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Montag, 21. August 2017
Zurück zu den Wurzeln... - Bericht zur Aflenzer Winterclassic, vom 17. bis 18.2.2012 Drucken E-Mail
Geschrieben von Team Pierer/Rettenbacher   

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 Ortsnamen wie Thullin, Fölz, Grassnitz etc. machen einen glauben, dass man sich irgendwo in Finnland oder Island befindet. Es handelt sich jedoch um die Hochsteiermark, im besonderen im Ziel- und Startort Aflenz, mit dem Headquater-Hotel zur Post, wo sich die Familie Karlon herzlichst und effizient um die Teams und Servicecrews bemüht.

Zurück zu den Wurzeln bedeutet für mich vor allem ein Eintauchen in meine Kindheit. Ich konnte viele Jahre meiner Hauptferien in der Obersteiermark bei meinen Großeltern verbringen, die dort jahrelang ansässig waren. Als Heranwachsender erkundete ich mit dem Fahrrad die Gegend und machte meine ersten Versuche auf Skiern auf der Aflenzer Bürgeralm bzw. am Seeberg. Meine Familie hatte dort seit vielen Jahren ihren Wohnort, und ich bin mit allen irgendwie verwandt. Ich habe das auch benutzt, um alte Kontakte wieder aufleben zu lassen. Insofern war es ein besonderes Erlebnis für mich, zum 2. Mal an der Aflenzer Winterclassic teilzunehmen, um auf den Spuren meiner Jugend, jetzt mit dem Rallye-Auto, die vergangenen Zeiten wieder aufleben zu lassen.
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Nach erfolgreicher Teilnahme an der heurigen „Monte Carlo Historique“, die ich unfallfrei überstanden habe, konnte ich mein bewährtes Kampfross ( Volvo 122S ) an den Start bringen und mit meinem Beifahrer Martin das Geschehnis erwartungsvoll unter die Räder nehmen. Das Team, um Joseph Prein mit Frau Edith, Sohn Max und Tochter Marie-Therese sowie den Rennkomissären Walther Wawronek und Helmut Eder, verstärkt durch den Seniorchef des Hotels, hat wieder eine gefinkelte und abwechslungsreiche Veranstaltung zusammengestellt, die sich auf 2 Fahrtage verteilte.

Nach Montage von Spikes und Kontrolle der Ausrüstung konnten wir 1 Stunde vor Start das Roadbook für Freitag in Empfang nehmen - es bestätigte sich wieder: „Je einfacher, je besser“.

Die Aflenzer Winterclassic hat das Prinzip der Einfachheit und Genauigkeit bis zur Vollendung verfeinert, sodass vonseiten der Streckenführung, des Roadbooks und der Organisation keinerlei Wünsche offen blieben. Das Prinzip ist so einfach wie genial.
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Im Roadbook wird eine vorgegebene Strecke, auf Landkarten in zwei Maßstäben ausgewiesen, mit eingezeichneten Wertungsprüfungen, Passierkontrollen, Zeitkontrollen und Hinweisen für besonders schwierige Streckenabschnitte. Die Zeiten zwischen den Zeitkontrollen sind ausreichend bemessen, die Wertungsprüfungen sind knapp, aber fair, ausgesteckt und somit bei ordentlicher Navigation auch im Wesentlichen zeitgerecht, jedoch knapp, zu absolvieren.

Das Starterfeld bestand heuer aus 36 Fahrzeugen, bunt gemischt. Hervorzuheben ein Alvis Baujahr 1936, gesteuert von der Schweizer Besatzung, Bernhard Brägger / Manfred Tragner, die mit höchstem persönlichen Einsatz und sportlichst im offenen Auto die ganze Strecke bewältigten. Demgemäß wurden Sie auch Sieger der Klasse bis 1946 Die übrigen Fahrzeuge spiegelten den Stil der 60er und 70 Jahre wider, mit VW-Käfer, Volvo, Porsche und seit heuer in einer neuen Gruppe, mit Porsche 924, Audi Quatros... Der Sieger kam jedoch aus der allgemeinen Klasse, für die anderen Klassen gab es eigene Wertungen und Preise.
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Die Gesamtstrecke war zeitlich vorgegeben mit 16:00:00 Stunden. Fehlende Passierkontrollen oder nicht erreichte Wertungsprüfungen / Zeitkontrollen wurden in Minuten berechnet und zur Gesamtfahrzeit zugeschlagen, sodass auch die Wertung deutlich klar ersichtlich war und sich darin die fahrerischen Leistungen widerspiegelten.   

Nach Ziehung der Starnummer erfolgte pünktlich um 12.00 Uhr am Freitag die Fahrerbsprechung und um 14.00 Uhr ging´s für´s erste Fahrzeug los.

