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Freitag, 23. Oktober 2020
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Geschrieben von Jürgen Splet   

Heft bestellen - Splets Kleiner Reiseführer - Und wieder mal Polen ...

Nein, diesmal kein Bericht von Bielsko-Biala wie in den letzten Jahren - denn eigentlich begannen unsere Kontakte zu diesem schönen Land schon Ende des letzten Jahrtausends ... Und zwar zu Oldtimerleuten in Tarnow - ca. 80 km östlich von Krakau.

Text & Photos: Jürgen Splet
  ImageUnd diese Freunde wollten wir mal wieder besuchen - nicht erst im Winter, wenn‘s kalt ist, sondern zu Beginn des Urlaubs im Sommer!  Als "offiziellen" Grund gab‘s eine Einladung zu einem formlosen Oldtimertreffen in Nowy Sacz, einer kleinen Stadt in herrlichem hügeligem Gelände mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten ...  doch ich greife vor!
Es begann - wie üblich - mit der Anreise. Wir vertrauten diesmal auf unseren VW-T1-Samba, Bj. 67, der dieses Jahr schon mehrmals zum Einsatz kam. Bei Hitze ist das große Schiebedach ein unbezahlbares Plus - was wir zu dem Zeitpunkt allerdings nicht wussten, ist die Tatsache, dass die Heizungsklappe nicht ganz schließt ...  und die Temperaturen zu Anfang dieses Augusts waren auch so schon schweißtreibend genug!
Über die Anreise gibt es nicht viel zu berichten - die Straßen sowohl der Slowakei als auch Polens werden im Jahrestakt besser - wir kamen gut und pannenfrei voran und trafen am frühen Abend in Tarnow ein. Es folgte fröhliches Wiedersehen und ein Abend mit gutem Essen in der Innenstadt - was für die Straßen gilt, gilt auch für die Altstadt Tarnows - es geht ein sehr positiver Wandel durchs Land, speziell bei der Jugend!
Am nächsten Tag wollte die Tarnower Gruppe geschlossen nach Nowy Sacz fahren - was leider misslang, da ausgerechnet ein Käfer meinte, nicht mehr laufen zu wollen. Ich muss noch kurz erwähnen, dass wir für die gesamte Ausfahrt einige befreundete Passagiere hatten - so ein Bus ist eben auch der Kommunikation sehr zuträglich! Schlussendlich kamen wir aber doch noch rechtzeitig an - und der Veranstaltungsort ist eine eigene Schilderung wert: Etwas außerhalb der Stadt gelegen befindet sich ein "Museumsdorf" - aber nicht so, wie wir es hier in Österreich kennen! Um einen Hauptplatz gruppieren sich zahlreiche historische Gebäude, die aber nicht wirklich alt sind, sondern in Bauweise und Stil Vorbildern nachempfunden sind. Darin gibt es Geschäfte und Handwerksausstellungen wie Anno dazumal - sehr interessant aus unserer Sicht, dass viele alte Exponate mit deutscher Beschriftung waren - die Gegend gehörte vor 100 Jahren immerhin noch zu Österreich! Und in zwei der größeren Gebäude werden Zimmer vermietet - wir übernachteten daher direkt im Museum! Das hatten wir auch noch nie ...
ImageDas Programm für Samstag war eigentlich nur ein Punkt: die Fahrt nach Krynica! Im Konvoi - unter Polizeiaufsicht - verließen wir das Museumsdorf und dann fuhr die komplette Kolonne wirklich durch, egal, welches Signal die Ampeln zeigten, überall standen Polizisten, die den Verkehr anhielten und die etwa 60 Oldtimer durchwinkten! Es klappte vorzüglich und im Nu waren wir Richtung Süden unterwegs.
Krynica ist ein alter Bade-Kurort - irgendwie atmet diese Gegend noch den Hauch der Monarchie, ich kann mir nicht helfen. Sowohl Architektur als auch Parkanlagen etc. kamen uns nicht fremd vor, ganz im Gegenteil. Da dieser Ort schon knapp an der slowakischen Grenze liegt, ist es ziemlich bergig - die Ausläufer der Tatra sind unübersehbar. Eigentlich sollte man sich dort für einen ganzen Urlaub Zeit nehmen ... ist auf unserer Liste vorgemerkt!
