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Donnerstag, 22. Februar 2024
Kraftfahrlinienverkehr Wladimir Kolda Drucken E-Mail
Geschrieben von Friedrich Chlebecek   

Heft bestellen - Österreichische Motorgeschichte - Kraftfahrlinienverkehr Wladimir Kolda

Was einen Wiener Apothekersohn, der nach seinem Militärdienst in Klosterneuburg eine Klosterneuburgerin heiratete und in Kritzendorf einen Weingroßhandel eröffnete, bewog, die erste private Autobuslinie in der k.u.k. Monarchie zu gründen, wird wohl immer ein Rätsel bleiben!

Text: Friedrich Chlebecek


 

ImageBereits am 6. August 1907 eröffnete die Post die erste Postautomobillinie im alten Österreich zwischen Neumarkt und Predazzo in Südtirol.  Noch im selben Jahr kam eine Linie zwischen Linz und Eferding dazu.
Der Erfolg war so überwältigend, dass es 1912 bereits ein Postauto-Busliniennetz von rund 1000 km gab, auf dem 150 Postautobusse verkehrten!  Diese Entwicklung hat möglicherweise Wladimir Kolda so fasziniert, dass er 1911 zwischen dem Kierlinger Bahnhof und den damaligen beliebten Sommerfrischeorten Kierling und Gugging die erste private Autobuslinie mit zwei Autobussen gründete. Sie waren eine deutschösterreichische Produktion. Das Fahrgestell der Type L58-24 kam von Mulag in Aachen, der Aufbau von Lohner in Wien.
Wie es sich gehört, wurden die Fahrzeuge von Kierlinger Pfarrer Roman Himmelbauer gesegnet, denn der Bevölkerung war dieses Gefährt alles andere als geheuer! Vor allem die Straßenverhältnisse waren miserabel und Kolda klagte über viele gebrochene Federn und hohen Treibstoffverbrauch.  Erst in den Jahren 1912 und 1913 wurde die Straße nach Kierling und Gugging gepflastert und asphaltiert, was sich auf den Reisekomfort mit den Bussen sehr positiv auswirkte.
Als der Betrieb sich zu rentieren begann, brach 1914 der 1. Weltkrieg aus. Der Autobusverkehr wurde eingestellt und in der Garage bzw. dem Betriebsgebäude des Autobusunternehmens Kolda die "Behelfswerkstätte des Personenkraftwagenparks Kierling" eingerichtet.
ImageNach dem Ende des 1. Weltkrieges musste Wladimir Kolda sein Unternehmen praktisch völlig neu aufbauen.
Im Juli 1926 wurde die Linie nach Nussdorf verlängert, wofür neue Autobusse angeschafft werden mussten.
Auch wurde eine neue Sparte "entdeckt": der Ausflugs-Reiseverkehr. Dies alles wurde mit Bussen von Steyr Typ III und XVII möglich. Mit dem steigenden Komfort der Busse wurden auch zahlreiche Auslandsfahrten möglich. Zu den bisherigen Steirer-Bussen kamen auch Saurer-Busse wie zum Beispiel vom Typ 4 BTDV S dazu.  Im Jahre 1934 starb Wladimir Kolda, der auch von 1925 bis zu seinem Tode hochangesehener Bürgermeister von Kierling war.
Ihm sind somit der Zusammenbruch im 2.  Weltkrieg und der mühsame Wiederaufbau nach 1945 erspart geblieben.
Seine drei Töchter, allen voran Hermine Kolda, führten den Betrieb weiter und teilten den Linienverkehr zwischen Heiligenstadt und Gugging bis 1955 mit einer bunt zusammen gewürfelten Busflotte samt Anhängern mit der Firma Zuklin und den Wiener Verkehrs Betrieben. Diese setzten auf der von ihnen bestimmten Linie 20 vorwiegend Busse vom Typ Fross-Büssing ein.  Hermine Kolda (geboren 1905) war in die Jahre gekommen, ihre Schwester Rudolfine, die sie sehr unterstützte, starb 1957 und ihre zweite Schwester Emilie hatte nach Hinterbichl in Osttirol geheiratet. Es gab einige Verwandte, die sie unterstützten, aber eine echte Nachfolge gab es nicht. So verkaufte sie 1969 die Firma an das Busunternehmen Dr. Richard, das Kolda als eigenes Unternehmen in der Gruppe weiterführt!
ImageDer Verein Museum Kierling hat, "örtlich und sachlich" zuständig, mit seinem Museum Kierling eine Gedenkschrift zum Anlass aufgelegt.  Sie beinhaltet, reich bebildert, auf 28 Seiten zahlreiche Autobustypen, die Firmen- und Familiengeschichte, sowie den Übergang zur Firma Dr. Richard. Die erste Auflage von 100 Stück - als privates Vereinsmuseum muss vorsichtig kalkuliert werden - war innerhalb von vier Wochen vergriffen und es erfolgte eine zweite verbesserte Auflage von weiteren 100 Stück, wovon bereits 50 Vorbestellungen vor-liegen!
Die Gedenkbroschüre ist zum Preis von 11 - zusätzlich Porto-und Verpackungskosten von Euro 3 - unter folgenden Anschriftsmöglichkeiten bestellbar: Fax: 02243/83882 E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie es sehen können , Museum Kierling, p.A. Friedrich Chlebecek, Neugasse 21, 3412 Kierling.
Außerdem ist die Broschüre im Museum Kierling selbst erhältlich: Kierling, Hauptstraße 114 "Haus im Grünen" Freitag 18 bis 20:00 Uhr und Sonntag 10 bis 12:00 Uhr, wo derzeit bis 30.12.2011 eine Ausstellung zum Jubiläum stattfindet!
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