Home arrow Aktuelle Ausgabe arrow Habt Acht!  
Freitag, 19. Oktober 2018
Habt Acht! Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Winterle   

Heft bestellen - Habt Acht!

Image 

Die militärische Kraftfahrt unterscheidet sich grundlegend von der zivilen. Einzig ihre Ursprünge können gemeinsam sein.

Natürlich übernahm seit Kaisers Zeiten das Militär zivile Fahrzeuge in seinen Dienst, um sie für Stabsoffiziere als Dienstwägen oder in der Etappe als Transportmittel zu verwenden. Auch wurde diesen ein Tarnanstrich verpasst, taktische Zeichen aufgemalt. Aber von diesen soll in diesem Beitrag ja weniger die Rede sein. Es geht vielmehr um Fahrzeuge, die an der Front fuhren, die die unerträglichen Strapazen der Soldaten teilten. Optisch erkennbar durch Panzerung, Halbkettenausführung, Bewaffnung, spartanischer Ausstattung. Technisch waren Allradantrieb, verstärkte Bauweise, abgeänderte Motoren die wichtigsten Details. Oft in Zusammenarbeit mit der Heeresführung entstanden kampftaugliche Fahrzeuge. Die Motorisierung hatte ihren Ursprung in der normalen Autoproduktion. Wird der Bau von Rennautos immer auch damit argumentiert, die daraus gewonnenen Erkenntnisse dem normalen Autobau zukommen zu lassen, so kann dies von der militärischen Kraftfahrt aber auch behauptet werden. Viele Errungenschaften dieser furchtbaren Zeit wurden in Friedenszeiten nutzbringend zum Wohle der Gesellschaft weiter verwendet. Vom Pistengerät bis zum Unimog helfen Fahrzeuge, die ihren Ursprung in Kriegszeiten hatten.


Image

Vom Original zum Modell und da wieder hin zum Spielzeug, war es immer schon ein sehr kurzer Weg. Mit Zinnsoldaten und dem Train, den Kanonen und von Pferden gezogenen Wagen, spielten Knaben bereits vor dem Ersten Weltkrieg. Das dem die motorisierten Einheiten auf dem Fuß folgten, ist logisch.


Image

Bereits in den 1930er-Jahren stellten Spielzeugfabriken Panzer, Kanonen und Militärlastautos im Zinkdruckverfahren her. Kleine, meist einfache Spielzeuge für die Schlacht im Kinderzimmer. Bedeutende Stückzahlen erreichten Dinky Toys in England und Märklin in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen weltweit bedeutende Hersteller mit umfangreichen Serien auf den Markt. Von kleinen Matchbox-Modellen bis zu fernlenkbaren Großmodellen.


Image

Eine ganz spezielle Art von Militärfahrzeugen stellen aber selbst gebaute Bausatzmodelle, sogenannte Kits aus Kunststoff bzw. Resine dar. Jedes dieser Modelle ist eigentlich ein Unikat, da sein Erbauer neben seinem ganzen handwerklichen Geschick, vor allem seinen persönlichen Geschmack bzgl. Farbgebung und Beschriftung einbringt.


Image

Interessanterweise ist der militärische Modellbau hauptsächlich im Maßstab 1:35 angesiedelt und damit eine eigenständige Größe. Das war nicht immer so, die ersten Tamiya Tank Kits wurden 1963 beispielsweise in 1:21 und 1:24 hergestellt. Die fixe Größe 1:35 scheint sich erst zu Beginn der 1970er-Jahre durchzusetzen. Bausätze werden aber auch in 1:72 und 1:48 angeboten. Wobei in 1:72 überwiegend Flugzeuge angeboten werden. Alle in diesem Beitrag fotografierten Modelle sind einheitlich in 1:35 gebaut. Sie entsprechen von ihrer Basis her mittleren und gehobenen Standards und wurden perfekt gefinisht.


Image

Die bekanntesten Anbieter für Militärmodelle, welche neben guter Qualität auch eine gewisse Historie aufweisen können, sind bzw. waren Tamiya, Italeri, Dragon, Revell, Heller, Hasegawa, Monogram (1:32!), ESCI.

