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Samstag, 5. Dezember 2020
Auf Honda CTX 1300 durch Slowenien und Oberitalien Drucken E-Mail
Geschrieben von Christian Spatt   

Heft bestellen - Auf Honda CTX 1300 durch Slowenien und Oberitalien - Auf Spurensuche

100 Jahre ist es jetzt her, es gibt wohl erfreulichere Jubiläen. Nichts desto trotz haben wir uns anlässlich des Ausbruchs (Kann man das überhaupt so schreiben? Das klingt eher wie eine Naturgewalt, die unvermeidlich gewesen wäre) des ersten Weltkriegs auf Spurensuche begeben. Mit einer Honda CTX 1300 bereisten wir die Hotspots in der Region Slowenien und Oberitalien, das Traurige des Gedenkens mit dem Wunderschönen des Reisens verbindend.

Text: Christian Spatt
Photos: Gerwin & Christian Spatt

 

ImageTeil 1: Die Isonzo-Front. Die Route führte über mehrere Tage in die Isonzo-Region und dann anschließend nach Südtirol, bis zum Ortler. Transit gabs auch, Hinreise via Steiermark und Kärnten, Rückreise von Tirol dann quer durchs Land. Alles in allem wurden auf diese Weise 2.000 km der Erledigung zugeführt, und das unter Auslassung von Verdun, Galizien und Gallipoli. Eine Reise in die Vergangenheit sollte ja nicht zu abrupt erfolgen, daher erfolgte die Annäherung an die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs mit dem Bunkermuseum am Wurzenpass, einem Relikt des Kalten Krieges.
Auf über 11.000 m² wurde ein ehemaliger Bunker zur Sicherung des eisernen Vorhangs zu einem Museum umgewandelt, in dem einerseits die Lebensbedingungen der stationierten Soldaten gut nachvollzogen werden können, aber auch die stationierten Geschütze besichtigt werden können.
Vom Wurzenpass ist es nicht weit nach Kranjska Gora, und hier begann der Aufstieg auf den Vršic (1.611 m) über jene Straße, die von russischen Kriegsgefangenen im ersten Weltkrieg erbaut wurde. Noch heute kann die Ruska Kapelica, ein kleines Kirchlein, erbaut von eben jenen russischen Gefangenen, im unteren Teil der Nordrampe besucht werden. Die 50 Kehren sollten nicht die letzten gewesen sein auf dieser Reise. Der Blick ist grandios, wenn man sich dann in jenes Tal aufmacht, das einer der wesentlichen Fronten des ersten Weltkrieges den Namen gegeben hat, das Tal der Socâ,oder seinerzeit Isonzo.
Heute muss man die Spuren des Krieges suchen, das Grauen der Isonzo-Schlachten ist nicht mehr spürbar, nicht einmal in den heute noch offensichtlichen Relikten wie die Flirscher Klause oder der Batterie am Predilsattel (1.156 m). Der Oberlauf des Isonzo ist malerisch, und wenn er einmal an einer Stelle nicht malerisch ist, dann ist er nur beeindruckend schön.
Das Wetter an diesem Tag war perfekt um mit der mit dem Riesenbaby von Honda den Windungen des Flusses durch das Gebirge zu folgen. Bei Bovec zweigt dann die Route wieder nach Norden ab, in die Berge, die nächsten Ziele sind Strmec na Predelu und der Passo Predel. Auf dem Weg zurück nach Italien kommt man an der Flitscher Klause vorbei. Das 1881 - 1882 erbaute Festungswerk hatte eine wesentliche militärische Rolle bei der Verteidigung der Isonzo-Front nach Norden bzw. als Teil der Nachschublinie nach Süden. Das Befestungswerk ist heute als Veranstaltungsort in Betrieb, ein kleines Cafe, wo man auch einen Überblick bekommt.
ImageDas darüberliegende Fort Hermann ist allerdings stark beschädigt, der 2 km lange Marsch in der Felswand war dann mit der Motorradkleidung nicht so einladend, daher fiel dieser Programmpunkt aus.
Mit Strmec na Predelu befuhren wir im Anschluss die höchste Straße Sloweniens. Der Lohn für den Ritt auf dem schmalen Parcours, ein sensationeller Ausblick über den Predil und den Sella Nevea hinunter Richtung Kanaltal, und auf das Bergpanorama rundherum. Knapp vor dem Predil geht es dazu rechts den Berg hoch.
Über den Passo di Predil fuhren wir an den Ruinen der Batterie Predil vorbei, das Mahnmal für Hermann von Hermannsdorf, das an der Batterie prominent plaziert ist. Ruinen, wir haben uns daher nicht weiter aufgehalten, sind gleich weiter raus Richtung Kanaltal über den Sella Nevea. Dieser Schlenker fand seinen Plan, da das nächste Ziel Kobarit (Karfreit) und das dortige Museum war. Von Resiutta ging es daher via Val Resia retour nach Slowenien, quer durch den Nationalpark Julische Voralpen.
Was der Vršic nicht schaffte, dieses Strasserl hat es beinahe geschafft. Die CTX 1300 an ihre Grenzen zu bringen. Eckig, circa einspurig, wenn man mit einem Puch 500 unterwegs ist (in jedem anderen Fall 0,8-spurig), fahren auf halbe Sicht bedeuten in dem Fall 15 kmh, was im konkreten Fall doch fordernd war. Aber in Wirklichkeit wäre es mit jedem Fahrzeug anstrengend geworden.
Auch wenn es in keiner Weise vergleichbar ist, die Mühen der Truppen während sich in diesem Gebiet zu bewegen werden auf diesem gewundenen Straßerl zumindest in Ansätzen nachvollziehbarer. (Auch hier gab es während der 12. Isonzoschlacht Kampfhandlungen, diese hinterließen allerdings keine offensichtlichen Spuren) Das Kobariški muzej zeigt als Schwerpunkt die Isonzo-Schlachten, mit den Schwerpunkten Eroberung des Krn (2.244 m), das Leiden der Soldaten in den Bergen (weisser Raum), das Leben im Hinterland, das Sterben an der Socˆ a (schwarzer Raum) und der 12. Isonzo-Schlacht.

