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Dienstag, 21. November 2017
Die Schlümpfe Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Winterle   

Heft bestellen - Die Schlümpfe

Ein Märchen - erzählt von Martin Winterle

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Vor vielen Jahren lebten in einem gar nicht unbekannten Land zwei Schlümpfe.

Sie hießen Hans und Fritz, oder umgekehrt, oder wenigstens so ähnlich.

Sie waren sehr reich, denn mehr als 2.500 Heinzelmännchen spannen, webten und wirkten unermüdlich, Tag und Nacht, in mehreren großen Fabriken, für die beiden.

Die so produzierten Wollwaren tauschten die Brüder gegen Münzen ein, von denen sie viele Kisten voll besaßen.


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Die große Leidenschaft der Schlümpfe waren Juwelen. Nicht irgendwelche, sondern ganz besondere. Ganz in der Nähe ihres Schlosses hatte nämlich vor Zeiten ein großer Zauberer gelebt. Dieser hatte im Laufe vieler Jahre in seiner Hexenwerkstatt diese einmaligen Geschmeide gefertigt. Darunter befanden sich die schnellsten Rennwagen ihrer Zeit ebenso wie die luxuriösesten Fahrzeuge unter der Sonne. Jedes für sich aber war ein einmaliges, strahlendes Juwel. Für viele goldene Münzen und noch mehr gute Worte, verkaufte der Zauberer seine Kunstwerke an Reiche und Schöne auf der ganzen Welt, um sie damit auch noch zu den Schnellsten ihrer Zeit zu machen.

Fritz und Hans waren von dem Zauber dieser Juwelen so geblendet, dass sie an nichts anderes mehr denken konnten und sich auf die Suche machten, alles zu finden, was der Zauberer einst geschaffen hatte. Wurden sie eines dieser Hufeisenkühler ansichtig, so boten sie Beutel voll puren Goldes dafür. Sie sandten auch Heinzelmännchen in die weite Welt hinaus, mit dem Auftrag, alles zu suchen und zu kaufen, was mit der Zauberformel versehen war. Diese Zauberformel bestand aus einem spiegelverkehrt geschriebenen E, dessen Rücken sich an ein B anlehnte. Jedes Teil, dass dieses Zeichen trug, und war es nur eine einfache Schraube, wurde mit Gold aufgewogen.


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Nun begab es sich, dass jenseits des großen Wassers eine bedeutende Juwelensammlung zum Verkauf stand. Wie viele Goldmünzen diese etwa 30 Pretiosen gekostet hatten, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Einige Jahre nach dem Tod des berühmten Zauberers wurde dessen Alchimistenküche verkauft. Die Schlümpfe eilten an den, ihnen heiligen Ort. Sie retteten 23 Einmaligkeiten und brachten diese an einen sicheren Ort. Aus allen vier Windrichtungen trugen sie auf diese Weise 151 dieser unvergleichbaren Kostbarkeiten zusammen.

Bei ihrer rastlosen Suche stießen sie aber auch auf andere Edelsteine aus der automobilen Geschichte. Auch diese Raritäten ersten Ranges aus längst vergangenen Tagen wurden nicht verschmäht. Nur amerikanische Automobile liebten sie nicht. Gemeinsam mit den mehr als 150 E.B.-Juwelen sollen es über 600 edelste Exemplare gewesen sein, welche die Schlümpfe ihr Eigen nannten. Für die Restaurationen und Instandhaltung dieser Schätze wurden teilweise sehr alte Heinzelmännchen angeworben, die früher für den berühmten Zauberer gearbeitet hatten und dessen Künste und Geheimnisse kannten.


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Über diesen rauschartigen Zustand hinweg, hatten die Brüder ganz und gar auf jene vergessen, denen sie die ungezählten Münzen verdankten, den Heinzelmännchen. Da sie alle ihre Tauschmittel verbraucht hatten, blieb nichts mehr übrig, um Brot für jene zu kaufen. Als die Heinzelmännchen sahen, dass ihre Arbeitsplätze ruiniert waren und sie arm und mittellos auf der Straße standen, wurden sie sehr, sehr böse. Sie verjagten die beiden Schlümpfe von ihrem Schloss. Diese mussten in das Land von Rappen und Franken fliehen. Den Inhalt ihres Lebens aber, jene unendlich kostbaren Juwelen konnten sie nicht mitnehmen. Aus Gram darüber sollen sie bald darauf gestorben sein.

