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Montag, 4. März 2024
Großes Kino - Die Alpenfahrt wird 100! Drucken E-Mail
Geschrieben von Gernot Kronberger   

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Die Alpenfahrt ist Geschichte pur - zum Erleben, zum Anfassen, zum Staunen. 1910 erstmals gestartet, ist sie die älteste, existierende Rallye der Welt.

Text: Gernot Kronberger
Fotos: Veranstalter

 

 

ImageIm September 2010 war es soweit, die Alpenfahrt feiert ihr 100 Jahr Jubiläum. Und ein rekordverdächtiges Teilnehmerfeld von 150 Teams spart nicht mit Gratulationen und erweist der alten Dame die Ehre. Von den zwei ältesten Fahrzeugen im Feld, dem 1927er Farzer Nash Supersports und der 1927er Lancia Lambda Torpedo bis zur Alpine Renault A110 und dem BMW 2002 ti, den letzten Siegern der als schnellen Rallye ausgetragenen Alpenfahrt, tritt alles an, was in diesen Jahren Rallyegeschichte schrieb. Porsche 356, 911 und 914, VW Käfer 1302 S, Lancia Fulvia Coupe, Mini Cooper, Citroen DS 21, Renault R12 Gordini, BMW 502 und der unvergessene Puch 650 TR wetteifern mit Sportwagen der Marken Alfa Romeo, Ferrari, Maserati, Jaguar, Triumph und Aston Martin um die Gunst des Publikums in Bad Kleinkirchheim. Die Veranstalter rund um "Mastermind" Walter Schuschnig lassen nichts aus, um der Alpenfahrt zu ihrem runden Geburtstag einen würdigen Rahmen zu bieten.

Angefangen vom Festzelt mit stilvoller rundum Verköstigung über eine Sonderausstellung automobiler Pretiosen ab Baujahr 1912 bis hin zu "zig" Timing- und geheimen Sonderprüfungen, 970 Kilometern über Alpenpässe, herrlichen Panoramastraßen und romantischen Gegenden in Österreich, Italien und Slowenien. Einzig der Wettergott lässt sich ob der tadellosen Organisation nicht milde stimmen. Kälte und Dauerregen machen die Alpenfahrt 2010 zu einer selektiven Prüfung, die es mit dem historischen Vorbild allemal aufnehmen kann. Turrach, Glockner, Passo del Predil und Vrsic Pass lassen sich mehr bezwingen als befahren. Auch die Villacher Alpenstraße, die Nockalm und Flattnitz mutieren nicht gerade zu lieblichen Ausflugs Straßen, tragen aber dazu bei, den Mythos Alpenfahrt hautnah zu erleben. Irgendwie lassen sich die Strapazen, denen Mensch und Maschine damals ausgesetzt waren, auch heute noch sehr stimmig nachvollziehen.

Genau so konnten auch Daniel Volke/ Andrea Berenfeld, Jaguar E Coupe das Gefühl des Triumphes nachvollziehen. Die Titelverteidigung bei eine der absolut besten Veranstaltungen des Landes gelingt nur ganz wenigen und macht auch sie zu eine der vielen Legenden der Alpenfahrt.  Und alle, die das große Jubiläum miterleben durften, fiebern einer großen Zukunft der Alpenfahrt entgegen.

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Die ersten 100 Jahre der Alpenfahrt

Im Rahmen der 9. IÖ Alpenfahrt Classic Rallye in Bad Kleinkirchheim feierte die Alpenfahrt im September 2010 den einhundertsten Geburtstag.

Image1910 hat der k. k. Österreichische Automobilclub die Idee des jungen Walther Freiherren von Franz verwirklicht und eine "Alpenfahrt" durchgeführt, die der "Aufzucht des berg- und alpentauglichen Automobils" dienen sollte. In den folgenden 63 Jahren, also bis 1973 sollten mehr als 100 verschiedene "Alpenfahrten" in zahlreichen europäischen "Alpen"-Ländern folgen.

Tollkühne Männer - und vereinzelt auch schon Alpenfahrerinnen - wagten sich mit ihren fragilen Autos an das Abenteuer im Hochgebirge heran.  Auf Maultierpfaden mit gefährlichen ungesicherten Abstürzen bezwangen die wagemutigen Alpenfahrer die steilsten Alpenpässe. Der prominenteste Teilnehmer war wohl Erzherzog Karl Franz Josef, der 1916 als Kaiser Karl I. den Thron der Donaumonarchie bestieg.

