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Donnerstag, 5. Dezember 2019
Beskiden Rallye Drucken E-Mail
Geschrieben von Jürgen Splet   

Heft bestellen - Beskiden Rallye - Und ollas is gaunz aunders wuarn ...

Ein etwas anderer Bericht von der Rallye im Beskidenland/Polen

Text & Photos: Jürgen Splet

 

ImageLiebe Freunde des alternden Blechs und dessen Eigenheiten! Über die gar treffliche Rallye im Beskidenland rund um Bielsko-Biala habe ich hier schon mannigfach berichtet - und dass wir uns dort immer sehr wohl gefühlt haben auch - aber wie es dieses Jahr abgelaufen ist, ist eine eigene Geschichte wert - und das kam so: Etwa zwei Wochen vor dem Termin dieser Wertungsfahrt gab es hierzulande die Löwenrallye - eine ebenfalls sehr traditionsreiche Oldtimerfahrt, die diesmal im Waldviertel von statten ging. Mit dabei auch unser famoser Freund aus Polen, der besser deutsch spricht als so mancher Hiesiger! Jedenfalls hatte er am Sonntag, kurz vor der Heimfahrt (er huldigt ebenso wie ich der An- und Abreise per Achse - Transporter sind nur eine weitere Fehlerquelle ...) einen rigiden Gangverlust im Getriebe - nur mehr 1. und 2. Gang waren zur Mitarbeit zu bewegen, die höheren Gänge machten Urlaub. Nun ist es im Sinne der gleichmäßigen Abnützung aller Fahrzeugteile durchaus sinnvoll, auch mal länger im niedrigen Gang zu fahren - aber doch nicht gleich von Sigmundsherberg nach Polen!
Daher riet ich ihm dringend, die 80 km zu mir zu fahren - und von hier mit meinem Kombi plus Hänger weiter nach Polen - in zwei Wochen wären wir ohnehin dort und dann nehmen wir unser Gespann gleich wieder mit nach Hause!  Das war die Einleitung.
Weiters galt es, den NSU 1200C für die Rallye vorzubereiten - er hatte sich zuletzt als Garagenfüller gefallen und wollte diese partout nicht verlassen - die komplette Bremserei war hinüber, außerdem Aupufftopf usw. ... bis hin zu den Sitzbezügen. Arbeit genug, wenn man außerdem noch im Berufsleben steht, aber es wurde vollbracht und der NSU schnurrte ein paar Proberunden im Weinviertel dahin - problemlos, wie es sich gehört.

