Home arrow Archiv arrow AC 2012/06 arrow Opel in Österreich  
Donnerstag, 11. August 2022
Opel in Österreich Drucken E-Mail
Geschrieben von Wolfgang M. Buchta   

Heft bestellen - Opel in Österreich

Alte Heimat:
120 Jahre Opel in Österreich

Text: Wolfgang M. Buchta Archiv
Photos: Opel & Beyschlag, Archiv Eckhart Bartels

 

ImageEs war einmal ... so beginnen viele märchenhaften Geschichten, und so beginnt auch unsere Geschichte. Es war einmal ein Radrennfahrer, nein eigentlich waren es zwei Radrennfahrer. Einer hieß Otto Beyschlag und stammte aus Bayern und der andere hieß Heinrich Opel - Heinrich von Opel erst ab 1917 - und war der dritte Sohn von Adam Opel, einem erfolgreichen Fahrradproduzenten im deutschen Rüsselsheim.
Die Geschichte von Otto Beyschlag entnehmen wir der "Allgemeinen Sportzeitung" vom 1.  1.1894: "Otto Beyschlag wurde am 24. Jänner 1869 in Nördlingen in Bayern als ältester Sohn des dortigen Privatiers Otto Beyschlag geboren. Schon im Jahre 1881 erlernte Beyschlag das Radfahren und brachte es bald zu einer ziemlichen Fertigkeit darin. Nachdem er die Realschule seiner Vaterstadt absolviert hatte, kam er nach Nürnberg, wo er sich zum Mechaniker ausbildete, besuchte hierauf die elektrotechnische Zentralanstalt zu Frankfurt am Main, siedelte für längere Zeit nach Gelnhausen über, bis er dann als Techniker in die Fahrradfabrik Adam Opel in Rüsselsheim kam, woselbst er sich rasch und tüchtig einarbeitete.
In Frankfurt erschien Beyschlag, der sich bis dahin noch an keinem Rennen beteiligt hatte, das erste Mal auf der Rennbahn, trat dem Frankfurter Bicyleclub bei und fing sofort an, fleissig zu trainieren. Bei seiner ausgesprochenen Vorliebe für das Hochrad wendete er sich natürlich ausschließlich dieser Maschinengattung zu. Seine ersten Erfolge erzielte er 1890 in Offenbach, wo es ihm nach mehreren Wochen fleissigem Trainings am 20. Juli gelang, die bekannten Matadore Vater und Irschlinger zu schlagen. Von weiteren Erfolgen in diesem Jahre sind noch bemerkenswerth die Meisterschaft von Franken, welche er zu Kissingen gewann, und sein verhältnismässig ausserordentlich gutes Abschneiden in dem Fahren um die Weltmeisterschaft mit August Lehr zu Frankfurt am Main.
In diesem ersten Jahr errang der junge Fahrer 9 erste, 11 zweite und 5 dritte Preise, während er es im nächsten Jahr schon auf 24 erste, 17 zweite und 6 dritte Preise brachte. Besonders Hervorragendes leistete er in diesem Jahr in Lüttich, wo selbst er beide Hochradrennen gegen die besten belgischen Fahrer überlegen gewann und dabei eine Reihe belgischer Records schuf. Auch gelang es ihm im Herbst, mit Hochrad gegen Niederräder das Strassenrennen des Frankfurter Bicycleclub über 103,6 Kilometer in 4 Stunden, 3 Minuten zu gewinnen, wobei er Fahrer wie Vater etc.  hinter sich liess.