Große Konstrukteure und Industriegründer wie Herbert Austin, August Horch, Hans Ledwinka, Fritz Opel und Ferdinand Porsche fuhren persönlich und erfolgreich bei diesen Alpenfahrten mit. Das führte zu gewaltigen technischen Verbesserungen an den teilnehmenden Wagen, denn bis dato galt "bergauf gab der Motor zu wenig Leistung und bergab versagten die Bremsen." Die ersten 100 Jahre der Alpenfahrt Im Rahmen der 9. IÖ Alpenfahrt Classic Rallye in Bad Kleinkirchheim feierte die Alpenfahrt im September 2010 den einhundertsten Geburtstag.  Text: Gernot Kronberger Quelle: Martin Pfundner 100 Jahre Alpenfahrt, Böhlau-Verlag Aber bald erreichten die Fahrzeuge auf Grund des unermüdlichen Ringens der Konstrukteure um Verbesserungen ein hohes Maß an Bergtauglichkeit und die Alpenfahrt wurde in den Augen der europäischen Automobilindustrie die schwerste, bedeutendste und publicity-trächtigste Prüfungsfahrt für Tourenwagen.

ImageNach dem Weltkrieg musste das klein gewordene Österreich vorerst pausieren - die schönsten Alpenregionen wie Südtirol mit den Dolomiten und die Ostalpen in Friaul waren an Italien gefallen.  Doch der Nimbus der Alpenfahrt produzierte viele Nachahmer. So gab es bald auch Alpenfahrten in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz, während Österreich sich mit Ungarn zur Alföld- Alpenfahrt zusammentat. Weil das Auto nun auch für den Durchschnittsfahrer alpentauglich geworden war, lösten die Alpenfahrten zahlreiche Hochgebirgs-Straßenbauten zur verkehrsmäßigen Erschließung der Alpen aus, lange bevor es Autobahnen in der Ebene in nennenswertem Ausmaß gab. So entstand unter anderem in einer nur 5 Jahre dauernden Rekord-Bauzeit von 1930 - 1935 die Großglockner Hochalpenstraße. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass in der damaligen Zeit nur einfache Werkzeuge und Maschinen zur Verfügung standen. Auch dies unterstreicht die Wichtigkeit der Alpenfahrten.

In den Zwischenkriegsjahren entstand aber auch die Vision einer großen grenzüberschreitenden Alpenfahrt, zu der sich die Automobil Clubs aller Alpenstaaten zusammenschlossen. So lief die "Internationale Alpenfahrt", auch "Coupe Internationale des Alpes" genannt, von 1928 bis 1936 als wahrhaft panalpines Ereignis. Sie führte über alle wichtigen Alpenpässe Frankreichs, Italiens, der Schweiz, Österreichs, Deutschlands und sogar Jugoslawiens und war wiederum die bedeutendste Tourenwagenprüfung in Europa.

ImageNach dem Zweiten Weltkrieg trat Frankreich de facto das Erbe des "Coupe Internationale des Alpes" an. In den Jahren 1946 bis 1967 galt sie zu Recht als die bestorganisierte und härteste Rallye der Welt. Sie schloss alle wichtigen Alpenpässe in die Streckenführung ein. In der Qualität der Teilnehmer, wenn auch nicht in der Zahl der Starter, übertraf sie die Rallye Monte Carlo. Die 1949 wiedergeborene Österreichische Alpenfahrt konnte sich vorerst wegen der Kriegsfolgen nicht mit ihr messen, auch weil ihr Schwerpunkt anfangs nicht beim Automobil, sondern beim Motorrad lag. Dies änderte sich um 1967, als die Österreichische Alpenfahrt für Automobile einen Reformschub erlebte, während die Französische Alpenfahrt an Bedeutung verlor und bald aus dem Kalender verschwand. Als älteste noch laufende Rallye der Welt - ein Jahr älter als die 1911 gegründete Rallye Monte Carlo - erlebte die Österreichische Alpenfahrt nun einen neuen Höhenflug als Europa- und zuletzt Weltmeisterschaftslauf.  Die gesamte Weltelite lieferte sich in den österreichischen Bergen erbitterte Kämpfe, welche diese Alpenfahrten unvergesslich machten.

Dann kam der Ölschock des Jahres 1973 und urplötzlich wurde das Goldene Buch der Alpenfahrt abrupt zugeklappt. Jedoch nicht für immer geschlossen, denn 2002 wurde die Alpenfahrt, legitimiert durch den ÖAMTC, als Nachfolger der legendären k.k. Alpenfahrten in Bad Kleinkirchheim auferweckt und lebt nun in der "Internationalen Österreichischen Alpenfahrt Classic Rallye" weiter. So wird 2011, im 10. Jahr der "Wiederbelebung" die "54. Alpenfahrt" vom 15. bis 17. September als "IÖ Alpenfahrt Classic Rallye" ausgetragen.
 
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