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Donnerstag, 26. November 2020
Simply the Best Drucken E-Mail
Geschrieben von Wolfgang M. Buchta   

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Ist das Goodwood Festival of Speed die beste Classic Veranstaltung der Welt?  Darüber lässt sich gar trefflich streiten, aber zu den Besten gehört es zweifellos. Franz Pulkert und Ulli Buchta (Photos) sowie Wolfgang Buchta (Text) haben nicht lange diskutiert sondern sind ganz einfach hingefahren ...

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Die Erde um Goodwood, in der Nähe der süd-englischen Kleinstadt Chichester, ist - zum Glück nur im symbolischen Sinn - benzin-getränkt.

Schon der Großvater des heutigen Hausherren, Frederick Gordon-Lennox, 9th Duke of Richmond, baute nicht nur sportliche Sonderkarosserien auf Chassis von Wolseley und Riley sondern veranstaltete in seinem „Vorgarten“ bereits 1936 das erste, private Bergrennen. Das Wort „Berg“ passt jetzt schlecht in die liebliche Hügellandschaft, und tatsächlich ist die „Bergstrecke“ kaum 2 km lang - also keine Rede von Großglockner, Klausen oder La Turbie, und nicht umsonst nennen die Engländer ein „Berg-rennen“ „Hill Climb“, also mehr Hügel als Berg ...

Ende der 30er Jahre, als der drohende Zweite Weltkrieg bereits seine Schatten auf Europa warf, errichtete das britische Luftfahrtsministerium ein Flugfeld in Goodwood, dessen „perimeter road“, also die Ringstraße, die das ganze Flugfeld umrundete, an schönen, dienstfreien Sommertagen von den Offizieren für Rennen genutzt wurde.

Nach Kriegsende wurde, sich am Beispiel von Silverstone oder Davidstow orientierend, aus der „perimeter road“ eine richtige Rennstrecke, auf der Größen wie Stirling Moss aktiv waren. 1948 fand das erste Rennen statt, aber 1966 entsprach die Strecke nicht mehr den Sicherheitanforderungen, und am 2. Juli 1966 fand das letzte Rennen statt ...

Aber genug der Geschichtsstunde - springen wir in den Sommer 1993 - auch schon Geschichte - als Charles Henry Gordon-Lennox, Earl of March and Kinrara, der heutige „Hausherr“ in Goodwood, die historische Motorsportwelt in seinen Garten einlud ... Von diesem schon nicht so wirklich „bescheidenen Anfängen“ hat sich das „Festival of Speed“ zu einem riesigen Unternehmen mit hunderten Teilnehmerfahrzeugen, 180.000 Besuchern, aktiven und ehemaligen Rennfahrern und anderen Prominenten - Prominente, nicht „Promis“ wie bei so vielen anderen Veranstaltungen, nicht umsonst ist Goodwood ein Eldorado für Autogrammjäger - Hill Climb, Concours d‘Elegance, Rally Stage, Flugshow, ... entwickelt.

Viel zu groß und vielfältig für einen Gesamtüberblick, also sehen wir uns - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - einige Highlights an.

Der Hillclimb...


...ist wohl das Herzstück der Veranstaltung. Ein paar hundert Rennfahrzeuge von 1900 bis heute "rasen" die 1,86 km lange "Bergstrecke" hinauf, wahlweise auf Zeit - der Rekord liegt bei knapp über 41 Sekunden, d.h. ein Schnitt von 160 km/h - oder als "Demonstration Run", und am Steuer sitzen - neben den glücklichen Besitzern - Persönlichkeiten wie Valentino Rossi, Stirling Moss, Nick Mason, Brendon Hartley, Richard Petty, Andre Lotterer, Jackie Stewart, Derek Bell, John Surtees, Emanuele Pirro,...

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Der Cartier ‘Style et Luxe’ Concours d’Elegance...