ImageErst im Jahre 1892 kam Beyschlag in seine beste Form. Er errang Sieg auf Sieg. In Frankfurt, Bochum, Berlin, Magdeburg, München, Augsburg, Köln, Brüssel, Mannheim, Hamburg, Brünn, Prag, Wien, Pardubitz, überall vermochte er zu siegen. Es gelang ihm, was vorher noch keinem Fahrer des Festlandes gelungen war, den unerreichten August Lehr in einem Scratchrennen zu besiegen und zwar in Frankfurt am 28. August. Weiters gewann er in diesem Jahre eine Reihe von Meisterschaften und hatte hiebei gegen die besten Fahrer wie Lehr, Naumann, Huth, Ehinger gekämpft. Erwähnt mag hier noch sein, dass der Frankfurter Bicycleclub ihn zur Verteidigung des Grossen Hamburger Herausforderungspreises, den Lehr bereits zweimal für den Club gewonnen hatte, nach Hamburg sandte. Beyschlag rechtfertigte glänzend die Hoffnungen, welche man auf ihn gesetzt hatte, indem er den Herausforderungspreis definitiv für seinen Club gewann und dabei Gegner wir Brambor, Huth, Pickpack etc. sicher schlug. Eine Reihe von Records, welche Beyschlag dieses Jahr fuhr, stehen heute noch. Die Zahl seiner Siege betrug in diesem Jahr neununddreissig."
Beyschlag und Opel waren zwar auf der Rennstrecke Konkurrenten aber privat gut befreundet und im Dezember 1892, als Beyschlag nach Wien gekommen war - Beyschlag zählte 23 Lebensjahre und Opel war gerade einmal 19 Jahre alt - gründeten die beiden Freunde eine gemeinsame Firma. Im Gesellschaftsvertrag war zu lesen, dass die Firma "Opel & Beyschlag" "zum Betrieb des Handels mit Fahrrädern und Nähmaschinen" gegründet worden war und kurz darauf nahm das junge Unternehmen am Kärntner Ring in Wien seine Tätigkeit auf. Logisch, dass die feil gebotenen Fahrräder und Nähmaschinen aus der Fabrik in Rüsselsheim stammten, die im Besitz des Vaters eines der Gesellschafter war.
Auch sportlich gingen die beiden weiter gemeinsame Wege. Opel und Beyschlag - die Rennfahrer, nicht die Firma - traten dem Wiener Bicycleclub bei und stellten 1893 den ersten Weltrekord mit dem Tandem für Österreich-Ungarn auf: 500 Meter in 38 Sekunden!  Zwei Jahr später, am 8. September 1895, verstarb Adam Opel im Alter von nur 58 Jahren und Heinrich Opel musste seinen Anteil an Otto Beyschlag abgeben und kehrte nach Rüsselsheim zurück, um mit seiner Mutter Sophie und seinen vier Brüdern - Carl, Wilhelm, Fritz und Ludwig - die Leitung der Firma, mittlerweile Deutschlands größtem Fahrradproduzenten, zu übernehmen. Otto Beyschlag war damit Alleininhaber der Firma "Opel & Beyschlag" in Wien, deren guter Name wohlweislich beibehalten wurde.
ImageOtto Beyschlag tat alles, um das Fahrrad in der Kaiserstadt populär zu machen. In vier eigenen Fahrradschulen könnten die Wiener das Fahrradfahren erlernen und wer kein Opel-Rad bei Opel & Beyschlag erwerben wollte, konnte sich bei der "Ersten Wiener Räder-Vermietung" gegen bescheidenes Entgelt eines ausleihen. Gerne gab der erfolgreiche Rennfahrer Otto Beyschlag seine Erfahrungen an seine Kunden weiter...  Adam Opel soll angesichts eines der ersten Automobile gesagt haben "Aus diesem Stinkkasten wird nie mehr werden, als ein Spielzeug für Millionäre, die nicht wissen, wie sie ihr Geld wegwerfen sollen!". Seine Erben sahen dies glücklicherweise anders und erkannten, dass Nähmaschinen nicht die Zukunft wären, und bereits 1899 baute man in Rüsselsheim die ersten Opel Automobile.
Opel & Beyschlag folgte diesem Beispiel und wurde noch im gleichen Jahr offizieller Importeur für Opel Patent Motorwagen für Österreich-Ungarn. "Opel & Beyschlag" in Wien wurde so die erste Opel-Vertretung außerhalb Deutschlands. Die Geschäftsräumlichkeiten übersiedelten zu dieser Zeit vom Kärntner Ring in die Canovagasse 5, wo die neuen Wagen würdig präsentiert werden konnten. Erfolgreich: Bis 1914 waren bereits 150 Opel Automobile auf Österreichs Straßen unterwegs ...