ImageTeil 2: Das alte Österreich an der Adria und im Friaul. Sitzt man heute im Cafe in Cividale und genießt das Rundherum einer typischen italienischen Stadt, dann fällt es einem schwer zu glauben, daß diese Stadt sehr gelitten hat unter den Ereignissen des ersten Weltkrieges. Es stand also in diesem Teil der Tour eher das Eintauchen in den Charme der Kombination Italien und altes Österreich am Programm. In Cividale reichen die historischen Wurzeln zurück bis in die Zeit der Römer und Kelten, eine Statue Julius Caesars vor dem Rathaus erinnert daran, dass dieser die Keltische Siedlung zur Stadt erhob.
Sehenswert ist aber vorallem der Tempietto Longobardo, eines Baues aus der Zeit der Langobardischen Herrschaft (errichtet um 760). Um etwas Überblick zu bekommen führte die Reise nach Castelmonte, der berühmtesten Wallfahrtskirche Norditaliens. In den Hügeln über Cividale gelegen bietet sie einen Wunderbaren Blick in die Tiefebene einerseits aber auch in die Berge bis nach Norden an die Österreichische Grenze andererseits. Wenn man so will der ideale Überblick über die gesamte Isonzo- Region.
Man kann zwar den direkten Weg nehmen, aber charmanter ist es, nach Süden durch das Weinbaugebiet (Collio Orientale) und dann die slowenische Grenze entlang zu mäandern (da macht die CTX 1300 so richtig Spaß) und dann beim Centro Studi Podresca den Berg hinauf zu fahren.
Auf dem Weg Richtung Duino kamen wir man kurz vor Monfalcone durch Redipuglia. Das entspannte Cruisen der letzten Kilometer von Cividale nach Süden, die Weinberge des Collio entlang war rasch vergessen, der Krieg holte einen unbarmherzig ein, befindet sich hier das größte Mahnmal für die Toten des ersten Weltkrieges in Italien. Die riesige Anlage ist ehrfurchtgebietend, imposant und macht nachdenklich.
In Duino hatte uns Italien, das schöne, das entspannte wieder. Mittagessen am Hafen in der Bucht war angesagt, in einer schattigen Laube, mit Blick auf die Schiffe im Hafen, die salzige Luft in der Nase. Solcherart gestärkt konnte die Querung des Friauls und Veneziens beginnen, erwartete uns doch am Abend der Prosecco, genaugenommen Valdobbiadene.
Auf dem Weg dorthin rentierte sich auch ein Stop in Oderzo, einer Stadt, die auf eine Ansiedlung aus dem 9. Jhdt. VOR Christus zurückgeht. Zumindest auf einen Espresso sollte man durch das Zentrum flanieren, Dom, Campanile und Torresin waren sehenswert.
Nach der langen Fahrt war dann das Entspannen im Weinberg in Valdobbiadene bei Prosecco vom Fass und lokalen Spezialitäten eine Wonne. Intensiver als mit Essen und Trinken beim Bauern und der Reise mit dem Motorrad lässt sich dieser Flecken wohl nicht erfahren.

