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Samstag, 18. November 2017
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Geschrieben von Christian Spatt   

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Am Anfang steht man davor und ist ratlos. Am Ende steht man immer noch vor ihr und ist ratlos, aber begeistert.

Die Honda X-ADV wurde als ein völlig neues Konzept vorgestellt, einem Offroad-Roller.

Wie öfter in der letzten Zeit, wenn ein neues Fahrzeug-Segment ausgerufen wurde, ist es auch hier so, dass der Markt einfach andere Pläne hat, als die ausrufenden Ingenieure, was aber im konkreten Fall nicht bedeutet, dass wir hier ein schlechtes Motorrad vor uns hätten.

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Offroad sei dahingestellt, unterm Strich bleibt, dass es sich bei der X-ADV um einen absolut ausgereiften Untersatz im Roller-Gewand handelt, der die besten Eigenschaften eines guten (wenn auch nicht übermotorisierten) Straßenmotorrades im Überlandbetrieb und eines Stadtflitzers auf sich vereint.

Und das versprochene Offroad? Hier fehlt aus unserer Sicht schon was grundsätzliches, nämlich die Fähigkeit, aus dem Sattel zu gehen und den Sattel mit den Knien und Schenkeln einzuklemmen und zu kontrollieren.

Das letzte große Abenteuer für Wiener Offroad-Freunde lässt sich mit der X-ADV aber trotzdem bewältigen, die gesperrte Ausfahrt Simmering (…und zum Queren der Hundegassiwiese unter dem Böhmischen Prater braucht’s dann schon was mit angedeuteten Offroad-Fähigkeiten). Selbiges gilt auch für jeden erlaubten und verbotenen Weg, den der Wienerwald bietet.

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Kehren wir zurück zum Anfang: 09:00, Übernahme des Testrollers, Modus Stadtflitzer. Der Roller ist ein Roller ist ein Roller. Der Stadtverkehr stellt weder Straßenlage, noch Motor und Getriebe vor Herausforderungen, die andere Roller besser lösen würden, Sitzposition ist handelsüblich, man ist halt nur auf keinem ganz zarten Flitzer unterwegs. Mit knapp 90 cm ist man zwar doch spürbar breiter als beispielsweise der klassische Rollermitbewerb aus Italien (von ca 15 cm, also 7,5 je Seite reden wir da), aber zu einem ausgewachsenen Offroader sind es schon auch noch ein paar Zentimeter in die andere Richtung. (Africa Twin homöopathische 2 cm, bayrische Urmeter aber doch fast 10 cm.)

Am Ende kommt man aber ausreichend gut durch den Stadtverkehr. Es handelt sich eben um einen Kompromiss.

Motorisch brennt nichts an. Die X-ADV ist kein Supersportler, aber es ist ausreichend Drehmoment für die Kreuzung in der Stadt vorhanden. Das Getriebe, das bereits bekannte DSG tut sein Übriges, dass man immer flott vorne an der Ampel weg kommt.

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Ebenfalls State of the Art ist das Fach unter dem Sattel, das einem ausgewachsenem Helm Unterschlupf bietet. Gemessen an der Größe des Rollers ist das Fach in Ordnung, aber nicht üppig bemessen. Das Baguette beim täglichen Einkauf muss in die Hand genommen werden. Wie bei vielen anderen allerdings auch.

Verlässt man die Grenzen des verbauten Gebietes, zeigt sich das Profil Doktor Jekylls statt von der linken von der rechten Seite, jenes des Herrn Hyde bleibt jedoch verborgen. Rund 160 gibt sie angeblich her (wir wissen das ja nur vom Hörensagen), dabei keinerlei Probleme mit Wind oder Straßenlage. Auf der Autobahn problemlos, um Geläuf der gewundenen Landstraßen problemlos, nie wackelig, sehr erwachsen. Auch hier zeigt sich, die Abstimmung ist gut, das DSG hat im Vergleich zur Africa Twin noch einen spürbaren Sprung nach vorn gemacht. Die Schaltwippen sind da, werden aber noch weniger benötigt. Vermutlich dem Einsatz in der Stadt geschuldet ergibt sich der angenehme Effekt, dass auch Serpentinen ohne manuelle Eingriffe absolut in einem Zug gefahren werden können, es gibt keinerlei automatischen Schaltmanöver zur falschen Zeit mehr.

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Auch im Überlandeinsatz ist die Motorisierung ausreichend. Die Beschleunigung ist, wie man es von den Hondas jetzt bereits kennt, im angenehmen, nicht unverantwortlichen Bereich, innerhalb der StVO hat man nie da Gefühl, in ein Kraftloch zu fallen, auch was die Automatik angeht muss man jetzt nicht mit aller Gewalt in den Sport Modus schalten. Insgesamt rennt das Werkel ruhig, die Unaufgeregtheit des Touring Modus passt gut zur gesamten Anmutung des Gefährts.

 Ein besonderes Gimmick ist das Keyless Go System, das für Motorräder durchaus eine Neuigkeit darstellt. mit dem Schlüssel in der Tasche kann über einen Schalter in der Mittelkonsole in den Betriebsmodus gehen und dann auch schon losfahren. Für den übervorsichtigen Fahrer gibt es eine Art Zentralverriegelung, da es ja doch eine eigenartige Vorstellung ist, ein Motorrad „unversperrt“ zurückzulassen. Über den Sinn solcher Helferchens lässt sich trefflich streiten, aber grundsätzlich ist es schon angenehm, dass kein Schlüssel herumbaumelt, der am Gefährt vergessen werden könnte.

Hubraum (in cm3) 745
Max. Leistung (in kW (PS) bei min-1 (95/1/EC)) 40,3 (55) 6.250
Max. Drehmoment (in Nm bei min-1 (95/1/EC)) 68 / 4.750
Höchstgeschwindigkeit (in km/h) 171
Verbrauch in km/l (l/100km) nach WMTC 27 km/l (3,7l/100km)
Getriebe 6 Gang Doppelkupplung
Endantrieb Kette
Kupplung Doppelkupplung / 2 Scheiben im Ölbad

Länge x Breite x Höhe (in mm) 2.245 x 910 x 1.375
Radstand (in mm) 1.590
Sitzhöhe (in mm) 820
Bodenfreiheit (in mm) 162
Tankinhalt (in Liter) 13,1
Gewicht vollgetankt (in kg) 238
Zul. Gesamtgewicht (in kg) 415
Max. Zuladung (in kg) 177

Felge vorne 17 Zoll
Felge hinten 15 Zoll
Bereifung vorne 120/70-17
Bereifung hinten 160/60-15
Radaufhängung vorne 41 mm Upside-Down Teleskopgabel
Radaufhängung hinten Schwinge, ProLink Aufhängung

 
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