1901 brachte Opel die ersten Motorräder auf den Markt und natürlich fanden auch diese ihren Weg zur Generalvertretung nach Wien.  Beyschlag stieg vom Fahrrad aufs Motorrad um und bestritt etliche Bewerbe damit. Allerdings war der Meisterfahrer von den Motorzweirädern aus Rüsselsheim nicht wirklich überzeugt und präsentierte 1903/04 zwei Eigenkonstruktionen - eine 2 PS Einzylinder und eine Zweizylinder von 3 1/2 PS. Statt des zu dieser Zeit üblichen Riemens zur Kraftübertragung verwendete Otto Beyschlag eine Kardanwelle, eine Konstruktionsweise, die erst 20 Jahre später durch BMW populär werden sollte. Außer einigen Bildern in zeitgenössischen Zeitschriften wissen wir leider wenig über die Motorräder - die Stückzahl ist unbekannt, dürfte aber gering gewesen sein.  Heute ist kein Exemplar eines Motorrads der Marke Opel & Beyschlag bekannt.
1916, mitten im Ersten Weltkrieg, beteiligte sich die Adam Opel KG in Rüsselsheim (wieder) an ihrem Importeur in Wien, und gut 10 Jahre später, im Jahre 1929 verkaufte die Familie Opel ihre Firma bekanntlich an General Motors, ein dramatischer Schritt, der aber auf Wien vorerst wenig Auswirkungen hatte, da Opel & Beyschlag Generalvertreter blieb, wenn auch seit dem Kriegsende natürlich nur mehr für Österreich. Otto Beyschlag, mittlerweile zum Kommerzialrat "geadelt", wurde 1930 zum Präsidenten des "Verbandes österreichischer Automobilhändler" gewählt, und arbeitete intensiv daran, in der Weltwirtschaftskrise so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten.
ImageEin anderer Versuch, heimische Arbeitsplätze zu retten, war eine Vereinbarung zwischen der Adam Opel AG und der Steyr-Daimler-Puch AG, zur Lizenzfertigung des Opel 1,2 Liter. Der 1931 präsentierte Kleinwagen wurde als Steyr-Opel 4,5/22 PS ins Modellprogramm von Steyr-Daimler-Puch aufgenommen. Die "Produktion" in Steyr beschränkte sich im Wesentlichen auf die Assemblierung angelieferter Bausätze. Dem im Volksmund "Stoppel" genannten Wagen war ein enden wollender Erfolg beschieden - nach einem Jahr und knapp 500 Stück - manche Quellen sprechen von 496 Exemplaren, andere von 472 Fahrzeugen - wurde der größtenteils auf Gegengeschäften basierende Vertrag wieder aufgelöst.
1933 trat die Tochter Otto Beyschlags, Sophie Beyschlag, in die Firma ein. Und Sophie war nicht nur eine sogenannte "Frühstücksdirektorin", sondern nahm aktiv Einfluss auf den Werdegang des Unternehmens. Jahre später, sollte sich dies als Segen erweisen, denn als Otto Beyschlag am 25. April 1945 an den Folgen einer, vermutlich kriegsbedingten, Verwundung verstarb, benötigte die Firma dringender denn je eine entschlossene Führung, die nach den Zerstörungen den Wiederaufbau in Angriff nehmen konnte. Für etwa ein Jahr war Sophie Beyschlag, verehelicht Hall, alleinige Geschäftsführerin von Opel & Beyschlag, denn ihr Gatte Hans Hall war mit seinen Aufgaben bei der Anker Versicherung mehr als ausgelastet.