Neuere, aktuelle Anbieter sind zudem ICM, HOBBY BOSS, Panda Hobby, Bronco, Amusing Hobby, Rye Field Model, Trumpeter und Tauro. Natürlich stellen darüber hinaus auch zahlreiche Kleinserienhersteller Fahrzeuge nach militärischen Vorbildern her. Manche von ihnen nur wenige Modelle und auch nur kurze Zeit. Neben einigen Modellen aus Resine wird Kunststoff bzw. Plastik als Baumaterial verwendet.


Image

Hochwertiges Zubehör nebst Figuren für den Dioramenbau, die ultimative Form der Fahrzeugpräsentation liefern Miniart, Airfix und zahlreiche andere. Von der einfachen Wassertonne bis zur kompletten Ruine ist alles lieferbar. Dazu natürlich Soldatenfiguren aller Nationalitäten, Epochen und Waffengattungen um Szenen aus der Etappe wie in der Schlacht identisch nachstellen zu können.


Image

Für den Zusammenbau der Kits ist eine ausführliche Bauanleitung Voraussetzung. Gute Bausätze verfügen über eine detaillierte solche. Darüber hinaus ist ein hohes Fachwissen über das Originalfahrzeug unerlässlich. Seine Historie ermöglicht erst die exakte Zuordnung zum einen oder anderen Truppenteil. Soll ein komplettes Fahrzeug oder lediglich der Aufbau nach eigenen Wünschen oder anderen Quellen entstehen, sind Schnittzeichnung, Werkspläne mit guten Draufsichten die besten Baupläne. Die Anzahl und Präzision der Bauteile hängt mit dem Preis zusammen, den ein solcher Kit kostet. Was aber nicht heißen soll, dass ein preiswerter Bausatz bei fachgerechtem Zusammenbau und einwandfreiem Finish nicht ebenfalls ein Meisterstück werden kann.


Image

Gerade beim militärischen Modellbau ist die Anzahl kleiner und filigraner Bauteile bei guten Kits sehr groß. Die Konzentration beim Zusammenbau entsprechend hoch. Selbst sorgfältigstes Verkleben mindert leider nicht die latente Bruchgefahr. Farblich nachbehandelt sollten auch alle bereits eingefärbt gelieferten Teile werden. Die Industrie bietet alle erdenklichen Farbtöne zur exakten Bemalung, Beschriftung bzw. Alterung an. Gilt es ja Einsatzgebiet und Truppenteil genau zu definieren. Einziger Vorteil bei diesen Modellen ist die Tatsache, dass der Farbauftrag nicht immer exakt sein muss, da im militärischen Dienst Blessuren an der Tagesordnung sind. Alle als beweglich vorgesehenen Räder, Türen, Geschütze usw. sind selbstredend dementsprechend zu montieren.


Image

Vereine und IGs für Modellbau veranstalten regelmäßig Ausstellungen und Bewertungen, bei denen das Publikum die Arbeiten bestaunen kann. Da jedes Detail Handarbeit ist, die hohe Bruchgefahr bei Transporten eine echte Herausforderung darstellt, ist die Beteiligung an solchen Wettbewerben mit regelmäßigen Nacharbeiten verbunden, wenn die guten Stücke dann wieder in den heimatlichen Vitrinen ihren Platz einnehmen.


Image

Zahlreiche Internetplattformen befassen sich mit diesem Themenkreis, sie bieten neben Diskussionen auch Hilfestellungen und Herstellerinformationen an. Der mit diesen Modellen befasste Bastler und Sammler findet in gut sortierten Fachgeschäften neben fundierter Beratung stets ein lohnenswertes Bauobjekt. Es gibt auch einen gut sortierten Versandhandel, der sich heute meist des Internets bedient.


Image

Da der Maßstab 1:35 bei den teilweise großen Originalen eine gewisse Anforderung an den Platzbedarf stellt, ist ein Sammler mit eigenem Hobbyraum schon zu beneiden. Denn, eines ist klar – kriegstauglich sind diese Modelle nicht. Ganz im Gegenteil, sie vertragen kaum das anschauen, würden sich bei jedem Kampfeinsatz in ihre Einzelteile zerlegen.

Wie auch immer man zu Kriegsspielzeug stehen mag, aus historischer Sicht hat es diese Fahrzeuge gegeben. Sie können uns auch daran erinnern, wie gut es sich heute in einer friedlichen Zeit leben lässt.

Image

Image

Image

Image

Image 

Image

Image

Image

 

 
< voriger Eintrag   weiter >