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Montag, 11. Dezember 2017
Die Schwingen des dunklen Ritters Drucken E-Mail
Geschrieben von Christian Spatt   

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Selbst die dunkelste Seele beginnt im strahlenden Licht des Frühlings zu glänzen.

Und dunkel, das ist es, was die MGX-21 sein will. Dunkel im Namen, dunkel in der Aufmachung, dunkel in der Anmutung. Die matten Flächen saugen das umgebende Licht richtiggehend auf, das üppig verwendete Karbon tut das seine.

Kann man die Flying Fortress noch California nennen?

Moto Guzzi tut das nicht. Die Gene sind zwar da, aber sie werden sichtbar und spürbar überlagert. Dunkel ist sie, schwarz, und schwer. Als Fahrer muss man sich an die Schwere gewöhnen. Der Schritt vom Passagier zum Chauffeur muss bewußt, unter Einsatz von Kraft erfolgen. Man gewöhnt sich aber überraschend schnell an die Eigenschaften, den spürbaren Lenker, und so man sich daran gewöhnt hat, hat man unter sich ein Schiff, dass unbeirrt seine Kreise zieht, die nicht einmal unbedingt groß sein müssen.


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Der Name ist gut gewählt, stand seinerzeit doch Boeing mit der B-17 Pate. Man muss die kriegerische Seite eines solchen Namens ausblenden, aber tut man das, passt die namentliche Analogie des Riesenvogels, der weit über uns, unerreichbar, seine Kreise unbeirrt in den Himmel zeichnet.

Für Rund 30.000 Euro bekommt man viel. Abgesehen von Gewicht bekommt man reichlich Fahrfreude, man bekommt Stabilität auf der Straße, ziemlich viel Style, Eine HiFi-Anlage, 1400 Kubik Hubraum, viel - nein, sehr viel Karbon, Schwärze, rote Applikationen, Tempomat, die üblichen Fahrmodi, wie man sie von den anderen Calis bereits kennt und letztlich eine Menge Aufmerksamkeit.

Abgesehen vom deutlich spürbaren Gewicht des Lenkers sitzt man aber dann doch auf einer California. Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht, da man auf einer California gut sitzt. Von der Sitzposition ist man wohl der gemütlichen Touring näher als der sportlichen  Audace, aber auch das macht das Konzept California interessant, daß man hier eigentlich verschiedene Zugänge in einem Modell vereinen konnte.


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Die Position ist gemütlich, man versteckt sich gut hinter dem mächtigen Windschild, der Sitz ist sehr angenehm. Kleine Kritik gabs vom Beifahrer, da sich der Sozius gefühlt nach hinten neigt, was in einem zarten Gefühl der Unsicherheit endete. Vielleicht ist hier eine Kleine Lehne eine Option, die das Ensemble nicht all zu nachhaltig stören sollte.

Sobald das Baby in Bewegung ist, kommt die überraschende Vielseitigkeit zu tragen. Dass man auf der Autobahn oder langgezogen mäandernden Landstraßen flott unterwegs sein würde, ist keine große Überraschung. Dass man allerdings auch im engen Geläuf durchaus zügig unterwegs sein könnte, kommt unerwartet. In einer Gruppe mit kleinen Flitzern ist es keineswegs so, daß man diese nur von hinten zu Gesicht bekommt. Der Lenker zieht recht stark in die Kurven, unterstützt vom Gewicht, was in Kombination mit der Stabilität des gesamten Motorrads ein ansprechendes Gefühl gibt, und auch die ordentliche Motorisierung trägt das ihre bei, niedertourig aus Kurven ordentlich rausbeschleunigen zu können. Natürlich, wenn Kollege Kleinschnellwendig das Rennen sucht, wird man schon im Hintertreffen sein, aber da muss der Kollege das definitiv wollen.

Auf der Autobahn ist man im Normalfall auch gut unterwegs, die Motorisierung reicht für Fahrer, Beifahrer und vermutlich so ziemlich alles, was man in die Koffer reinbekommt, an Grenzen stößt man im Bereich diesseits der der STVO in keinem Bereich. Bei voller Beladung  irgendwo bei 170 bergauf auf der Autobahn, da wird das Beschleunigen dann ein bisserl zäher, schließlich bringt man da sehr wohl ein paar Kilo mehr auf die Waage, verglichen mit anderen Calis.


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Aber das Problem ist aus zeierlei Gründen ein theoretisches.

Erstens gibt es die oben beschriebene Barriere namens STVO, und zweitens eine natürliche Windbarriere. Hier kommen wir zum einzigen kleinen Kritikpunkt. Der mächtige Lenker beginnt ab circa 140 km/h den Fahrtwind so auf den Helm zu lenken, daß Verwirbelungen entstehen. Schneller macht also keinen Spaß.

Eine abschließende Bemerkung noch zum Entertainment System. Es funktioniert gut. Bei Ortsgeschwindigkeit. Bei höherem Tempo sind Boxen eher sinnlos. Und die uncoolen Vollvisierhelme sind so und so nicht ideal. Da brauchts dann wieder eher die coolen Scooterhelme. Muss jeder für sich selbst entscheiden, ob ein ordentlicher Helm mit eingebautem Soundsystem nicht die bessere Wahl ist.

 

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Die Welt der Zahlen:


Motor:  90° V-Twin 2-Zyl. 4-Takt
Kühlung:  Luft- und Öl-Kühlung mit unabhängiger Ölpumpe
Hubraum:  1.380 ccm
Max. Leistung:  96 PS (71 kW) bei 6.500 U/min
Max. Drehmoment:  120 Nm bei 2.750 U/min
Getriebe/Antrieb:  6 Gänge, Antriebswelle mit doppelten Kardangelenken
L / B / H:  2.445 mm / 1.030 mm / 1.460 mm
Radstand:  1.685 mm
Sitzhöhe:  740 mm
Eigengewicht fahrfertig:  337 kg
Tankvolumen:  20,5 l

 
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