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Samstag, 14. Dezember 2019
Fahr(T)raum Salzburg Drucken E-Mail
Geschrieben von Wolfgang M. Buchta   

Heft bestellen - Fahr(T)raum Salzburg - Die Autos des Großvaters

Man sagt, dass die meisten Sammler an den Tatort zurückkehren, und die Fahrzeuge ihrer Jugend, das Motorrad des Vaters oder das Auto des Großvaters, haben wollen. Ernst Piech ist da nicht anders, allerdings war sein Großvater ein gewisser Ferdinand Porsche ...

Wolfgang und Ulli Buchta durften bei der Eröffnung von fahr(T)raum dabei sein.


 

ImageFerdinand Porsche war, ich denke da herrscht Übereinstimmung, einer der größten, wenn nicht der größte Automobilkonstrukteur der bisherigen Automobilgeschichte, und nicht nur wo Porsche draufsteht ist auch Porsche drinnen, eigentlich ganz im Gegenteil, denn an der Entwicklung der Automobile, die wir heute als Porsche kennen, war der Ahnherr der Familie kaum beteiligt.
Die grobe Geschichte ist wohl bekannt: Ein junger Elektrotechniker aus dem kleinstädtischen Maffersdorf in Böhmen kommt in die Residenzstadt, beginnt bei der Firma Bela Egger und wechselt bald darauf zum Hofwagenbauer Lohner, wo er um die Jahrhundertwende seine ersten, bahnbrechenden Elektro- und Hybridautos konstruiert.
Da sich Lohner die aufwändigen Entwicklungen Porsches nicht leisten kann, wechselt dieser 1906 zu Austro-Daimler, wo er sowohl Sportund Luxusfahrzeuge, als auch Flugmotoren und Militärfahrzeuge konstruiert.
Nach seinem, nicht ganz freiwilligen, Abgang von Austro Daimler landet er vorerst bei der Daimler Motorengesellschaft und 1929 bei Steyr. Als dort bald darauf seine "alten Freunde", die ihn schon bei Austro Daimler vertrieben hatten, das Ruder übernehmen, reicht es Ferdinand Porsche und er macht sich 1931 in Stuttgart mit der "Dr. Ing. h. c. F. Porsche GmbH, Konstruktionen und Beratung für Motoren- und Fahrzeugbau" selbstständig.
Und auf den Kreationen der nächsten Jahre stand noch immer nicht "Porsche", sondern "Auto Union" (auf den Grand Prix-Wagen), "KdF Wagen" (am späteren VW Käfer) oder "Panzerkampfwagen VI Tiger (P) VK4501(P) (Porsche Typ 101, ein schwerer Kampfpanzer).  1948 schließlich entstand unter der Leitung von Ferdinand "Ferry" Porsche (dem Sohn von Dr. Ing. Ferdinand Porsche) der erste "echte" Porsche, der Type 356. Aber das ist eine andere Geschichte ...
ImageErnst und Elisabeth Pich-Nordhoff konzentrieren sich in ihrer Sammlertätigkeit genau auf die Epoche, die Karl Ludvigsen in seinem Buch "Ferdinand Porsche - Genesis of Genius" so trefflich beschreibt. Und jetzt haben die beiden ihre unglaubliche Sammlung im malerischen Ambiente des Salzburger Seenlands, in einer ehemaligen Schuhfabrik in Mattsee der Öffentlichkeit zugänglich gemacht; eine Sammlung, die nicht aufgrund der Quantität, sondern aufgrund der Qualität einmalig ist. Die Autos stehen aber nicht lieblos in einer Halle, sondern werden "multimedial" präsentiert. Man kann das Auto sehen, man kann eine konventionelle Tafel mit einer kurzen Geschichte lesen, ein Touchscreen liefert die Daten, Filme und vertiefende Informationen und hören kann man das Auto natürlich auch: Positioniert man sich unter eine bei jedem Fahrzeug befindliche Schallglocke, so "spricht" der Wagen zum Besucher (mit seinem Motorgeräusch). Und am Vor-Eröffnungstag, konnte man die Austro Daimlers nicht nur lesen, sehen und hören, sondern auch riechen und fühlen, denn Ernst Piech persönlich chauffierte die kleine Besuchergruppe um den Mattsee, natürlich stilvoll im Austro Daimler ...
Ernst Piech ist nicht nur ein großartiger (und großzügiger) Sammler, da er seine Preziosen nicht in der Garage hortet, sondern allen Interessierten zugänglich macht, sondern auch ein großartiger Gastgeber, der seinen Besuchern Wein aus eigenem Anbau kredenzt: Ernst und Elisabeth Piech-Nordhoff betreiben in Danebury House in Hampshire ein Weingut - mit exzellenten Resultaten, wie man schmecken konnte.
Übrigens: noch bis 15. September ist die erste Sonderausstellung zu bewundern, und dabei geht es nicht "um den Großvater": Unter dem Titel "The Last Mile" wird eine Vernissage mit Bildern von Steve McQueen, die seine Frau Barbara aufgenommen hat, zu bewundern sein.

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