazu. Das Jubiläum ist der ideale Anlass, dem Museo Storico Alfa Romeo einen Besuch abzustatten. Das Museum ist ein Geheimtipp. Es liegt gut versteckt auf dem Gelände des mittlerweile aufgelassenen Alfa-Werks in Arese nördlich von Mailand, das 1960/61 errichtet wurde. Heute befindet sich die Produktion ja in Turin und in Pomigliano D’Arco bei Neapel. Die Hallen in Arese stehen seit Mitte der 80er Jahre leer und im ehemaligen Bürogebäude arbeiten gerade mal sieben Leute, die sich um die umfangreiche Alfa-Historie und das Museum kümmern. Man muss schon einen besonderen Grund haben, in die einsame, von grauen Betonwänden gesäumte Nebenstraße abzubiegen, welche vor einem rostigen Pförtnerhäuschen endet.

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Alfa-Frühgeschichte und der Aerodinamica (1914) im Hintergrund
Dann ist man doch einigermaßen überrascht - fast wie Alibaba in der Schatzhöhle, wenn man das Museum betritt. Größer könnte der Kontrast nicht sein zwischen den verwaisten Fabriksanlagen und der außergewöhnlichen, überaus gepflegten Sammlung. In sechs Etagen sind über hundert Fahrzeuge ausgestellt und mustergültig dokumentiert, darunter viele extrem teure Einzelstücke und Prototypen. Alfa Romeo macht leider nicht viel Aufhebens um das Museum, solange es keine Gesamtlösung für das Areal gibt. Vor ein paar Jahren beabsichtigte man, hier ein Kundencenter oder einen Alfa Romeo-Erlebnispark zu errichten und diesen zum 100. Geburtstag feierlich zu eröffnen, aber die Finanzkrise des Fiat-Konzerns hat diese Pläne wohl vereitelt.

Genau genommen feiert ALFA - die Anonimia Lombarda Fabbrica Automobili Geburtstag, denn Alfa Romeo heißen die Autos erst seit 1918, benannt nach Nicola Romeo, der das Unternehmen 1915 kaufte und bis 1930 leitete. Die Alfa-Story beginnt jedoch schon 1906, als in Portello nicht weit von Arese ein Darracq-Werk errichtet wurde. 1910 übernahmen lombardische Geschäftsleute das glücklose Unternehmen. Im gleichen Jahr erschien bereits der erste Alfa, ein robuster, großvolumiger Vierzylinder mit der Bezeichnung 24HP, den der Ingenieur Giuseppe Merosi konstruiert hatte. Bald gab es auch Erfolge im Motorsport, dennoch gestaltete sich die Zeit bis zum 1. Weltkrieg schwierig. Die Jahre 1914-1918 standen bei Alfa ganz im Zeichen der Rüstungsindustrie. Nach dem Krieg gelingt der Neustart einer Automobilproduktion und Alfa Romeo gedeiht zu einem der führenden Fahrzeughersteller Italiens. Ein rotes Kreuz auf weißem Grund und ein Reptil mit einem Kind im Rachen - das Stadtwappen von Mailand demonstrierte die Verbundenheit der Marke mit der Region. In der Zwischenkriegszeit entstanden weitere Werke in Saronno, Neapel, Triest und Rom, in denen auch Traktoren, Lastwagen, Omnibusse, Straßenwalzen, Lokomotiven, Eisenbahnwaggons, Baumaschinen sowie Motoren für Schiffe und Flugzeuge produziert wurden. 1925 gewann Alfa mit dem P2 die Weltmeisterschaft. Ein aufgeladener 6C 1500 siegte 1928 erstmals bei der Mille Miglia. Bedeutend für Alfa Romeo war die Gründung der "Scuderia Ferrari" 1929. Der erfolgreiche Alfa-Werksfahrer Enzo Ferrari gründet ein privates Renn-Team und führte die motorsportlichen Aktivitäten von Maranello aus fort.
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ALFA 24HP Torpedo 1910
1930 nannte Ferrari 6 Wagen bei der Mille Miglia. Der geniale Tazio Nuvolari gewann das Straßenrennen auf einem 6C 1750, gefolgt von seinem Teamkollegen Achille Varzi. Der 1750er Alfa war ein Meisterwerk an Präzision und Verarbeitungsqualität. Zahlreiche Motorsporterfolge verdankt er seiner sprichwörtlichen Robustheit gegen eine Konkurrenz, die nicht selten leistungsmäßig überlegen war. Langstreckenbewerbe waren daher das bevorzugte Revier von Alfa. 1931 siegte Nuvolari mit dem von Vittorio Jano konstruierten 8C 2300 bei der Targa Florio in Sizilien. 1932 war für Alfa das wahrscheinlich erfolgreichste Jahr vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Mailänder gewinnen mit dem P3, einem kompromisslosen Rennwagen mit 2,6 Litern Hubraum und 215 PS, jeden wichtigen Grand Prix und jedes nennenswerte Sportwagenrennen in Europa. Die meisten Siege teilen sich Novolari und der Deutsche Rudolf Caracchiola.
Die Weltwirtschaftskrise traf Alfa Romeo hart. 1933 übernahm eine staatliche Auffanggesellschaft das renommierte Werk. Trotz finanzieller Probleme wurde das Engagement im Motorsport fortgesetzt. 1934 konnte Alfa mit dem auf 2,9 Liter aufgebohrten P3 noch eine stattliche Anzahl von Erfolgen verbuchen. Ab 1935 dominierte die deutsche Konkurrenz mit Mercedes und Auto Union. Tazio Novolari holt sich am 28. Juli 1935 noch einen sensationellen Sieg auf dem Nürburgring. Danach hatte Alfa nichts mehr gegen die überlegenen Silberpfeile aufzubieten.

