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Donnerstag, 23. März 2023
„Looks good, sounds great“ - D.S.H. 500 Sportmodell 1927 Drucken E-Mail
Geschrieben von Hannes Denzel   

Heft bestellen - „Looks good, sounds great“ - D.S.H. 500 Sportmodell  1927

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, sagt ein alter Spruch … oder es belohnt ihn mit einem Artikel in der Austro Classic.

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Um einige Wochen zu spät ist Christian Bergbauer mit der Restauration seines Austro-Briten, der 500er D.S.H. aus 1927, fertig geworden, um sie noch im Buch „Regenten, Giganten, Titanen & Co – österreichische Motorradraritäten der Vorkriegszeit“ unterzubringen. Gute Gelegenheit für den Autor, diesen Artikel für Eigenwerbung zu nutzen – ein Dankeschön an den Herausgeber der Austro Classic.
In frühe Kindheit reicht Christian Bergbauers Motorradleidenschaft zurück, vermutlich ausgelöst durch seinen Vater, der Mechaniker war. Schon im Alter von 12 Jahren legte sich der Junior eine schrottbillige Vorkriegspuch zu, um an und mit ihr in die Fußstapfen des Altvorderen zu treten. Zunichte gemacht wurden seine hochfliegenden Pläne eine Generation oberhalb: der Großvater betrieb das Traditionsgasthaus Jagersimmerl im Almsee, das heute in Christians Händen als architektonisches Schmuckstück dasteht. Der Senior wollte modernisieren, und als Platz für die neue Heizanlage hatte er sich just den Raum ausgesucht, in dem der Enkel sich schrauberisch betätigte. Fazit: die Puchbaustelle war im Weg, wurde zuerst ausgelagert und später um 200,- verkauft. Schilling, nicht Euro, versteht sich.
Lange trauerte Christian dem Motorrad-Urahn nach, bis sein Vater, damals als Mechaniker unter anderem für den als Gunther Philipp bekannten ohrenwackelnden Schauspieler tätig (der im wirklichen Leben Günther Placheta hieß und Arzt, erfolgreicher Schwimmer und ein äußerst begabter Rennfahrer war), aus Wien die Kunde von einem englischen Motorrad mit einem 350er JAP Motor mitbrachte. Die wurde angeschafft, obwohl niemand wusste, um welche Marke es sich handelte.  Weil viel, viel Arbeit - und Zeit, die Christian als angehender Gastronom nicht hatte – in die Wiederherstellung des maroden Engländers zu investieren waren, kamen zuerst gesündere Landsleute der schmucken Maschine ins Haus: Ariel, Raleigh, AJS … als die alle fahrbereit und auch angemeldet waren, richtete Christian doch einmal über den Erstkauf und begann vorsichtig, die obere Lackschicht freizulegen, bis ein Name zum Vorschein kam: Delta Gnom. Das war jetzt nun gar nichts englisches, sondern eine Ur-Österreicherin, wenn auch aus englischen Konfektionsteilen aufgebaut. Was in Christian eine neuen Leidenschaft in Glut setzte, die von einem Clubkollegen so richtig entfacht wurde: der hatte sich aus einem Altbestand ein ganzes Konvolut seltener England-Österreicher angeschafft, die er nicht alle behalten konnte – Christian durfte sich eine aussuchen. Seine Wahl fiel auf die hier abgebildete D.S.H., obwohl wesentlich komplettere  und schneller wieder fahrbereit zu bringende Exemplare zu haben gewesen wären.


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Aber die D.S.H. schaut einfach zu british aus, als dass sie nicht das Herz eines patriotisch gesinnten Anglofanatikers rühren könnte. Wenn man eine Single-AJS und eine Sunbeam Longstroke zu lange nahe aneinander unbeobachtet  stehen lässt, würde deren Nachwuchs wohl genau so aussehen wie diese schwarze Schönheit der  Trautmannsdorfer Fahrzeuggesellschaft der Herren Döller, Seidel und Hauler. Sie in ihren ursprünglichen

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Auslieferungszustand zu versetzen versprach allerdings eine Lebensaufgabe zu werden wenn man bedenkt, dass es 17 Jahre bis zur Wiedergeburt der Delta Gnom dauerte! Aber Christian  bekam Hilfe unter anderem von Gernot Schuh, der den zerschnittenen Rahmen wieder komplettierte und auch erkannte, dass das JAP Triebwerk nicht das Touren-, sondern das Sportmodell mit den größeren Ventilen ist. Die fehlenden Blechteile fertige Christian selbst an, andere Komponenten wurden durch ähnliche ersetzt, die im Lauf der Zeit den Originalen weichen müssen, sobald die sich auftreiben lassen.


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Somit lagen nur wenige Jahre zwischen den ersten Hustern der Delta Gnom und dem infernalischen Bellen des Pseudoengländers. Seine ersten Meter im neuen Leben  hat die D.S.H. erst kürzlich zurückgelegt, was der Umgebung unüberhörbar zur Kenntnis gebracht wurde. Wer sie hören und sehen will, besucht Christian in seinem landschaftlich idyllisch gelegenen Gasthaus Jagersimmerl in der Nähe des Almsees, womit wir wieder bei der Werbung wären: mehr über D.S.H. und Delta Gnom: „Regenten, Giganten, Titanen & Co – österreichische Motorradraritäten der Vorkriegszeit“, Verlag Brüder Hollinek, www.hollinek.at

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