1946 trat die dritte Generation "ihren Dienst" in der Firma an. Der Enkel von Otto Beyschlag und Sohn von Sophie Beyschlag und Hans Hall, Fritz Hall (1919-1988) trat als Prokurist bei Opel & Beyschlag ein. In den nächsten zehn Jahren wurde die Firma wieder aufgebaut und expandierte an verschiedenen Standorten in Wien, ehe Fritz Hall 1956 den nächsten Schritt einleitete.
Ein 7.000 qm großes Areal in der Muthgasse in Wien 19 wurde erworben. Das Grundstück lag in der Peripherie Wiens und alle erklärten Hall für verrückt, dass er vom noblen Schauraum im Looshaus in Wien 1 "in die Pampas" gehen wollte.  Keine Bank wollte die Übersiedlung und Expansion finanzieren, lediglich Dr. Taus von der Giro Zentrale erkannte die Weitsicht von Fritz Hall ...
Bis 1966 wurden alle Unternehmensteile von Opel & Beyschlag in der Muthgasse zentralisiert und schließlich mussten weitere 7.000 qm zugekauft werden und auf insgesamt 14.000 qm entstand das modernste Reparaturwerk Österreichs, wo ab 1969 nicht handwerklich sondern nach industriellen Methoden die Reparatur von Opel Automobilen betrieben wurde.
Image1973 trat Hans Hall, der Sohn von Fritz Hall und Urenkel von Otto Beyschlag in das Unternehmen ein und 1979 übernahm die vierte Generation die alleinige Geschäftsführung. Otto Beyschlag wurde in diesen Jahren auch durch die Stadt Wien eine besondere Ehre zu Teil - im 21. Wiener Gemeindebezirk wurde eine Gasse nach ihm benannt.
1980 wurde in der Leopoldauer Strasse 141 in Wien 21 eine Zweigstelle errichtet und ein Jahr später wurde gegen den Widerstand von Gewerkschaft und Wirtschaftskammer für Reparatur- und Service in der Muthgasse der Schichtdienst eingeführt - die Kunden konnten nun von 6:00 Uhr früh bis 22:45 abends ihre Autos für Service und Reparaturen abgeben. Diesen in Österreich einmaligen Service konnte Opel & Beyschlag nur einführen, da die Firma ob ihrer Größe kein Handwerksbetrieb war sondern ein Industriebetrieb und diesen Kollektivvertrag hatte.
1983 wurde Opel & Beyschlag von Handelsminister Dr. Staribacher die Auszeichnung verliehen, das Österreichische Staatswappen führen zu dürfen. Ein Foto dieses Festakts zierte lange Zeit den Firmeneingang. Und um dieses Bild rankt sich eine nette Geschichte: Als eines Sommer- Sonntags Hans Hall, der Geschäftsführer und Eigentümer, verschwitzt mit dem Fahrrad und ohne Ausweis in der Firma eintraf, wurde er von einem eifrigen Wachmann aufgehalten, der ihm den Einlass verwehrte. Mit diesem Foto als "Lichtbildausweis" konnte die potentiell peinliche Situation rasch geklärt werden...
In den folgenden Jahren eröffnete Opel & Beyschlag mehrere Filialbetriebe in Wien - für Opel und für die Schwestermarke Saab, und konnte auch 1998 den anderen traditionellen Wiener Opel-Betrieb, die Firma Opel Kandl übernehmen.  Den Zeichen der Zeit folgend wurde das Markenportfolio erweitert. Neben den GM-Marken Opel, Saab und Chevrolet wurden nun auch Kia und Peugeot von der Firma "Beyschlag", wie das Unternehmen nun hieß, betreut.
