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Freitag, 26. Mai 2017
Historische Formel Vau: Die Jubiläen 2011 Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   

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Rückblick

Nachdem Porsche 1965 die Formel V in Deutschland promotet hatte, verstummten die anfänglich vorhandenen Spötter bald. Hieß es bei der Präsentation beim Eberbacher Bergrennen 1965 noch „Sollen wir schieben helfen?“, so wurde bald klar, was die kleinen Monoposto-Rennwagen mit VW-Käfer-Technik zu leisten in der Lage waren. Der Boom bekam auch Namen. Die Europäer begannen ihre eigenen Konstruktionen zu realisieren. Neben den „Beach“ und den „Formcars“ aus den Vereinigten Staaten tummelten sich schon bald deren Nachbauten und auch eigenständige Konstruktionen auf den Rennstrecken: Heinz Fuchs aus Rutesheim war einer der ersten, es folgten in Österreich bald die „Austro Vau“ von Porsche Salzburg und die „Kaimann“ des Wieners Kurt Bergmann, die „Olympic“ des Münchner Autohauses Mahag, in Belgien entstanden die „Apal“ und die erfolgreichen amerikanischen „Autodynamics“ in Lizenz.

1966 wurde in Deutschland erstmalig eine nationale ONS-Meisterschaft der Formel Vau ausgetragen, es folgte ein unvergleichlicher Siegeszug der größten Rennserie aller Zeiten durch Europa, bald koordiniert durch die Formel V Deutschland mit Sitz in München.
Bald stürzten sich riesige Starterfelder in zum Teil haarsträubende Schlachten auf den etablierten Rennstrecken aber auch bei den seinerzeit sehr beliebten Flugplatzrennen. Ausscheidungsrennen waren bald die Regel, um auf einigermaßen überschaubare Starterfelder zu kommen.
Die Formel Vau war attraktiv: sie war bezahlbar und sie war überraschend schnell. Mit der geringen Motorleistung waren erstaunliche Rundenzeiten möglich: Günther Huber, österreichischer Europameister, fuhr 1966 auf der Nürburgring-Nordschleife einen Rundenschnitt von gut 120,2 km/h, der Formel 1 Sieger Jack Brabham kam auf 139,6 km/h. Formel V mit damals gut 50 PS, Formel 1 mit über 400. Dem Finnen Keke Rosberg gelang es 1973 auf der Nordschleife erstmals unter 9 Minuten zu bleiben: 8:56,2 Minuten und ein Schnitt von 153,3 km/h standen zu Buche!
Derart beflügelt fuhr die Formel Vau bald auf allen bekannten Rennstrecken Europas und wurde zum Talentschuppen des großen Motorsports: Fahrer wie Niki Lauda, Dr. Helmut Marko, Dieter Quester, Manfred Schurti und viele andere legten hier den Grundstein für ihre Karrieren.

Dabei wuchs die Formel Vau 1300 aus den Kinderschuhen. Das Reglement wurde immer weiter geöffnet. Waren es anfangs tatsächlich noch leicht modifizierte 1300-er Käfermotore mit offenen Auspuffanlagen, serienmäßigen Solex-Vergasern, die mit vielen Feinarbeiten schließlich auf etwa 70 PS gebracht wurden, so wurden später 2 Vergaseranlagen, Trockensumpfschmierungen und andere Nockenwellen zugelassen – Leistung etwa 100 PS.
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Als die Formel Vau mehr und mehr an ihre Grenzen geriet, die durch die Käfertechnik bestimmt war, kamen neue Impulse wiederum aus Amerika.
Unter Verwendung des auf 1600 ccm reduzierten sogenannten „Typ 4“ Motors, wie er im VW 411/412, im VW-Porsche 914 oder im VW-Bus verwendet wurde, entstand die Formel Super Vau – anfangs mit einer Leistung von etwa 120 PS, später mit etwa 140 PS. Dies ließ eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 230 km/h zu. Käfervorderachsen und andere Käferteile mussten reinen Rennsportteilen weichen. Mit diesen „richtigen“ Rennwagen empfohlen sich u.a. die Weltmeister Emerson Fittipaldi, Nelson Piquet und Keke Rosberg sowie Jochen Maas, „Graf“ Freddy Kottulinsky, Bertram Schäfer, Manfred Trint, der spätere Indy-500-Sieger Arie Luyendijk und viele andere für größere Aufgaben. 1973 gab es weltweit etwa 3000 Formel Vau und Super Vau-Fahrzeuge, eine von einer Nachwuchsformel nie mehr erreichte Anzahl.
1971 gab es in Deutschland erstmalig eine Formel Super Vau-Meisterschaft.