ImageTeil 3: Alto Adige. Naturgemäß gestaltet sich dieser Teil der Fahrt als der schwierigste, was den retrospektiven Gedanken und das Gedenken angeht. Man hat das Gefühl, es geht weniger um das sichtbare als um das nicht sichtbare.
Natürlich gibt es auch hier museale Aufbereitung, wie Gedenkstätte zum 1. WK in Bozen oder das Museum Tre Sassi am Valparola-Pass, aber beispielsweise in Meran, und das ist doch immerhin eine frühere Hauptstadt gesamt Tirols findet sich nichts. Die Vermutung ist nicht all zu gewagt, dass das auch daran liegt, dass die jetzige Tiroler Grenze die unnatürlichste aller neuen Grenzen des 1. Weltkrieges ist, und auch die, die heute noch am meisten Schmerz verursacht.
Unsere Route entsprach also in etwa dem Grenzund Frontverlauf im Trento nach Süden (oder eben in unserem Fall Norden) und dann quer nach Westen durch das Südtiroler Kernland bis Bormio.
Der Tag versprach beim Frühstück perfektes Reisewetter, und dieses Versprechen sollte auch eingelöst werden. Entspanntes Frühstück also mit italienischem Kraftfutter, Salami, Speck, Cappucino, es sollte ein Tag werden, an dem wir es gut gebrauchen konnten.
Auch wenn es ein ordentliches Stück bis zum seinerzeitigen Frontverlauf war, landschaftlich war die Strecke vom ersten Meter an aus Valdobbiadene raus großartig.
Relativ bald nach Feltre kreuzten wir die ursprüngliche Front- bzw. Grenzlinie, wobei ja nach der Begradigung die neue Line deutlich weiter im Norden bei Predazzo verlaufen war. Wenn man so will war es also Niemandsland, das wir durchfuhren. Mitten in diesem Gebiet kamen wir zur ersten fahrerischen Herausforderung des Tages, dem Passo Rolle, interessanterweise ein Pass, der heute nicht mehr zu den ganz berühmten Pässen zählt, aber eine der wesentlichen Nord-Südverbindungen bereits seit dem Mittelalter war. Die Passstrasse wurde bereits vor dem ersten Weltkrieg errichtet, vermutlich war der Pass bereits im frühen 19. Jahrhundert befahrbar. Auch im Krieg war diese Querung ein wichtiger Nachschubweg.
ImageWeiter ging es dann Richtung Norden, wo das nächste wirkliche Highlight wartete, das Sella Joch. Dieses Gebiet war einer der Hot Spots, menschliche Dramen gab es mehr als ausreichend, es ist allerdings auch hier an der Strasse nicht mehr viel zu bemerken.
Allerdings, wer auch nur je den Schöpfl bezwungen hat, kann in Ansätzen nachvollziehen, was es bedeutet haben muss, das Material auf diese Höhe zu bringen. Von den Strapazen im Winter, die für unsere Generation der Sesselliftbenützer absolut unnachvollziehbar sind, wollen wir gar nicht sprechen. Und Material bedeutete im schlimmsten Fall sogar Artilleriegeschütze.
Vom Ende der Dolomitenfrontlinie (Sellajoch bis Paternkofel bei Cortina) machten wir uns in weiterer Folge auf Richtung des ehemals höchsten Berg Österreichs, dem Ortler. Dazu genossen wir die Fahrt das Grödnertal hinab, tangierten Bozen und Meran und genossen den Vinschgau. Liebhaber von Burgen sind in dieser Gegend gut aufgehoben, Beispiele Kastelbell, die Churburg und Goldrain.
Im letzten Abschnitt dieses Teils wartete allerdings noch das Dach der Tour, dem Ortler entlang erklommen wir den Passo dello Stelvio (2.758 m). Von Prad bis Bormio unterhielten uns 82 Kehren. Auch hier verlief ein Teil der Gebirgsfront, an der Straße rauf ist sogar noch eine Sperranlage zu sehen.
Von den Stellungen im Hochgebirge ist von der Straße aus nichts mehr zu sehen. Am Dach angekommen ließen wir das spezielle Flair des Dreiländerecks, im Nordosten der Vinschgau, im Süden die Lombardei und im Nordwesten die neutrale Schweiz wirken. Über uns als Krönung die Dreisprachenspitze, die diesem Eindruck zusätzlich Nahrung gab. Heute besteht das Leben oben am Berg aus Radlern und Motorradlern, zahlreiche Andenkenläden auf der Passhöhe geben Zeugnis.
In Bormio war das Ziel dieser Erkundungsfahrt erreicht, alles weitere sollte jetzt Heimfahrt sein. Bormio selbst ist ein entzückender Ort, der deutlich mehr als ein klassischer Wintersportort zu bieten hat.
Leider war mit Bormio auch das Ende des guten Wetters erreicht, als wir am nächsten Tag wieder zurück über den Stelvio aufbrachen, konnten wir nur mehr bis knapp unter die Passhöhe Sonnenschein genießen. An der Passhöhe hatte uns das aktuelle Sommerwetter endgültig eingeholt, der Rest der Fahrt nach Innsbruck stand daher unter dem Ziel, nicht nasser als notwendig zu werden. So blieb leider auch für die Straßensperre Nauders keine Zeit, auch das Timmelsjoch und der Jaufenpass mussten aufgrund des Regens aussen vor bleiben.
Aber wie jeder Hockeyfan weiß: There is always a next season!