2005 wurde das langfristige Bestehen der Firma gesichert und mit der AVAG, dem größten europäischen Opel-Händler mit Sitz in Augsburg, ein 70 Prozent-Partner an Bord geholt. Hans Hall zog sich aus dem operativen Geschäft zurück und begleitet das Unternehmen aber weiterhin als Minderheitseigentümer und Konsulent.  Seit 2010 wird auch die Marke Ford betreut, und 2013 führt Clemens Vohyzka, Regionalleiter aller AVAG-Betriebe in Österreich, die Firma "Beyschlag" zu ihrem 120. Geburtstag in eine aussichtsreiche Zukunft...
ImageDie Geschichte von Opel in Österreich beginnt zwar mit Opel & Beyschlag, aber seit 1938 gibt es auch eine "offizielle" Niederlassung der Adam Opel AG in Österreich. Nach Kriegsende wurde diese wieder aufgelassen und die österreichischen Opel-Aktivitäten der Schweizer GMOrganisation in Biel unterstellt. (siehe OPEL Jahrbuch 2011 S.14) Erst per 1. August 1963 wurde "General Motors Austria" wieder gegründet.  Erster Standort war Wien 4, Mittersteig 10 und der erste Generaldirektor, Robert H. Hallock, verfügte über 79 Mitarbeiter.
In den 1970er Jahren importierte Österreich mehr Automobile als je zuvor, ohne das dem nennenswerte Exporte gegenüberstanden. In diesen Jahren entstand das "Austro Porsche" Projekt: Österreich sollte (wieder) in den Automobilbau einsteigen. Wie wir heute wissen wurde daraus keine österreichische Automobilmarke sondern "nur" eine höchst erfolgreiche Zulieferindustrie.
Am 23. August 1979 unterzeichneten Bundeskanzler Bruno Kreisky und Helmuth Schimpf, der Generaldirektor von GM-Austria, einen Vertrag zur Errichtung eines Motorenwerks auf dem Areal des ehemaligen Flughafens in Wien-Aspern mit einer Anfangsinvestition von 9,8 Milliarden Schilling. Ein knappes Jahr später erfolgte der Spatenstich und bereits am 15. Oktober 1982 konnte das Werk offiziell eröffnet werden und 1.600 Mitarbeiter begannen mit der Produktion. 1983, dem ersten vollen Produktionsjahr wurden bereits 230.000 Motoren und 250.000 Getriebe gefertigt. Ende des Jahres waren in Wien-Aspern 2.200 Mitarbeiter tätig.
Es folgte Jubiläum auf Jubiläum: Der 500.000ste Motor am 11. Jänner 1985, das 1.000.000ste Getriebe am 9. April 1986 und das 2.000.000ste Getriebe am 3. Mai 1988. Im Jubiläumsjahr "25 Jahre GM Austria" zählte die Belegschaft 2.700 Mitarbeiter und die Jahresproduktion lag bei 380.000 Motore und 510.000 Getriebe. Das einst ob hoher Subventionen angefeindete Projekt war zur "Export-Lokomotive" geworden.
Die 1990er und 2000er Jahre lesen sich wie eine durchgehende Erfolgsgeschichte. 1992: Bau zusätzlicher Produktionshallen, 1993: Produktionsbeginn des 16V-Zylinderkopfs, 1994: Produktionsbeginn für den ECOTEC Compact-Motor, u.s.w. Kein Wunder, dass Politiker, vom Bundespräsidenten abwärts, gerne im Werk zu Gast waren und sich mit dieser Erfolgsstory präsentierten.
2001 wurde das Werk Aspern in "FIAT-GM-Powertrain" eingebracht, das kurzlebige Joint Venture zwischen General Motors und Fiat. 2005 wurde General Motors wieder "Herr im eigenen Haus" und beendete das Abenteuer mit Fiat - das Werk Aspern lief jetzt unter dem Namen "General Motors Powertrain - Austria GmbH".  2010 konnte Generaldirektor Rudolf Hamp 30 Millionen produzierte Motore und zwei Jahre später 20 Millionen Getriebe feiern, ehe er das sprichwörtlich "wohl bestellte Haus" am 1. August 2011 an seinen Nachfolger Michael Lewald übergeben konnte... Ein verantwortliches Erbe einer 120 jährigen Opel Tradition in Österreich.