Mitte der 70-er Jahre verschwanden die Organspender aus den VW- (VW 411 und 412) und Porsche-Verkaufsräumen (VW-Porsche 914) oder wurden - wie der Käfer - diskret hinter Golf, Passat und Scirocco geschoben. Folglich hielten dann ab 1978 die wassergekühlten Golfmotoren in die Formel Super Vau Einzug. Und damit ging es bergab – zu groß war die Nähe zur Formel 3. Ab 1983 wandte sich Volkswagen konsequenterweise der internationalen Formel 3 zu. Die große und goldene Zeit der Formel Vau/SuperVau war vorbei.

Die Formel V gab und gibt es in Deutschland kontinuierlich bis heute. Der Rennsportclub 77/Formel V Deutschland richtete seit dem Rückzug von Volkswagen aus der Formel Vau 1300 seit 1977 die Meisterschaften aus. Heute kommen wassergekühlte Motoren mit 1300 ccm zum Einsatz, zum Teil mit Kohlefasermonocoques verbunden. Vorne dran – wer hätte es anders erwartet – die erkennbaren Fragmente der alten Käfervorderachse. Auch so kann Fortschritt beim „Motorsport für Jedermann“, so das Ursprungsmotto aus den USA, aussehen.
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Die historischen Fahrzeuge finden heute ihren Platz in den FV-Gp-Läufen der Historischen Formel Vau Europa e.V., seit 1994 die Nachfolgeorganisation der Formel V Europa e.V.. Dort vergnügen sich im anspruchsvollen Gleichmäßigkeitsformat bis zu 50 schön restaurierte Fahrzeuge der gesamten Formel V und Formel Super Vau-Epoche. Vom frühen Apal von 1964 bis zum wassergekühlten Lola Super Vau von 1982 ist alles in dem bunten Feld vertreten, was die Formel-Vau- und Super-Vau-Geschichte in 45 bzw. 40 Jahren hervorgebracht hat.

Diese Historie nimmt die Historische Formel Vau Europa e.V. (www.formel-vau.eu) und die Formel V Deutschland (www.formel-v.de ) zum Anlass, die Jubiläen auf zwei Grand Prix-Strecken innerhalb von zwei Wochen zu begehen: Die HFVE richtet das erste Wochenende vom 07. – 09.10.2011 in der Eifel aus, die Formel V Deutschland ist am folgenden Wochenende, 14. – 16.10.2011 am Hockenheimring verantwortlich.

Erwartet werden viele Formel Vau- und Super Vau-Legenden, Fahrer und Teamchefs, zudem Sportfreude aus Südafrika, den USA und England. Sie alle feiern die größte Nachwuchsrennserie der Welt auf der Rennstrecke: neben Jubiläumsläufen sind auch Demonstrationsrunden auf der legendären Nürburgring-Nordschleife geplant!

Der Verein „Historische Formel Vau Europa e.V.“


Die Historische Formel Vau Europa ist die Gemeinschaft der Formel Vau und Super Vau-FahrerInnen in Europa. Der gemeinnützige Verein mit ca. 160 Mitgliedern aus 8 europäischen Ländern pflegt und bewahrt Geschichte und Technik dieser Erfolgsstory. Die Starterzahlen liegen zwischen 20 und 50 Fahrzeugen. Insgesamt befinden sich aktuell ca. 100 rennfertige Fahrzeuge im Besitz der Clubmitglieder. Die sind Handwerker, Angestellte, Akademiker, junge Mutter, Selbstständige, Rentner, Familien in mehreren Generationen. Die Leidenschaft für Technik und Motorsport mit Formel Vau und Super Vau-Rennfahrzeugen verbindet sie. Gemeinsam mit den Aktiven, Konstrukteuren und Teamchefs von treffen sie sich zwischen März und Oktober auf europäischen Rennstrecken zur „FV-Gp.

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