ImageDie Honda CTX 1300. Passstraßen mit der kleinen Schwester einer Goldwing, na Gratulation! Das in etwa wäre der erste Gedanke, den man als Motorraderfahrener hat, wenn man vom Projekt 1. Weltkrieg revisited hört. Am Ende ist alles anders ... der Reihe nach ...
Mit eine Länge von 2,3 m ist sie ziemlich genau in der Mitte zwischen einem herkömmlichen Motorrad wie einer CB oder einer CBR und einer Goldwing, wobei der Radstand quasi dem der Goldwing gleicht und mind. 20 cm über herkömmlichen Modellen liegt (1,6 m zu 1,4 m). Das in Kombination mit dem laufruhigen 4-Zylinder, Kardanantrieb und den hervorragenden und bequemen Sitzen ergibt ein wunderbares Reisemotorrad, wenn man nicht gerade ...
Sollte man meinen. Vršic , Strmec na Predelu, Val Resia, Passo Rolle, Sella Joch, 2x Stilfser Joch, ... An engen Kurven und Haarnadeln herrschte wahrlich kein Mangel, wenn wir der CTX 1300 das Siegel „Alpenpassgeeignet“ in Silber geben, dann ist das mehr als eine Vermutung. Natürlich gibt es wendigere Geräte, aber ausser ein bisserl mehr Geschwindigkeit haben diese keinen Vorteil.
Die 2.000 km reisten wir großteils zu zweit, mit Gepäck in beiden Seitentaschen. Zusätzlicher Rucksack war nicht notwendig. Auch das ist für beinahe eine Woche respektabel. Unterm Strich kamen wir dabei (bei sehr gesitteter Fahrweise) auf etwa 5,2 - 5,3 l Verbrauch, auch das ist für ein 340 kg-Gefährt (wo ja nochmal 150 kg dazukamen) absolut im grünen Bereich.
Langsame, enge Kurven sind wie gesagt nicht einmal ansatzweise ein Problem, gebaut ist sie aber für Landstrassen. Ausreichend motorisiert, ohne ein Sprinter zu sein, ist das dahingleiten am Rande der erlaubten Fahrgeschwindigkeit ihr Metier.
Durch den (allerdings nicht serienmässigen) Aufbau und den breiten Tank ist weder Wind noch (leider auch getestet) Regen ein Thema, bei ausreichend flotter Fahrweise bleibt man sogar bei normalem Regen (Wolkenbruch sollt‘s jetzt keiner sein) ziemlich trocken. Es sind auch die Beine ziemlich gut geschützt. Der Beifahrer bleibt so und so trocken.
Der Windschutz führt auch dazu, dass man auch einmal ein bisserl schneller auf der Autobahn fahren könnte, auch 170 wären wohl immer noch windfrei. Das einzige, was ein bisserl abgeht beim dahingleiten (vorallem wenn‘s Richtung Autobahn geht), ist ein Tempomat.
Die Sitzposition ist ungewohnt, anfänglich, man sitzt weit hinten, aber die Balance ist neutral. Auch mit Sozius ist nichts zu merken. Weder ist sie beim Einlenken bockig, noch zieht sie dann in die Kurve. Das Gewicht ist auch dann nur bedingt spürbar.
Alles in allem ist die CTX 1300 eine sehr gute Wahl für Touren wie die beschriebene, selbst jenes Terrain, wo wir die größten Herausforderungen erwarteten, stellten sich als absolut unproblematisch heraus.

 
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