Weitere Fakten über Opel in Österreich


Von Eckhart Bartels


Image1893. 120 Jahre Opel in Österreich hinterlassen Spuren, einige haben wir hier zusammengetragen.  Es beginnt 1893, als in Wien die Freunde Heinrich Opel und Otto Beyschlag im Kärtnerring gemeinsam Fahrräder verkaufen. Die Firma Opel & Beyschlag ist damit die erste Außenstelle für Opel in Österreich.

1903 nimmt Otto Beyschlag mit einer Opel 1¾ PS an einem Wettbewerb für geringen Benzinverbrauch teil und belegt Platz 1. Sein Motorrad benötigt nur 0,95 kg, während der Zweite für dieselbe Strecke 1,25 kg Treibstoff verbrennt.  Die Firma Opel & Beyschlag kann daraufhin einige Motorräder verkaufen, nicht nur von Opel. Man bietet mehrere Marken und Modelle an. Aber bei den ersten Motorwagen vertraut man nur auf Opel. O&B wird Repräsentant für Opel Automobile in Österreich-Ungarn. Auf der III. Internationalen Automobil-Ausstellung im Frühjahr 1903 zeigt man den kleinen Opel- Darracq Einzylinder Typ 9PS in Tonneau-Form sowie den neuen Zweizylinder Opel 10/12 PS.  Außerdem fünf Motorräder, drei Opel und zwei Minerva.
In Annoncen wird ganzjährig das Angebot an Opel-Darracq Motorwagen beworben. Der Verkauf muss erfolgreich gewesen sein. Einen entsprechenden Expertenbericht über einen 14 PS Opel von 1904 haben wir sogar in unserem Archiv gefunden, mit Brief und Siegel. Bezahlt wurde in Kronen.

1912.
Den Preis in Kronen findet man auch in einem aufwändig hergestellten Opel-Verkaufskatalog für Österreich-Ungarn. Er zeigt in Opels Jubiläumsjahr bereits ein Angebot von neun Personenwagen.  Eine Krone entspricht ungefähr 70 Pfennig. Aber warum Opel kaufen, wenn man einheimische Marken wählen kann wie Austro- Daimler, Gräf & Stift, Puch, WAF, Austro-Fiat, Laurin & Klement, Tatra oder Praga, um nur die wichtigsten zu nennen. Die Verkaufszahlen sind begrenzt, der Krieg beendet die ersten Geschäfte.

1919. Nach dem ersten Weltkrieg gehen Opel & Beyschlag viele Kundenkontakte verloren.  Das Verkaufsgebiet ohne Ungarn und weitere abgetretene Gebiete ist deutlich geschrumpft.  Auch die Lieferungen aus Rüsselsheim sind zunächst gleich Null. Erst 1924 belebt sich wieder der Verkauf von Opel Wagen. In Österreich sind von den frühen Automarken nur wenige übriggeblieben, andere fusionieren wie Austro-Daimler-Puch in 1928. Steyr beginnt erst 1926 unter Einbeziehung der Wiener Karosseriefabrik und ist bald der einzige Automobilhersteller in Österreich.

1932 gewinnt Steyr viele Neukunden durch ein besonderes Angebot: Man tauscht mit dem Werk in Rüsselsheim Kugellager aus eigener Fertigung gegen wichtige Bauteile für den neuen Kleinwagen Opel 1,2 Liter. Vom "Steyr-Opel 4,5/22 PS" kann man schließlich 472 Exemplare selbst in der tiefsten Depression verkaufen. Obwohl Opel-Wagen seit 1927 mit Linkslenkung geliefert werden, während zuvor die rechtsgesteuerten Modelle als ideal für die Republik Österreich gelten: Seit den Zeiten der Donaumonarchie fährt man auf der linken Fahrbahnseite.  Das ändert sich erst mit dem Anschluss an das Deutsche Reich Ende 1938. Damals ist so ein Seitenwechsel in der Straßenverkehrsordnung noch einfach, Autos sind nur wenige unterwegs.  1937 leben in Österreich rund 7 Millionen Menschen auf 84.000 qkm, das ergibt statistisch einen Kraftwagen für 147 Einwohner, in Deutschland zählt man 67,5 Millionen auf 470.000 qkm und 47 Personen für einen Wagen.

