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Freitag, 6. Dezember 2019
Englandreise Drucken E-Mail
Geschrieben von Wolfgang M. Buchta   

Heft bestellen - Englandreise - Wir wissen, was wir letzten Sommer getan haben

Wenn man an einem Winternachmittag - draußen ist es kalt und finster - so am Schreibtisch sitzt, hilft es manchmal, wenn man ganz fest an den letzten Sommer denkt ...
Wolfgang M. Buchta erinnert sich an den letzten Sommer, betrachtet die Photos, die Ulli Buchta gemacht hat und gibt manchen von euch vielleicht eine Anregung für den nächsten Sommer, der angeblich ganz bestimmt kommt ...

 

ImageDie Jäger der verlorenen Schätze von A wie Anstecknadeln bis Z wie Zündkerzen, von einzelnen Schräubchen bis zu ganzen Automobilen, von (rostigen) Kotflügeln bis rarer Literatur aus der Frühzeit der Motorisierung ...
Kein Wunder, dass der Autojumble in Beaulieu in den Terminkalender und Herzen von tausenden Enthusiasten einen fixen Platz hat, trotz eBay und Konsorten! Schließlich hat der reale Autojumble gegen seinen virtuellen Konkurrrenten etliche Vorteile.
1. Hier gibt es "Alles" oder zumindest mehr, als man bei eBay in fünf Jahren finden wird, man muss es nur auf den 2.000 Ständen, die auf einer Fläche von 10 Hektar versammelt sind, finden.  2. Hier kann man die Preziosen tatsächlich begutachten und alle späteren Diskussionen über den Zustand entfallen.
3. Es ist ganz einfacher, netter und stimmungsvoller in der Gesellschaft von tausenden Gleichgesinnten zu stöbern, als einsam zu nächtlicher Stunde vor dem Bildschirm zu sitzen. Vor dem Bildschirm gibt‘s auch seltener Zufallsfunde als auf dieser Wiese in Hampshire, und 4. es gibt keine Portokosten und wer genügend einkauft, für den finanzieren die ersparten Versandkosten locker die Reise.
Und dass das Ganze in einer der schönsten Landstriche Englands mit reichlich landestypischer Gastronomie und weniger reichlich Quartieren stattfindet, ist der Attraktivität auch nicht abträglich.

ImageDer Sammler. Der kleine englische Autobauer Tornado begann 1957 in Rickmansworth, nordwestlich von London, seine Tätigkeit und das Rezept war das übliche für diese Zeit: Auf das Chassis eines Ford Eight (oder Ten) wurde eine schicke, sportliche Karosserie aus Kunststoff gesetzt. Vom Modell "Typhoon" entstanden bis 1962 geschätzte 400 Stück. Variationen des Erfolgsmodells hörten auf andere "windige" Namen wie "Tempest" (Ford Anglia E 105 Motor) oder Thunderbolt (Triumph TR 3 Motor) und ihr kommerzieller Erfolg war eher bescheiden. 1962 kam mit dem "Talisman" ein komplett neues, sehr hübsch gestyltes Modell, das allerdings die Firma zwei Jahre später im Konkurs enden ließ...
Anfang der 1960er Jahre war ein gewisser Eric Martin Chefmechaniker und Werksfahrer bei Tornado und unter anderem mit dem einzigen "Competition Tempest" mit Formel Junior Motor, Doppelvergaser, hintere Einzelradaufhängung und innen liegenden Bremstrommeln.
Solche Erlebnisse prägen, manchmal nicht nur einen selbst, sondern die ganze Familie, und damit ist der mittlerweile ältere Herr verantworlich, dass sein Sohn David zum sicherlich größten Sammler dieser Marke werden "musste".
In den weitläufigen Garagen seines Wohnblocks in Nordwest-London finden sich nicht nur der historische Tempest Racer, sondern gleich ein überreichlicher Querschnitt durch die - zugegebenen kleine - Produktpalette der Firma. Der eine oder andere markenfremde "Special" rundet die Palette ab. Und irgendwo "am Land", auf "der Farm" gibt‘s noch mehr davon ...
Wer mehr über die Marke Tornado (und andere britische Kleinseriensportwagen) erfahren will, der wird im Internet fündig werden, z. B. unter www.fairthorpescc.com und www.1950sspecials.com

ImageDer Händler.
  Richard Bidoulph ist ein "Happy Man"! Nicht nur weil er tagein-tagaus in typisch eleganten, britisch-gesteiften Sakkos und dazupassendem Schuhwerk herumläuft, in denen er sich offensichtlich wohl wie ein Fisch im Wasser fühlt, sondern er hat auch den, zumindest für einen wie ihn, coolsten Beruf: Er ist Autohändler!
Allerdings handelt Richard nicht mit mehr oder weniger neuen Modellen von Ford, Vauxhall oder VW sondern mit älteren, hochkarätigen Exemplaren von Rolls Royce oder Bentley - Bentley 3 Liter, Phantom I, II oder III und natürlich immer wieder einmal einen Silver Ghost ...
Richards "Laden" - Vintage & Prestige - befindet sich in einer riesigen Halle auf einem ehemaligen Bauernhof im malerischen Oxfordshire, und Besucher sind "by appointment only" willkommen ...
Und, sobald man zu der Halle Zutritt erlangt hat, fühlt man sich in Aladdins Höhle versetzt.  Rolls Royce und Bentley dominieren natürlich das Angebot, aber auch bescheidenere Marken - zum Zeitpunkt unseres Besuchs konnten wir auch Rover, Standard, Daimler, Alvis und Tatra entdecken. Natürlich alles "real cars", also Vorkriegsmodelle.  Aus welcher Epoche der historische Zigeunerwagen genau stammt, konnte uns auch unser Gastgeber nicht sagen.

ImageDie Racer.  Was soll man über das Goodwood Revival noch schreiben? Das Revival ist eine südenglische, spätsommerliche Zeitreise in eine Zeit wo der Begriff "Automobil" noch nicht für Umweltbelastung, Katalysator, Stau, Parkpickerl, Fahrverbote, Tempolimit und was euch sonst noch so unerfreuliches einfällt steht.
Hunderte Autos (und Motorräder), und davon nicht die Schlechtesten, werden unter der Leitung des Charles Gordon-Lennox, Earl of March and Kinrara, der mit Goodwood praktischerweise nicht nur einen englischen Landsitz, sondern auch gleich eine Rennstrecke und einen Flugplatz zur Verfügung hat, zu einem Gesamtkunstwerk komponiert.
Natürlich stehen ausgewählte Automobile - "by invitation only" - im Mittelpunkt, heuer hatten beispielsweise der Ferrari GTO und die AC Cobra 50. Geburtstag, und mehr als 15 der raren und sündteuren GTO s waren zur Party gekommen, und die Cobras hatten ein eigenes Rennen.
Und ein Dutzend ERA-Rennwagen, Mercedes und Auto Union waren mit ihren kompletten Silberpfeil-Werkteams angetreten, ein paar Lolas, eine Horde Austin J 40, und ...
Aber was das Goodwood Revival einzigartig macht ist das Drumherum: Historische Hurricane und Spitfire, Dick und Doof mit ihrem Ford T, Liz Taylor und Richard Burton - nein, das dürften nicht die echten gewesen sein - die im Showroom einen Rolls-Royce begutachten, sowjetische Soldaten, die den abgestürzten Sputnik bewachen, Rocker, die eine Schlägerei vom Zaun brechen und von der Polizei verhaftet werden, und dann natürlich ihr und wir und weitere 150.000 Statisten, die (fast) allesamt verkleidet sind, pardon, in "period dress" gewandet sind ...

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