Wir fuhren mit einer Standseilbahn den Aussichtsberg hoch - der Abstieg durch den Wald war eine willkommene Abwechslung für die Füße (wir hätten auch fahren können, aber so sah man mehr). Danach war der Hunger gerade richtig für ein bestens organisiertes Mittagessen (wer in Polen hungrig bleibt, ist ein Vegetarier - die dürften dort kaum vorkommen, wie es scheint ...) und danach gingen wir noch zu einem Spielzeugmuseum - im herrlich kühlen Keller eines typischen Kaiserzeit-Gebäudes.
Manchmal hat man dort wirklich den Eindruck, die Zeit sei stehengeblieben. Eigentlich war diese Ausstellung schon sehr beeindruckend - bis wir erfuhren, dass dies nur ein kleiner Ableger einer größeren Sammlung ist! Besonders interessant war die chronologische Darstellung - und die Menge an wirklich altem Spielzeug!
Derweilen standen die Oldies auf einem großen Parkplatz im Zentrum als Publikumsattraktion - klar, die Sponsoren wollen auch was haben für‘s Geld. Nach einem sehr guten Eis (in einer gefrorenen, ausgehöhlten Ananas serviert - genial!) schlenderten wir dorthin und genossen die Bewunderung der Leute für unseren Bus - eine Eigenart dort ist jedenfalls, dass sich die Leute zu den Autos stellen und so fotografieren lassen - das kennen wir hier in Österreich kaum, dort ist es der Normalfall. Was natürlich zu netten Kurzkontakten führte - wenn so ein 10-jähriger Steppke mal hinters Volant des Busses darf und dann selig lächelnd fotografiert wird ... Das sind schon schöne Momente, und die Leute passen höllisch auf, dass nichts beschädigt wird - die wissen Freundlichkeit durchaus zu schätzen! Die Rückfahrt - wieder im Konvoi - startete dann am mittleren Nachmittag - gemütlich ging‘s durch‘s quasi Alpenvorland (Die Gegenden gleichen sich unglaublich!) zurück zum Dorfmuseum.
ImageDanach: Aufstellung am "Dorfplatz", fotografieren, tratschen, Ausstellungen bewundern ... langweilig ist anders! Und wer immer noch Angst vor der Sprachbarriere hat: Englisch ist normal, Deutsch häufig - und ein paar Brocken Polnisch hat man bald mal aufgeschnappt - nur nicht von der Schreibweise täuschen lassen, die polnische Sprache ist sehr weich im Tonfall, nur manchmal gibt‘s zu viele Konsonanten hintereinander für unsereins.
Der Abend begann wieder einmal mit einem gemeinsamen Essen - und dabei gingen die Plaudereien munter weiter in die Dämmerung.  Irgendwann verlagerte sich das Geschehen in die Arkaden, wo eigens Bänke und Tische aufgestellt waren - da wir aber schon ziemlich müde waren - die Anreise steckte noch ein wenig in den alten Knochen - waren wir nicht die letzten, die die Arkaden wieder verließen. Das Bett lockte doch zu übermächtig ...
Der nächste Tag: Kaiserwetter wie gehabt - nach dem Frühstück soll die Kultur Vorrang haben: Wir gingen in das dem Dorfplatz angeschlossene Gelände, wo auf einem sehr weitläufigen Areal - ganz anders als in unseren Museumsdörfern, die sich eher durch Enge auszeichnen - die wirklich alten Gebäude einzeln und in Ensemblen standen.  Sogar drei Kirchen - für die drei häufigsten Konfessionen katholisch, protestantisch und orthodox - waren dort wieder aufgebaut worden.
Die Qualität der Darstellung und der Führung war unglaublich - alleine in diesem Museumsdorf lässt sich mehr als ein Tag verbringen, ohne dass es langweilig wird, von der Menge an schönen Fotomotiven mal ganz abgesehen! So eine Wanderung macht hungrig - und daher gab es wieder ein sehr gutes Mittagessen - alles im Preis inbegriffen und problemlos organisiert - an dieser Stelle sei Lob und Dank den Organisatoren ausgesprochen! Der Nachmittag - und gleichzeitig Abschluss des Treffens - war eine Konvoifahrt durch Nowy Sacz mit anschließender Präsentation der Fahrzeuge am Hauptplatz.  Wieder Polizei an allen Ecken und Kreuzungen - und jede Menge winkender Passanten am Straßenrand - das war wirklich eine kleine Sensation im Ort! Wir erkundeten währenddessen wieder die Altstadt - noch viel Arbeit, aber sie sind dran, man merkt es überall.