1937 werden von 4.609 neu zugelassenen Pkw 3.788 aus österreichischer Produktion registriert, davon sind 3.518 Steyr. Von den verbleibenden 821 Importwagen stammen 288 aus Italien mit 222 Fiat, 175 Wagen aus Deutschland mit 35 Mercedes, 32 Wanderer, 28 Adler, 25 Opel, 19 DKW und 11 Horch. An dritter Stelle rangiert die US A mit 136 Wagen, gefolgt von 100 Automobilen aus Frankreich (39 Renault, 28 Peugeot, 25 Citroen) und jeweils 58 Wagen aus England und Tschechoslowakei sowie 6 aus Schweden. 1936 exportiert Österreich 859 Pkw und 127 Lkw.

1938. Für die "Ostmark", wie man Österreich nun nennt, werden 15 Millionen Schilling für Asphaltarbeiten am österreichischen Straßennetz bereitgestellt, um zunächst die wichtigsten Straßen staubfrei zu bekommen. Zugleich beginnt am 7. April der Autobahnbau bei Groß-Gmain in der Nähe von Salzburg für 1100 km Strecke, die allerdings wegen des zweiten Weltkriegs nicht mehr realisiert wird. Die Adam Opel AG richtet in Wien ihr erstes Vertriebsbüro ein.

1940. Auf der Wiener Frühjahrsmesse präsentiert die Adam Opel AG auf dem Personenwagen-Stand in Halle V einen Kadett mit Plexiglas-Verkleidung als Demonstrationsmodell, eine zweitürige Olympia-Limousine, einen viertürigen Kapitän sowie die Admiral-Limousine.  Auf dem Freigelände stehen als Neuheit ein Opel-Blitz Pritschenwagen mit Allradantrieb sowie zwei Blitz-Pritschenwagen S-Typ, einer jedoch mit einer Gustloff Generator-Anlage.  Eine Imbert Holzgasanlage wird an einem motorhydraulischen Dreiseitenkipper von Feka gezeigt. Außerdem ein Müllwagen mit Aufbau von Keller & Knappich aus Augsburg. Auf eigenen Ständen der Firmen F.X. Meiller (Blitz 3-Seiten-Kipper), Chr.Miesen (Gesundheitswagen auf langem Radstand) und Kässbohrer (Omnibus mit Imbert Generator) werden weitere Blitz Sonderaufbauten gezeigt.

1949. Der Neuanfang nach dem Kriege ist auch für Opel nicht leicht. Gerade erst hat man in Rüsselsheim begonnen, die Vorkriegsmodelle zu produzieren und auch zu exportieren. Die Vertriebsverantwortung für Opel-Wagen in Österreich und einigen angrenzenden Ländern wird zunächst GM Suisse zugeordnet. Unter den 3.048 Neuzulassungen in Österreich des Jahres 1949 ist auch ein Opel Olympia. Ein Jahr später liefert Opel 547 Neuwagen für das Vertriebsgebiet von Österreich: davon sind 466 Pkw (284 Olympia, 18 Cabriolet-Lim. , 164 Kapitän) und 34 Lieferwagen sowie 47 Opel-Blitz. Amtlich zugelassen werden 1950 zunächst 314 Opel, was zumindest einen Achtungserfolg von 6,38 Prozent von 4.919 Neuzulassungen ergibt. Im Laufe der nächsten Jahre steigt dieser Marktanteil bis 1964 sogar auf 18,8 Prozent, um sich nach den Ölkrisen auf einen Wert um 13 Prozent einzupendeln.  Bis 1999 bleibt es bei über 10 Prozent und stagniert derzeit bei 26.000 Zulassungen entsprechend bei 7 bis 8 Prozent.  