...fand heuer bereits zum 20. Mal statt und präsentierte wie jedes Jahre eine exquisite Auswahl an Fahrzeugen insgesamt sieben Klassen wie beispielsweise "Goddess of the Highway" (Citroen DS) oder "Sweeping Statements" (Karosserien von Figono et Falaschi)

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 Durch Wald und Flur

...und da Rallyefahrzeuge auf Asphalt nicht artgerecht gehalten werden, gibt es es - auch schon seit etlichen Jahren - im Wald, der natürlich auch zum Anwesen des Earl of March gehört, eine "Rallye Stage", also einen Schotetrrundkurs, auf der Rallyfahrzeuge - vom Saab 96 und Mini Cooper bis zu den aktuiellen Modellen ihre Kreise ziehen - komplett mit Drifts und viel, viel Staub (außer es Regnet, dann wird der Staub zu Schlamm). 

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Die Auktion...

...ist auch ein langjähriger Fixpunkt der Veranstaltung, und wie in den Jahren zuvor bot Bonhams eine Fülle von Fahrzeugen (und Automobilia) an, die  teilweise zu Rekordpreisen - ein Aston Martin Ulster von 1935 um 2,9 Mio Pfund - weg gingen.

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Die großen Hersteller...


...können an dem Erfolg und der Breitenwirkung des "FoS" auch nicht vorbeigehen, und praktische alle großen Hersteller haben große und aufwendige Stände, oder eher Paläste, in denen sie ihre aktueleln Fahrzeuge, ein wenig Historie und - das ist wohl ganz wichtige für den ungeheuren Erfolg - Spaß und Unterhaltung für die ganze Familie bieten.

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...und die obskuren Raritäten


Aber Ihr dürft Euch das FoS nicht als riesige Neuwagenmesse vorstellen. Im Mittelpunkt stehen die historischen Fahzeuge, bei denen jedes Jahr ein paar völlig unkannte Raritäten debei sind...

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Oder wie wäre es damit: Wir schreiben das Jahr 1905, unter ein V-8 Motor von 200 PS Leistung werden vier Räder geschraubt, und der Darracq 200 HP ist mit 170 km/h das schnellste Auto der Welt.

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Lady Drivers

Wer glaubt, dass Goodwood eine "typische Männersache" ist, der ist wohl noch nie durch's FahrerInnen-Lager geschlendert...

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...und Artisten


Ihr glaubt, dass Ihr gute Fahrer seit? Dann seht Euch bitte einmal die Leistungen
von Terry Grant oder Mattie Griffin an.

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Abgehoben: Goodwood in den Lüften

Zu einem Festival of Speed gehören natürlich auch ein paar Flugzeuge. In der Vergangenheit konnte man hier schon eine Boeing 747 in 300 Meter Höhe oder den Prototyp des Airbus A380 bewundern.

Heuer haben die Red Arrows mit ihren BAE Hawk T1A...

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...und zwei Eurofighter...

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....und eine Beechcraft 18 "vorbeigeschaut".

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In einem eigenen Bereich - mit kleiner Behelfslandebahn - waren moderne Flugzeuge, wie diese "Recreation" einer WACO YMP 5D zu bewundern (und wohl auch käuflich zu erwerben).


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Information

Wie schon einleitend gesagt, das „Festival of Speed“ ist zu groß und vielfältig um in einem Artikel vollständig behandelt zu werden. Auch die Bücher, die dieses bisher versucht haben, sind mehr oder weniger an der Aufgabe gescheitert. Da gibt‘s also nur eines: Selber Hinfahren!

Was gibt‘s dabei zu beachten?

1) Wegen der Menge der Besucher - rund 180.000 an einem Wochenende - können Karten nicht vor Ort sondern ausschließlich online unter www.goodwood.com erworben werden.


Mehrere Veranstalter und Clubs organisieren Gruppenreisen zum „Festival of Speed“ und auch zum Revival.

2) Goodwood liegt „am Land“, und Hotels und „Bed & Breakfest“ sind an den Veranstaltungs-wochenenden rar - also rechnet mit einer längeren Anreise.

3) Drei Tage sind nicht genug! Nehmt euch nicht vor, in Goodwood „alles“ sehen zu wollen - dafür wird zu Vielfältiges geboten.

Das „Goodwood Revival“, die zweite große und sehenswerte Veranstaltung in Goodwood findet heuer von 11. bis 13. September statt, die Termine für 2016 stehen - wegen der vielen ehemaligen und aktiven Rennfahrer muss zuerst der Formel-1-Kalender feststehen - noch nicht fest.

Unter www.austroclassic.com und unter www.goodwood.com werdet ihr die Termine erfahren, sobald diese bekannt sind.

 
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