ImageWir fuhren von dort dann allerdings nicht zurück nach Österreich, sondern zuerst einmal nach Bielsko-Biala - zu unserem Freund Grzegorz, der ebenfalls in Nowy Sacz war und uns auf Nebenstraßen zu sich nach Hause lotste.  Dass wir so in den Genuss weiterer 200 km kamen….  dieses Polen ist einfach riesig! Die Übernachtung bei ihm war Ehrensache - und nur der Zwischenstopp zu einem weiteren Höhepunkt unserer Urlaubsfahrt: die Reise zu Jim Parton!
Es waren zwar am nächsten Tag nochmal ca. 200 km zu fahren, aber dann ... ein kleines Dorf an der tschechisch-polnischen Grenze namens Piotrowice, dort ein kleines Schloss mit riesigem Areal, auf dem ebenso riesige Speichergebäude etc. stehen - und dazwischen ein Mann, den man im besten Sinne des Wortes nur als Original bezeichnen kann. Ursprünglich aus London, verliebt sich erst in eine Polin, sodann in ihre Heimat, kauft ein ziemlich desolates Schloss und beginnt es zu restaurieren - das war vor ca.  5 Jahren. Der Kontaktpunkt? Natürlich Oldtimer, er hat da auch ein paar - mit viel Arbeit vor sich, aber Arbeit hat er ohnehin, wohin er auch schaut ... Dafür ist er eigentlich unheimlich entspannt (ich würde dort wahrscheinlich durchdrehen ...) und seine Frau nebst Kindern sind dies auch.
Die Schlossführung am nächsten Tag war für historisch interessierte Menschen von großem Interesse - was da bei den Arbeiten alles zutage kam! Mittlerweile sind die Archäologen aus der Universität oftmals gesehene Gäste im Schloss.  Ach ja - vor dem nächsten Tag war natürlich die Nacht dazwischen - wir übernachteten im Schloss - er hat nämlich wunderschöne Appartments aus den Zimmern im Erdgeschoß geschaffen - gönnt euch das mal und genießt einen Urlaub bei ihm! Es ist natürlich kein 4-Sterne--Haus - aber aus unserer Sicht viel besser als so etwas! In der Umgebung lässt sich vieles tun - und auch Tschechien ist gleich um‘s Eck - mit Nationalparks etc.!
Am späten Vormittag brachen wir dann Richtung Heimat auf - der Beschreibung folgend, waren wir fünf Kilometer später in der Tschechischen Republik - nur erkennbar an den anderen Wegweisern - es gab keine Tafel bezüglich Grenze etc. Irgendwie unwirklich, wenn man noch den Eisernen Vorhang, die Mauer etc.  erlebt hat! Mein Vater wollte nie nach Danzig fahren, um zu sehen, wie seine Heimat in den 80ern aussieht - auch wegen der Formalitäten.  Heute wäre es eine Reise wie jede andere auch ...  Schade, dass er das nicht mehr erlebte!
ImageDie Fahrt durch den nördlichen Bereich unseres Nachbarlandes Richtung Brno war wieder von traumhafter landschaftlicher Schönheit, speziell die ersten 100 Kilometer ... da gäbe es noch so viel zu entdecken - wir kommen wieder, keine Frage (und wo wir schlafen, wissen wir schon ...)!
Wieder daheim, waren wir müde, aber so voller schöner, freundlicher und interessanter Eindrücke, dass wir es erstmal verdauen mussten - Bilder ansehen, Adressen neu eintragen etc. Zum Glück war es erst der Anfang und nicht das Ende des Urlaubs. Der VW hatte seinem Ruf Ehre gemacht und brav durchgehalten - trotz Hitze und manchmal eher schlechter Seitenstraßen (Hauptstraßen fahren ist langweilig!!). Und dass so ein Bus ein außerordentlich guter Sympathieträger ist, erlebten wir ein ums andere Mal, egal, wo wir anhielten - auch eine schöner Nebeneffekt von Reisen im Oldie, den wir nicht mehr missen wollen!
Und damit ihr unsere Reise auch nachvollziehen könnt, gibt es im Anschluss die üblichen Adressen, um im www auch Lust auf diese Destinationen zu bekommen - will uns nächstes Jahr jemand begleiten? Polen sieht uns sicher bald wieder!
 
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