1959. Eine Besonderheit für den österreichischen Markt erfüllt die Opel AG nach Einführung der neuen 2,6 Liter Kapitän P Typen: Aus steuertechnischen Gründen wird ein im Hub reduzierter Phase III-Motor in die Österreich-Modelle eingebaut. Diese Motoren mit 2,5 Liter leisten statt 90 immerhin noch 85 PS und ersparen dem Kapitän-Besitzer einen deutlichen Kostenanstieg bei den monatlichen Stempelmarken.  Auch bei den Sechszylindern der Jahre 1964 bis 1968 werden für Österreich 2,5 Liter-Motoren angeboten die 90 PS (1964) oder 112 PS (ab 1965) leisten. In einer Zulassungsperiode von August 1965 bis 1966 werden 203 Kapitän und 377 Admiral 2,5 Liter registriert.

Image1962. Seit Zählung der Opel-Exportlieferungen im Jahre 1912 bis zum Ablauf des Jubiläumsjahres 1962 liefern die Opel Werke 95.009 Automobile nach Österreich. Doppelt so viele werden in den nächsten zehn Jahren bis Ende 1972 zugelassen: 188.299. Bis 1963 koordiniert GM Suisse in Biel den Verkauf und Service der Opel-Wagen für Österreich, Italien und Jugoslawien.  Mit Gründung der GM Austria GmbH in Wien im Jahre 1964 werden die Inlandsverkaufsorganisation sowie die Exportaktivitäten für Albanien, Bulgarien, CSSR , Jugoslawien, Polen, Rumänien und Ungarn durch 166 Mitarbeiter (1971) betreut. Man beginnt sofort mit dem Aufbau eines Opel-Servicenetzes in Jugoslawien, da staatlich sanktionierte Gegengeschäfte mit Fertigungsmaterialien für Rüsselsheim einen begrenzten Import von Opel Wagen ermöglicht.  Auch die Außenhandelsunternehmen der kommunistischen Staaten Ungarn und Rumänien wollen nach diesem Muster Opel Wagen einführen.  Seitens GM Austria werden entsprechende Messen in Belgrad und Budapest besucht, um das aktuelle Opel Programm zu zeigen. Der Erfolg ist messbar: Allein 4000 Opel Wagen werden 1970 nach Jugoslawien geliefert.

1972. Als Ende 1968 in Österreich eine Sondersteuer auf Neuwagen von 10 Prozent eingeführt wird, brechen zeitweilig die Verkäufe dramatisch ein. Besonders hart trifft es die Importwagen, vor allem VW, doch auch Opel muss 22 Prozent Minus verkraften. Die Käufergunst kann man zurückgewinnen mit einem Sondermodell. Der gut ausgestattete und knapp kalkulierte "Star-Kadett" kann sich erstaunlich gut gegen den neuen VW Golf behaupten, noch 1977 entscheiden sich 22.809 Käufer für Opel und erst 19.216 für den Golf. Aber der ab 1975 zusätzlich angebotene VW Polo macht es der Opel Verkaufsorganisation nicht leichter, der Corsa fehlt noch im Angebot.

1982. Ende des Jahres eröffnet GM auf einem Teil des stillgelegten Flughafens von Wien- Aspern ein neues Werk für Opel Motoren und Getriebe. Schon nach vier Jahren hat man die Opel Werke in Europa mit einer Million Getriebe versorgt, zwei Millionen Motoren sind es am 5. April 1989. Als Österreich ab 1. Januar 1987 Katalysatoren für Automobile ab 1,5 Liter verbindlich vorschreibt, ist Opel schon seit 1985 Vorbild: als erster deutscher Hersteller werden in allen Modellen serienmäßig geregelte Abgasreinigungssysteme eingebaut.

1994 und ff. GM Austria, inzwischen zur Opel Austria GmbH umbenannt, erhält den in die Zukunft weisenden Auftrag, den ECOT ECCompact- Motor zu produzieren. 1 Million dieser sparsamen und umweltfreundlichen Aggregate verlassen bis zum 17.März 2000 das Werk.  Seit Mitte 2002 baut Opel in Aspern auch das neue 6 Gang-Getriebe.
 
< voriger Eintrag   weiter >