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Alfa Romeo P2, der 1925 den Grand Prix von Europa gewann
Einige Rennwagen mit 1,5 Liter Motoren, die ursprünglich für die Voiturette-Serie entwickelt worden waren, überlebten den Zweiten Weltkrieg unbeschadet hinter ein paar Strohballen versteckt. Für die neue Nachkriegs-Grand-Prix-Formel (1,5 Liter aufgeladen oder 4,5 Liter ohne Kompressor) war die Alfetta wie geschaffen und sorgte von 1947 bis 1951 für eine grandiose Siegesserie. Bei der ersten Fahrerweltmeisterschaft 1950 trat Alfa mit einem Team an, das als die drei großen "F" berühmt wurde. Die beiden Italiener Giuseppe Farina und Luigi Fagioli sowie das argentinische Talent Juan Manuel Fangio pilotierten die Alfetta 158. Bei allen elf Einsätzen blieb die Alfetta ungeschlagen und am Ende war Farina der erste Formel 1 Weltmeister der Geschichte. 1951 konnte Fangio noch drei der sechs Großen Preise für sich entscheiden und wurde knapp vor Ascari und Gonzales, beide auf Ferrari, Weltmeister. Danach erklärte Alfa Romeo den Rücktritt vom Grand Prix-Rennsport und dabei blieb es bis zur Kooperation mit Brabham in den 70er Jahren. Als Hersteller von Straßenfahrzeugen wandelte sich Alfa Romeo vom kleinen Feinkostladen mit einer Jahresproduktion von 160 Fahrzeugen (1946) zum Global Player mit einem jährlichen Output von über 100.000 Stück (1969). Nach Kriegsende setzte man die Produktion des 6C 2500 fort. 1950 wurde der Alfa Romeo 1900 vorgestellt, ein richtungsweisendes Konzept, das vom Österreicher Rudolf Hruska mitentwickelt worden war. Die 1954 präsentierte Giulietta – auch hier war Hruska federführend – eroberte die Herzen der Alfisti im Sturm. 1962 folge die unvergessliche Giulia, die vielen als das klassische italienische Polizeiauto in Erinnerung bleibt. Mit der Bertone gestalteten Junior-Serie wurde die sportliche GT-Tradition von Alfa in den 60er-Jahren fortgesetzt. Im Film "Die Reifeprüfung" machte Dustin Hoffmann den Spider zum Symbol einer ganzen Generation.


 
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