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Dienstag, 17. Juli 2018
Auf Irrwegen Drucken E-Mail
Geschrieben von Jürgen Splet   

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Einige Irrwege zum Internationalen NSU-Fahrzeugtreffen zu Waging am See/Bayern.

Nach 2014 war es wieder mal so weit: Auch 2017 sollten sich alle Freunde der Marke NSU dort zu einem Festerl versammeln. Ich möchte die p.t. Leserschaft jetzt nicht mit einem Bericht der Art: „Wir kamen an, machten dies, machten jenes, etc. …“ langweilen, sondern werde mich auf die Schilderung der Anreise beschränken – welche durchaus kafkaeske Züge annahm.


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Unser bislang schon öfter langstreckenerprobter NSU 1200C wurde auserkoren, dort auftreten zu dürfen, nachdem im Frühjahr unser originaler Prinz IV im Zuge der technischen Überprüfung vom „gut erhaltenen Originalzustand“ innerhalb einer Stunde zum „restaurierungsbedürftigen Altfahrzeug“ mutierte. Auch der 1200er wurde noch am Vorabend gründlich durchgeschaut – man will ja nicht unbedingt die Pannenstatistik bereichern – und auch tatsächlich noch eine Kleinigkeit gefunden, die es zu verbessern galt … Dergestalt beruhigt und morgens ausgeruht, wurde erst mal ordentlich gefrühstückt und dann bei bestem Reisewetter der Weg von Gaweinstal nach Bayern unter die Räder genommen. Der Motor schnurrte, das Wetter hat gepasst – beinahe schon idyllisch. Gegen 10.30 Uhr wollten wir uns mit Freunden, die mit (unserem ehemaligen) Ro80 unterwegs waren, treffen – doch schon kurz vor St. Pölten begann die Ladekontrolllampe zu leuchten – na, DAS war ja absolut nötig! Also wurde dann am Parkplatz Kriegsrat abgehalten – was tua ma? Ein kurzes Telefonat mit einem NSU-Freund bei Tulln – und sowohl wir, als auch die Ro80-Freunde als Begleitung wendeten bei der Abfahrt Melk – und fuhren zurück Richtung Tulln. Sind ja nur „ein paar“ Kilometer … Dort wartete schon besagter NSU-Wissender mit Wagenheber und Werkzeug und tauschte nach kurzer Prüfarbeit kurzentschlossen sowohl Regler als auch Lichtmaschine gegen eine Einheit, die er vor Jahren funktionierend ausgebaut hatte. Dafür sei ihm Dank gezollt – schon der erste Startversuch danach ließ das zuvor ewige Licht erlöschen und wir waren beruhigt, wenn auch etwas spät dran.


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Der Versuch, an der BP-Tankstelle in Asperhofen die Tanks vor der Autobahn aufzufüllen, misslang – diese Tankstelle an der Bundesstraße hat am Wochenende nicht geöffnet! Da fragst dich dann schon … Aber es passte zum bisherigen Ablauf und so machte eben OMV das Geschäft.


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So fuhren wir also wieder auf der Autobahn – die Strecke kannten wir ja schon zum Teil – und freuten uns, dass die Sache doch zu einem guten Ende kam. Denkste … So bei Amstetten West sah ich die Leuchte erneut kurz aufleuchten – war aber gleich wieder aus. Hm … Wackelkontakt? Naja, die alten Teile müssen sich einarbeiten … es leuchtete wieder – länger – aus – noch länger – kurz aus … gar nicht mehr aus … – Sch…marrn!!! Was tun, sprach Zeus, die Götter sind besoffen?! Wir bogen bei Linz ab und fuhren zur ÖAMTC-Stelle – mal sehen, was die Messgeräte sagen. Ich darf den dortigen Aufenthalt zusammenfassen: Da spinnt der Regler, da kann man vor Ort nix machen. Mir hat’s gereicht – ich wollte heim und unsere Freunde nicht noch länger aufhalten. Mit der Batterie sollte sich das strommäßig ausgehen, so ein alter Wagen braucht ja nichts außer dem Strom für die Zündung – und daher verabschiedeten wir uns von den Freunden, wünschten ein schönes WE (das Hotel hatte die Zimmerstornierung mittlerweile auch akzeptiert) – und fuhren gen Heimat – die Stimmung passte zu den teilweise ziemlich dunklen Wolken am Himmel …