ImageMittwoch, 13. 7. - der Tag der Anreise: Die beiden Damen kannten das Ausmaß des Kofferraums dieses Fahrzeugs - und nützten es weidlich!
Ich werde nie begreifen, wie die Menschen früher im Goggo zu viert inkl. Campingausrüstung verreisen konnten - alleine das Beauty-Case (oder auch Schminkkofferl) reicht für meine komplette Garderobe, die ich mitnahm!
Nun, wir (= Daniela, Hedwig und Jürgen Splet) starteten etwas später als geplant, entschieden uns daher für die Vignettenvariante und waren schon etwa 25 km im tschechischen Bereich, als ... ein rotes Lamperl aufleuchtete!
Just in diesem Bereich der Straße nirgends eine Abzweigung, also noch etwas weiter und dann mal in den Motorraum geschaut, wo der Ladestrom wohl abbliebe ... locker war nix, Keilriemen dort, wo er hingehört - klopfen auf den Regler - normalerweise ein probates Mittel - dieses Mal aber nicht.
Ok, retour, ab nach Gaweinstal. Beim dortigen Boschdienst kurz anhalten ... oh leider, das Messgerät ist defekt - daher zum ÖAMTC nach Mistelbach - alles auf Batterie ...
Dortselbst a bisserl warten ... dann die Kontrolle, ob Regler oder Lichtmaschine spinnen ...
sicherheitshalber klopft der Pannenhelfer zuvor auf den Regler - das Licht erlischt! (Das nehm ich jetzt persönlich ...)
Ok, Spannung in Ordnung, fahren wir halt - aber vorher ins Lager und Reserveregler mitnehmen!  Diese waren in der 23. Kiste links hinten ...  Zweiter Start Richtung Norden - nach ca. 12km fragt meine liebe Angetraute: "Fix, wo ist meine Handtasche?!?"
ImageNun, im Fahrzeug war sie nicht - retour ins Lager nach Martinsdorf - dort stand sie seelenruhig auf einem Capri-Roller und harrte unser.  Dritter Start - ca 15:30 - um diese Zeit wollten wir schon im Ziel sein.
Der NSU bekam dies insofern zu spüren, als er auf der tschechischen Autobahn manchmal zeigen durfte, was in ihm steckt - LKW-Kolonnen kann man eben nur überholen, wenn man die Geschwindigkeit der anderen mitmacht - was selbige Zeitgenossen dann doch verblüffte, wie an den Gesichtern zu sehen war.
Ca. 3,5 Stunden später waren wir also am Ziel in Jaworze - und kurz vor selbigem erleuchtete das rote Lamperl erneut den Tachometer - nicht mit mir! Der bereitliegende massive Schraubenzieher mit Holzgriff machte dem Spuk mit einem gezielten Schlag desselben ein jähes Ende - und danach war Ruhe - geht doch! Dies war in fünf Jahren das erste Mal, das wir schon bei der Anreise Probleme hatten!
Und am Hotelparkplatz wartete auch schon der Toyota nebst Hänger auf den sonntäglichen Einsatz - aber bis dahin gab´s noch einiges zu erledigen!  Zuerst mal wie üblich: Anmeldung, Begrüßung vieler bekannter Gesichter, Zimmerbezug - und diesmal: Klärung meiner Aufgaben!
Ja, richtig gelesen - nach vier Teilnahmen als Fahrer und Beifahrer wollte ich diesmal mitarbeiten - die beiden Mädels machten ein Damenteam und als Beifahrer bin ich erwiesenermaßen ein Launenverderber - daher sollte ich bei Sonderprüfungen mitmachen und eventuell "verdeutschen", was im Polnischen unklar war.
Letztendlich waren wir froh, doch noch gut angekommen zu sein und freuten uns auf den nächsten Tag.

ImageDonnerstag, 14. 7. - der erste Rallyetag
- und es gab eine Änderung: Die Beifahrerin eines Opel-GT-Fahrers aus dem Raum Zwettl fühlte sich nicht wohl - und der Fahrer suchte händeringend nach einem Beifahrer - es war seine erste derartige Wertungsfahrt! So wurde denn entschieden, dass ich an diesem Tag dort mitfahren sollte - der arme Mann wusste nicht, was er sich da einhandelte ...
Aber wider Erwarten gab es nicht gleich ein Zerwürfnis, ich hielt mich mit Bemerkungen zur Fahrweise zurück - auch wenn das jetzt niemand glaubt - und nach ein paar Erklärungen zum prinzipiellen Ablauf und der Zeichenerklärung kamen wir ganz gut voran!
Höhepunkte dieses Tages waren eine Führung durch ein Speicherkraftwerk tief im Berg - der Zugangstunnel hätte mit seinen Schleusentoren eine treffliche James-Bond-Kulisse abgegeben - und die Bergfahrt mit einer Standseilbahn zum Speichersee - mit herrlichem Rundblick!
Leider war dieser Programmpunkt sehr knapp bemessen - und daraus ergab sich am Start zur letzten Etappe ein ziemliches Gewusel mit Panikattacken - aber letztendlich kamen alle wohlbehalten zurück und der erste Tag war geschafft.
Nur ergab es sich in weiterer Folge, daß die Partnerin des Opel-GT-Fahrers auch nach diesem Tag im Hotel nicht als Co-Pilot fungieren wollte - sie hatte sowas noch nie gemacht ... und so blieb ich die nächsten beiden Tage im GT am rechten Sitz, was für mich als Kleinwagenund Rollerliebhaber doch eine neue Rolle war!
Hatte ich noch nicht (auch wenn der Opel GT durchaus keine übermäßig großen Außenmaße aufweist, so ist er doch dem klassischen Begriff "Kleinwagen" nicht zuzuordnen! Aber das war mein Magirus-Deutz-Rundhauber vor 10 Jahren ja auch nicht - genau genommen ...)