In großen Hallen, auf weißen Kieselsteinen und nur vom milden Licht, hunderter Pariser Straßenlaternen beschienen, dämmerten nun die Schlumpfschen Juwelen, einer mehr als ungewissen Zukunft entgegen.


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Heute, viele Jahre später, haben die neuen Herren aus dieser Sammlung das wahrscheinlich größte, mit Sicherheit aber das schönste Automobilmuseum der Welt gemacht. Aber was ist aus den beiden Schlümpfen geworden? Natürlich Geisterschlümpfe!

In mondhellen Nächten klettern sie von Chassis zu Chassis und erinnern sich daran, wie es war, als diese noch über Rennpisten donnerten oder auf staubigen Landstraßen ihre Souveränität unter Beweis stellten. Bei Tageslicht ist es nur in seltenen Fällen, und nur ganz Auserwählten möglich, die Schlümpfe zu Gesicht zu bekommen, da sie sehr menschenscheu, und als Geister auch sehr klein geworden sind.

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Musèe National de´l Automobile – en petit

Die Eindrücke, welche ein Besuch von der Länge eines Tages in diesen heiligen Hallen hervorruft, sind so überwältigend, dass alleine das geistige Sortieren und Verarbeiten von Ambiente, Karosserieformen und technischen Details, Tage dauert. Jedes Detail will, berechtigt durch seine Einmaligkeit, eine besondere Position im Gedächtnis des Betrachters, erhaschen. Wird aber bereits Sekunden später von einer anderen Erinnerung verdrängt. Formen und Farben verrinnen zu Gebilden höchsten künstlerischen Automobildesigns von mehr als vier Jahrzehnten. Guss, Messing, Holz, Leder, Glas, Gummi drängen sich auf, ihre Güte und Beständigkeit über 100 und mehr Jahre zu demonstrieren. Sie zwingen den Blick des Betrachters, weg von den verschwenderisch fließenden Linien, geschaffen von großen und größten Meistern der Karosseriekunst, hin zum Wesentlichen, dem Motor, dem Antrieb, dem Fahrgestell. Wer es schafft, in so einem Moment die Augen zu schließen, dem gehören die unvergleichlichen Takte von einem bis sechzehn Zylinder. Mozart, Bach und die Beatles mögen mir verzeihen, aber die Orgeltöne dieser euphorischen, historischen, technischen Frühzeit sind unvergleichlich. Die Faszination der Masse von 400 erlesensten Juwelen der automobilen Geschichte versucht den Betrachter immer weiter zum nächsten Modell zu ziehen. Gleichzeitig versucht jedes einzelne Exemplar den Staunenden bei sich zu behalten, um ihm seine ganz persönliche Geschichte zu erzählen. Eine Sanduhr mit sieben Stunden, bleibt immer eine Sanduhr, für eben diese Spanne Zeit!


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Beruhigt durch das sichere Wissen, kein einziges solches Fahrzeug je besitzen zu können, alle aber gesehen zu haben, drängt sich mir folgende Frage auf:

Wie wäre es, wenn ich ein kleiner Schlumpf wäre?

Sagen wir einmal, einer der nur ein 43stel von der Originalgröße groß wäre? Könnte ich dann nicht wenigstens einen kleinen Teil, vielleicht ein Viertel, der ausgestellten Fahrzeuge, auch in so eine Halle stellen?


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Wenn es gelingt, wäre es ein Querschnitt durch die Zeit von 1890 bis 1940. Also durch die ersten, entscheidenden 50 Jahre des Automobilbaues. Auch wenn man den Glorienschein der Nostalgie wegzulassen versucht, bleibt eine unendliche Faszination bestehen. Getragen von den Säulen: Ideenreichtum – Handwerkskunst – Formgebung – Bewegung. An Hand von Modellen werde ich nun einen kleinen Auszug aus der unendlichen Modellvielfalt von Mühlhausen nachstellen.

Welch‘ große Chance, wenn man klein ist!

Au revoir – Schlümpfe!

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