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Montag, 20. November 2017
Wenn bei Geelong die rote Sonne im Meer versinkt ... Drucken E-Mail
Geschrieben von Wolfgang M. Buchta   

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Der Modellname „Capri“ - Assoziationen mit der mediterranen Insel sind wohl nicht ganz unbeabsichtigt - hat im Hause Ford eine gewisse Tradition. Wolfgang M. Buchta hat sich einen weitgehend unbekannten Capri von der australischen Tochter der „FoMoCo“ näher angesehen. Ulli Buchta hat die raren Stücke photographiert ...

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1952 verwendete die Ford-Tochter Lincoln den Namen erstmals für ein Serienmodell, von 1962 bis 1964 gab es von der britischen Ford-Niederlassung den „Ford Consul Capri“, ein Coupé des barocken Ford Consul Classic, und von 1968 bis 1986 durfte das populäre, europäische Sportcoupé in drei Generationen den Namen tragen. Der vierte, weitgehend unbekannten Capri stammt von der australischen Tochter der „FoMoCo“.

Ford Australia wurde 1925 als Tochter der „Ford Motor Company of Canada Ltd.“ in der Hafenstadt Geelong, im Bundestaat Victoria gegründet.


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Anfangs wurde in Geelong der Ford T aus von Kanada gelieferten CKD-Bausätzen assembliert. 1928 wurde - parallel mit anderen Werken - auf den Ford A und 1932 auf den Ford V8 umgestellt.

Ford Australia gilt als Erfinder des „Ute“ (für „utility vehicle“), einer in Australien (und Neuseeland) bis heute beliebten Form des Pick-Up, der nicht auf einem Nutzfahrzeug-Rahmen sitzt, sondern von einem PKW abgeleitet ist.

Nach 1945 versorgte Ford Australien mit einer Reihe von - meist von amerikanischen Fords abgeleiteten - Modellen. Eine gewisse Berühmtheit erlangte der (australische) Ford Falcon, der nicht nur bei Tourenwagenrennen erfolgreich war, sondern auch die Basis für den „Pursuit Special“ des Titelhelden im Film „Mad Max“ bildete.


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Aber nicht nur „amerikanisches“ fand sich im Programm von Ford Australia - die Firma übersiedelte übrigens 1959 von Geelong in das knapp 100 km entfernte, nördlich von Melbourne gelegene Campbellfield - sondern bei den kleineren Modellen holte man sich Anleihen in England - Anglia, Escort, Cortina, ... - und später bei Konzernschwester Mazda in Japan. Aus dem Mazda 626 wurde der Ford Telstar, und - allmählich kommen wir zu unserem Titelhelden - auf Basis des Mazda 323 entstand der Capri.

Originellerweise wurde das in Australien mit japanischer Technik gebaute Ford Capri Cabrio in den USA und in Europa, wohin auch einige Exemplare gelangten, nicht als Ford, sondern als Mercury Capri angeboten, womit eine weitere Marke des weltweiten Ford-Konzerns ins Spiel gebracht wurde...


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Der Ford (Mercury) Capri, firmenintern als Typ SA30 benannt, war ein kleines Cabriolet, dessen Mechanik - Motor, Frontantrieb, Achsen, etc. von der sechsten Generation des Mazda Familia (alias Mazda 323) entstammten, und den Capri so zum „Halbbruder“ des (australischen) Ford Laser machte.

Die kantige, zweitürige und 2+2-sitzige Karosserie stammte von Ghia und das Interieur war ebenfalls in Italien, bei ItalDesign entworfen worden.


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Mit Servolenkung, elektrischen Fensterhebern und Aussenspiegeln, serienmäßigem Radio, Airbag, Alufelgen, ... - Hardtop, Tempomat und Klimaanlage waren optional - war der Capri für seine Zeit gut ausgestattet, aber auch nicht ganz billig. 1991 kam der „normale“ Capri in Deutschland auf DM 38.500,- - ein Golf Cabrio - immerhin ein vollwertiger Viersitzer - lag in diesem Jahr je nach Ausstattung zwischen 34.800 und 40.235 DM.

1989 kam der Capri in Australien auf den Markt, und ab 1991 wurde der Wagen - dort wie gesagt als Mercury Capri - auf den geplanten Hauptmarkt USA exportiert.


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Der durchschlagende Erfolg wollte sich dort allerdings nicht einstellen, denn einerseits erwarb sich der Capri rasch einen wenig beneidenswerten Ruf als unzuverlässiges Fahrzeug - teilweise zu Unrecht, denn technisch und motorisch war der Capri tadellos, aber das Verdeck erwies sich als nicht besonders wasserdicht. Ford behob die Probleme rasch, aber das Image hatte bereits gelitten.

Viel schlimmer aber war die zeitgleiche Präsentation des - teueren - MX-5 alias Miata, der als Hecktriebler die Sportwagenenthusiasten besser überzeugen konnte, als der frontgetriebene Capri.

Anfangs wurde der Capri mit zwei Vierzylinder-Motoren von jeweils 1,6 Liter Hubraum angeboten. Der „B6-2E“ Basismotor leistete 83 PS und übertrug seine Kraft über eine Dreigangautomatik oder ein manuelles Fünfganggetriebe auf die Vorderräder. Als „B6T“ mit Turbolader leistete der Motor 136 PS. Der Capri Turbo - mit „sportlicherem“ Fahrwerk und einem XR2-Zusatzsschild geschmückt - war ausschließlich als Handschalter erhältlich. Die Spitzengeschwindigkeit des Turbo-Capri wurde mit beachtlichen 205 km/h angegeben. Die „magische Marke“ von 100 km/h wurde vom Turbo nach 8,9 Sekunden erreicht.


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Für 1990 wurde aus dem „B6-2E“ der „B6D“ mit nunmehr zwei obenliegenden Nockenwellen und einer auf 102 PS gesteigerten Leistung. Ein Jahr später gab es für den Capri nur mehr mit diesem Motor.

Für 1992 wurde der Capri gründlich überarbeitet, und das jetzt „SC“ genannte Modell bekam optional auch wieder einen Turbomotor. Die mit dem „normalen“ Motor ausgestatteten Modelle liefen jetzt - nur rechtsgesteuert und nur am australischen Markt - unter dem Namen „Barchetta“ und die Turbo-Modelle unter „Clubsprint“. Die Produktion des Typ SC erreichte gut 18.000 Exemplare. Für 1993 wurde der Capri neuerlich überarbeitet - Stoßstangen, Frontpartie, ... - und bekam den Werkscode „SE“, ehe 1994 die Produktion - nach weiteren 5.241 Stück - eingestellt wurde.

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Von den in Summe 66.279 gebauten Exemplaren blieben gut 10.000 (rechtgesteuerte) in Australien, Neuseeland und Südostasien, der Löwenanteil - mehr als 55.000 Stück - ging in die USA, und einige Exemplare fanden ihren Weg nach Europa, eine handvoll davon sogar nach Deutschland und Österreich, wo sie heute umhegte Raritäten sind.

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