ImageFreitag, 15. 7. - der zweite Rallyetag
zeichnete sich schon bald nach dem Start durch ein Mistwetter aus, welches Seinesgleichen suchte - schade, denn es ging an diesem Tag ins bergige Umland u. a. zu einem wunderbaren Bergrestaurant, das wir schon zum 3. Mal besuchten - und just dort noch nie Schönwetter gehabt hatten (aber wir kommen wieder!).
Der Slalom auf feuchtem Kurs hatte seine Tücken, Daniela im NSU lachte schallend, als das Heck ein bisserl rumwischte - es macht ihr wirklich Spaß! - und mein Pilot verfuhr sich leider im Gewirr der Markierungsbojen etwas - dadurch gab´s fette Minuspunkte! Ansonsten keine besonderen Vorkommnisse (der Regler fürchtete weitere Hiebe mit dem massiven Schraubenziehergriff und verhielt sich manierlich, dafür schmiss es die Sicherung bei der zweiten Scheibenwischerstufe - ok, wischen wir halt langsam ...) und die Gattin des Opel-Fahrers war als Passagier im NSU dabei und sah so auch was von der Gegend - dauernd im Hotel wäre ja wirklich fad gewesen!
Der Abend war wieder mit vielen Gesprächen und einem Besuch des herrlichen Hallenbades im Hotel verbunden - und natürlich warfen wir auch begehrliche Blicke auf die Wertungsliste mit dem Zwischenstand ...

ImageSamstag, 16. 7. - dritter Rallyetag:
Schönwetter - klar, es ging ja ins Flachland - aber dafür war auch die Ausstellung der Fahrzeuge in einer kleinen Stadt ein Genuss - und auf veschlungenen Pfaden, von denen wir einige bereits kannten, ging‘s ins Zentrum von Bielsko-Biala, um vor dem Rathaus den üblichen Concours d‘ élegance zu absolvieren - wie in jedem Jahr bisher der würdige Abschluss einer gelungenen Oldtimerveranstaltung!
Das Damenteam Splet bewältigte auch diesen Programmpunkt mit Bravour - ich überließ den 2. Sitz im Opel der Gattin und fotografierte - auch mal ganz schön!
Und natürlich danach der Konvoi durch die Altstadt und der Versuch, auch im Konvoi zurück zum Hotel zu fahren - immer wieder ein Erlebnis, welche Findigkeit manche Fahrer entwickeln, um einen Platz in der Kolonne nach vor zu kommen ... und es stellt sich wirklich die Frage: Za Wos?!? Im Hotel gibt´s ohnehin fixe Plätze ...
Am Abend - der Commander-Ball mit Preisverleihung, Ehrungen, Danksagungen etc. - es ist ja doch einer der Läufe zur polnischen Staatsmeisterschaft, da müssen schon ein paar Leute was sagen!
Unser Damen-Dreamteam wurde Zweite in der entsprechenden Wertung - und dann die Überraschung: es gab erstmals eine eigene Österreicher-Wertung - da immerhin neun Teams aus Österreich am Start waren!
Und die gewann ... das Damenteam Splet/Splet - Daniela fuhr offensichtlich gut genug, um die Wissenslücken bei den Fragebögen auszumerzen!
Dritte in der Wertung wurden: Der Opel-Fahrer und seine Gattin - ich hielt mich im Hintergrund, das war ihr moment of triumph! (Da hatte mein Oldtimer-Wissen wohl die Fahrfehler ausgebügelt - aber den Star-LKW am Foto erkannte doch ohnehin jeder, oder? Hihihi ...)
Da wir uns im Laufe der Jahre auch bei den polnischen Leuten einen kleinen Bekanntenkreis aufgebaut hatten, war der weitere Verlauf des Abends sehr unterhaltsam ... aber irgendwann siegt die Vernunft und wir horchten an den Matratzen.