Die 1. Prüfung bestand in einer Lichtschrankenmessung, die wir als einziges Team verfehlten, sodass wir gleich mit 40 Minuten Rückstand in den Kampf zogen. Für einen Beifahrer, der hier noch nie am heißen Sitz gesessen hatte, ist das System am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig, bei uns funktionierte es dann nach dem 1. Fehlschlag deutlich besser. Wenn man sich eingelebt hat, ist es gar nicht so schwer wie es ausschaut, durch die exakte Beschriftung, die man natürlich befolgen soll, ist dann auch die Handschrift des Veranstalters nachvollziehbar und gewinnt zunehmend an sportlichem Wert.
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Nach 2 leichteren Prüfungen auf Bundesstrassen ging es dann zur Ostschleife und nach dem Alpl richtig zur Sache, die gewünschten Fahrbedingungen stellten sich alsbald ein, wechselnde Verhältnisse mit Schnee, Eis, trockenen Abschnitten, Rieselschotter, Glatteis, Schneeverwehungen und allem, was dazu gehört. Bald sah man auch gestrandete Fahrzeuge in Schneewechten sitzen, mit eifrig schaufelnden Besatzungen. Diese Bemühungen waren meist ohne Erfolg, sodass der benachbarte Bauer mit dem Traktor ausrücken musste und die Gott sei Dank unversehrten Fahrzeuge aus den diversen Schneewechten herausziehen musste.

 Die Winterclassic bewegte sich zu 100% auf Nebenstrassen, die uns zuerst durch die Oststeiermark führten, mit kniffligen Abzweigungen und Wertungsprüfungen, die Schlag auf Schlag folgten, sodass man im Auto nie zur Ruhe kam und immer am Sprung sein musste, um auf der Karte nichts zu übersehen bzw. die geforderten Zeiten einzuhalten. Das Feld zog sich auseinander und wir konnten nur mehr vereinzelte Teilnehmer ausmachen. Bei der Abendrast beim Jägerwirt traf man dann wieder einige Kollegen, die schon über die ersten Heldenstories berichteten, wo und wie lang und was und warum und wie spät und und und… Schlussendlich trafen alle beim Etappenziel ein, das letzte Auto um 01.30 Uhr, alle unfallfrei, leider Gottes gab es schon einige technische Ausfälle ( Getriebeschaden, Zündprobleme…). Ein kurzes Beisammensein in der gemütlichen Gaststube rundete den Tag ab, nicht zu lange, da wir am nächsten Tag um 9.00 Uhr wieder gefordert waren, die Südschleife, die uns dann bis Kärnten führen sollte, zu absolvieren.
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Das auf 28 Teams reduzierte Starterfeld begab sich am Samstag wieder auf die Strecke, bei herrlichem Winterwetter und wunderbaren Landschaftsbildern ging es rauf und runter durch die steirische Bergwelt um, bei einer angemessenen Mittagsrast, beim Dorfwirt in Graden, die frisch herausgebackenen Wiener Schnitzeln und den handgemachtem Apfelstrudel zu genießen. Die WP Pack war einer der vielen Höhenpunkte der Aflenzer Winterclassic wir fuhren über eine Hochebene tief verschneit und mit vielen navigatorischen Hindernissen gespickt bis zur launigen Unterbrechung durch einen Faschingsumzug in Bad St. Leonhard. Hier hatte der Veranstalter jedoch ein Einsehen und neutralisierte die Zeitkontrolle. Uns ist es zwar gelungen, mit Hilfe eines lokalen Feuermehrmannes den Umzug zu umfahren, andere schraubten sich den Weg frei, alle waren jedoch dankbar, dass wir unter die Anmestie gefallen sind. Die vorletzte Prüfung erwies sich als unpassierbar, auch mit noch soviel Schaufeleinsatz, sodass die Prüfung „Hiaslegg“ wegen massiver Schneeverwehung nicht befahren war und das gesamte Feld per Umweg zur letzten Prüfung geführt wurde. Wo uns „Teehelga“ mit heißem Tee empfing. Das tut sehr gut, nach den Anstrengungen der letzten Stunden. Die letzte Wertungsprüfung über das Lonschitz war mit Schwierigkeiten gespickt, da sich das Vorausauto gedreht hatte und im Wald hängen geblieben ist, sodass auch diese Prüfung nicht mehr zur Wertung herangezogen wurde. Das tat jedoch unserer Hochstimmung bei der Ankunft keinen Abbruch, sodass wir die Goldmedaillien die wir als Ankommende erhielten, den Glühweinempfang und die Siegerehrung dann völlig entspannt genießen konnten.

Die Wertung ergab sich naturgemäß aus den Leistungen bzw. aus den Fehlern, am wenigsten davon machte das Team Russegger/Schlager, die wie im Vorjahr wieder den Siegespokal nachhause nehmen konnten.
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Wir haben´s immerhin vom 11. auf den 7. Platz geschafft und waren mit dem Ergebnis des 2. Tages (Tages-Dritter) eigentlich sehr zufrieden.

Zusammenfassend kann man Joseph nur zur der genialen wie einfachen Idee gratulieren, alles ohne Schnittrechnungen, Schnitttabellen und sonstiges, eventuell auch elektronisches Zeug, zu organisieren und – siehe Überschrift zurück zu den Wurzeln – der Schnellste ist der Beste.

Die Veranstaltung hat schweres Potential nach oben, da es in Österreich nichts Vergleichbares gibt, das Fahrspaß mit Kameradschaft am Steuer und Landschaftsgenuss und Streckenführung bietet.

Wir wünschen dem Unternehmen Aflenzer Winterclassic noch viele erfolgreiche Jahre, sodass auch unsere Enkel und Urenkel irgendwann noch einmal erzählen werden, wie Opa oder Papa mit Benzinautos die Steiermark bereisten.

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