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Linz – Enns – St. Valentin – dann geht’s lang bergauf – und – das Licht ist aus! Ok, denk ich, hat’s die Birne durchgehaut – Zündung ausschalten – ja, es brennt – Zündung ein – brennt nicht mehr! Birnderl ist also ok! Ladung dementsprechend auch … sollten wir!?!? Bei Stadt Haag runter, umgedreht, wieder rauf Richtung Westen – Mut kannst nicht kaufen! Die Freunde tafelten einstweilen bei der Raststelle Ansfelden ein spätes Mittagsmahl – es war doch schon gegen 15 Uhr – und waren verblüfft zu hören, dass wir wieder im Anmarsch waren – und bitte: Stornierung rückgängig machen! (Er hatte die Tel.-Nr. des Hotels.)


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Wenn’s läuft, dann läuft’s, also nicht anhalten und gleich weiterfahren – ist ja auch gut für die Linie, so ein Reisefasttag. Voralpenkreuz, Vorchdorf – wir fuhren dahin, die Sonne schien und wir versöhnten uns langsam mit dem bisherigen Ablauf der Fahrt, als … ihr mögt es geahnt haben – die Ladekontrollleuchte anging. Bei Seewalchen ca., ab da war es dann schon ein konstantes Signal – aber da packte mich die Sturheit: Es ist hell, ich brauch’ weder Licht noch Scheibenwischer – die 100 km pack ma auch! (Es sollten noch mehr werden …). Wir waren alleine unterwegs, da unsere Freunde in Ruhe fertig gegessen hatten, hielten aber per Telefon Kontakt und vereinbarten einen Treffpunkt gleich nach der ersten Abfahrt Salzburgs bei der großen BP-Station, die sicher offen hatte (24 Stunden). Die weitere Route sollte bei Oberndorf über die Grenze nach Laufen und weiter zum Quartier führen. Man tankt und wartet auf den anderen NSU, derweilen ein leckeres Weckerl aus dem Angebot vor Ort schnabulierend. Das Telefon läutet – er hat die Abfahrt verpasst und ist bei Salzburg Mitte abgefahren. Fein – wir folgten unauffällig und kamen bei Freilassing wieder zusammen – immer noch mit stetig leuchtendem Kontrolllicht. Noch ca. 30 km bis zum Quartier – können auch 40 gewesen sein, ich fuhr einfach hinter ihm her, jedenfalls parkten wir vor einem schönen Hotel ein, worauf seine Begleiterin unseren Wagen ansah und fragte: „Sag, wieso ist denn da ein Loch?“ Oh du fröhliche! Der Tankverschluss lag noch bei der Tankstelle … und gerade der 1200er hat einen ziemlich speziellen Tankdeckel … Ein Telefonat: Ja, der Tankdeckel ruht immer noch auf der Zapfsäule … Also: retour! Laufen – Oberndorf – Bergheim – schöne Gegend, nur ich hatte nicht so recht ein Auge dafür – die Nerven waren an diesem Tag schon a bisserl strapaziert … – aber der Deckel war da und wir fuhren dann endgültig zum Veranstaltungsgelände, um uns anzumelden … und um dort zu erfahren, dass ca. 10 Minuten zuvor der Anmeldeschalter für diesen Tag geschlossen wurde ... RAHHHH!!!!!


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So hatten wir es geschafft, für eine Strecke von ca. 400 km letztendlich gut 640 km zurückzulegen.


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Der weitere Verlauf im Kurzstil: Der Wagen wurde am Parkplatz abgestellt, wir verbrachten die nächsten beiden Tage eher als Beifahrer im Ro80, tauschten zweimal den Regler gegen andere Ersatzteile (ohne merkliche Verbesserung, war vielleicht doch auch die Lima defekt), aber als nach all den Problemen die Batterie immer noch 12,5 Volt zeigte, schmiss ich alle Bedenken über Bord, fuhr auch bei der großen Ausfahrt mit und dann – nachdem die Batterie per Gerät vollgeladen war – ohne Probleme die gut 400 km nach Hause.


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Und was lernen wir daraus? Warnleuchten werden bei alten Fahrzeugen wohl generell überbewertet.


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Bei der Gelegenheit noch ein großes Danke an unsere Freunde, die beharrlich ausharrten und an meine liebe Gattin und Beifahrerin, die in diesen Tagen wohl die eine oder andere Laune meinerseits zu spüren bekam – ich war nicht immer rundum entspannt …

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