Sonntag, 17. 7. - Tag der Rückreise. Wie geplant luden wir den NSU auf den ohnehin vorhandenen Anhänger - mit einem Auto zu fahren ist billiger als mit zweien - und verließen die gastliche Stätte gegen 10 Uhr - großes Verabschieden, Händeschütteln, nächstes Jahr? Na klar, sicher usw. ...
Die Autobahn hatte uns wieder und der Toyota schnurrte dahin ... dann, in Tschechien, nach Frydek-Mystek ... an einer langen Steigung ...  das Thermometer geht hoch und schon raucht‘s vorne raus! Was ist da los?
Pannenstreifen, Warnblinker an - Kontrolle ...  schon nach kurzer Zeit zeigte das Thermometer Normalwerte und ich füllte etwas Flüssigkeit ins Ausgleichgefäß ... weiter geht‘s! (Aber a bisserl nervös waren wir inzwischen, hatten wir doch die Kopfdichtung erst vor etwa 1000 km reparieren lassen ...)
Die nächste lange Autobahnsteigung etliche Kilometer später ... und wieder das gleiche Bild - Zeiger flutscht hoch und vorne raucht‘s! (Habe ich schon erwähnt, dass ich Luftkühlung liebe?) - Das ist also keine einmalige Sache und da hilft auch kein Hieb mit dem Schraubenzieher!
Und da rauschte auch schon die Österreicher-Partie heran und versammelte sich am Pannenstreifen.
Die Hilfe war sehr willkommen, aber letztendlich führte es nur dazu, dass wir bei der nächsten Abfahrt abfuhren und dort mal beratschlagten.
Ok, der Toyota kommt so nicht nach Österreich - der NSU fährt - und hat eine Anhängerkupplung.
Also wurde der Oldie abgeladen und vor den Anhänger gespannt, auf dem er gerade noch stand - der Toyota sollte per Pannendienst transportiert werden. Nach ein paar Telefonaten mit ÖAMTC (Schutzbrief!!) und dessen tschechischem Partner kam ein Pannentransporter aus dem nahen Olmütz, um das neumodische Fahrzeug aufzuladen - danach folgten wir dem Fahrer noch zu einem abgesperrten Areal, wo der Toyota verwahrt wurde - und nahmen sodann die Rückfahrt mit NSU und Anhänger unter die Räder - muss ein Bild für Götter gewesen sein - der schmale Wagen und der wirklich breite Anhänger dahinter..  aber rein gewichtsmäßig war es legal!
Trotzdem war ich froh, daß die Polizisten an der Strecke alle gerade beschäftigt waren ... es ist einfacher, Fragen in einer Sprache, die man nicht spricht, nicht beantworten zu müssen ...
Gegen 14 Uhr hatten wir geplant, daheim zu sein - ca. 18 Uhr war es schlussendlich - und der NSU hatte die gesamte Strecke problemlos bewältigt - nur sein moderner Kollege war ausgefallen!
Leute, kauft‘s euch nie ein Auto, dass jünger ist als 25 Jahre für den Alltag - die haben alle noch ihre Kinderkrankheiten, erst im Alter sind sie standfest!
So, das war‘s - die Pokale und wirklich schönen Sachpreise haben wir eingeräumt - und wie es mit der modernen Kraxn weitergeht, ist in diesem Magazin nicht DAS Thema, oder? Eben ...
Nur soviel sei gesagt: Am Montag abend hab ich den Wagen mit unserem LT -Transporter geholt - und am Dienstag weitergeliefert - der Mechaniker weiß mittlerweile, dass es NICHT nur der Kühler ist - aber mehr erfahre ich noch ... will ich‘s wissen? Ich weiß nicht so recht ...
Zurück zum Titel: Es war eine Oldtimerfahrt, bei der vieles anders war als gewohnt - aber nichtsdestotrotz hatten wir eine Menge Spaß und nächstes Jahr sind wir ziemlich sicher wieder dabei - wer also mehr über diese Rallye wissen möchte, soll mich einfach anschreiben: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie es sehen können - wir freuen uns über Verstärkungen des Österreicher-Teams!
In diesem Sinne: dowidzenia!
 
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