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Donnerstag, 18. Oktober 2018
Manfred Schurti Drucken E-Mail
Geschrieben von Dietmar Gasser   

Heft bestellen - Manfred Schurti - Der Bändiger von "Moby Dick"

1972 wurde die im Ländle geborene Renn-Legende Manfred Schurti aus Triesen Formel-Super-V-Europameister.

Text: Dietmar Gasser
Photos: Bildarchiv Manfred Noger

 

ImageMOTORSPORT. Manfred Schurti kam exakt an Weihnachten 1941 in Lustenau (Vorarlberg) zur Welt und weil er heute in der Pension seinen Lebensabend mit seiner zweiten Frau Margit in Röns (Vlbg.) verbringt, geht das große Renn-Idol aus dem Fürstentum Liechtenstein locker als "halber Vorarlberger" durch ...
Eigentlich wollte der Triesener (nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Familie Schurti nach Liechtenstein) nach Erfolgen im Motocross Motorradrennfahrer werden. In Liechtenstein gab es zu jener Zeit den Baron von Falz-Fein, ein millionenschwerer Russe und großer Sport-Mäzen.  Schurti klopfte beim ihm an, um Gelder für eine Motorrad-Rennsaison loszueisen, doch der Baron hatte mit dem Zweiradsport nichts am Hut. Etwas später meldete sich der Baron und bot Schurti einen Formel-V-Boliden günstig an; Schurti griff zu und so nahm eine Karriere auf eben vier Rädern seinen Lauf. "Ich hatte anfänglich keine Ahnung von einer Ideallinie oder wie man ein Rennauto abstimmt." Doch der technisch sehr Begabte war ehrgeizig und zielstrebig.  Er absolvierte einen Rennfahrerlehrgang und merkte schnell, dass er mit der Konkurrenz mithalten konnte.

Sieg gegen Austria-Connection. Schon in seinem dritten Jahr gelingt ihm 1969 in Hockenheim der erste Rennsieg gegen stärkste Konkurrenz.  In der Formel-V gibt es die berüchtigte Austria-Connection, bestehend aus Kalibern wie Lauda, Quester, Breinsberg, Marko, Huber, Peter, Ertl oder Pankl. Schurti: "Der 'Austria-Riegel' war fast nicht zu knacken. Die zogen sich gegenseitig im Windschatten." Schurti kann mit dem "Alpenexpress" dennoch mithalten. In der letzten Runde fliegt die raufende Meute bei der Einfahrt ins Motodrom allesamt in die Botanik.  Schurti findet als Erster wieder Grip auf dem Asphalt, gewinnt und verschafft sich viel Respekt.

ImageDas Highlight vor 41 Jahren. 1972 ist sein Jahr.  Schurti kauft sich einen Royale-Formel-Super-V-Boliden, gründet das "Liechtenstein-Racing-Team", gewinnt die Firma Hilti als Hauptsponsor.  Mit seinem Topmechaniker Anton Sprenger und den Motoren des Triesener PS-Zauberers Max Heidegger geht die Post ab: Von 22 Rennen gewinnt der Edel-Amateur (Schurti ist unter der Woche als gelernter Kfz-Mechaniker beim TÜV in Liechtenstein angestellt) elf und liefert sich in der Meisterschaft ein dramatisches Duell mit dem unvergessenen, später in Watkins Glen tödlich verunglückten F-1-Piloten Helmut Koinigg. Erst nach dem Sieg beim Finale in Hockenheim steht er knapp vor Koinigg als neuer Europameister fest. Der spätere Fürst, Hans Adam II ., reist extra zur Siegesfeier an, ganz Liechtenstein feiert Schurti wie einen Helden und wählt ihn zum Sportler des Jahres.

Porsche-Werksfahrer statt F 1. Ein Abstecher in die Formel 2 misslingt gründlich: Schurti zahlt viel Geld, bekommt aber eine Gurke von Auto hingestellt. 1976 kommt er das einzige Mal mit der Formel 1 in Berührung: Er darf in Goodwood den Williams testen. Aber wieder ist das Auto unfahrbar. "Ich war damals schon 35-jährig. Mit diesem schlechten Auto hätte ich keine Rennen fahren mögen", trauert Schurti der F-1-Chance heute nicht nach. Dank dem damaligen Porsche-Rennleiter Manfred Jantke findet er stattdessen als Werksfahrer bei den Langstrecken-Rennen der Zuffenhausener seine Erfüllung.

"Moby Dick" mit 1.300 PS. Speziell als Entwicklungsfahrer ist Schurti sehr geschätzt. Er macht im Porsche 935 mehr Testkilometer als seine Werkskollegen Jacky Ickx, Rolf Stommelen oder Jochen Mass. Der 935er ist in seiner letzten Ausbaustufe 1978, dem legendären "Moby Dick", ein Dampfhammer: Der Bi-Turbo mobilisiert im Quali-Trimm mit 3,2 bar Ladedruck sagenhafte 1.300 PS. "An die Verzögerung des Turbos musste man sich erst gewöhnen.  Die Lenkarbeit war absolute Schwerstarbeit."

ImageTop-Angebot widerstanden. Einen grandiosen Sieg erringt dem inzwischen zum Leiter der liechtensteinischen Motorfahrzeugkontrolle Aufgestiegenen 1980 auf der Avus im BMW M1-Procar-Lauf vor allen F-1-Stars. Dennoch beschließt der inzwischen 39-Jährige am Saisonende, seine aktive Karriere zu beenden.
Er gibt eine große Abschiedsparty. "Dabei machte mir Peter Sauber ein unglaublich lukratives Angebot, für ihn doch in der Sportwagen-WM weiter zu fahren", erzählt Schurti, der aber widersteht. "Ich hatte in meiner Karriere nur zwei große Unfälle, bei denen ich gottlob unverletzt blieb. In Le Mans bin ich mehrmals an toten Kollegen vorbeigefahren. Ich wollte mein Glück nicht weiter herausfordern."

Golfen mit Freund Rudi Lins. Manfred Schurti ist heute mit seinen 72 Lenzen drahtig wie eh und je. "Klar zwickt es da und dort. Die Bandscheiben machten zuletzt öfters Probleme." Bei Klassik-Veranstaltungen entert er hin und wieder die Cockpits seiner früheren Renner oder er streift sein "Heimweh" bei der Essener Motorshow ab, wo er seine alten Weggefährten trifft.  Und er gönnt sich heute schon mal mit seinem Freund Rudi Lins und seiner Gattin einen mehrwöchigen Golf-Urlaub in Portugal.

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