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Donnerstag, 17. Januar 2019
Vivi la Passione - Lebe die Leidenschaft Drucken E-Mail
Geschrieben von Christian Frasz   

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5.000 Fahrzeuge gab es bei der Auto e Moto d’Epoca in Padua. 120.000 Besucher haben sie gesehen.

Da saß der 75-jährige Mechaniker aus der Nähe von Bologna auf seinem Klappsessel mit seiner Sammlung an Ersatzteilen zwischen den vielen Profiersatzteilhändlern: ein Zylinderkopf von einem Alfa-Doppelnockenmotor, eine komplette Maschine für eine Lancia Fulvia, diverse Kolben und Pleuel, Dichtsätze, Vergaser, eine Vielzahl an Kisten und kleinen Schachteln liegen verteilt auf dem zehn Quadratmeter großen Stand. Der Motor weckt Interesse. Doch der Interessent spricht nicht italienisch und der Mechaniker eben nur diese Sprache. Die Kommunikationsschwierigkeiten werden rasch gelöst. Denn vom Nachbarstand – es ist ein Profihändler aus Deutschland mit Automobilliteratur – springt ein Mitarbeiter ein und übersetzt.


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Liebhaber und Hobbyschrauber treffen auf Profis. Bei keiner internationalen großen Messe erlebt man diese Passion für alte Fahrzeuge und alles, was dazugehört, wie in Padua. Der Mix macht den Reiz der Fiera aus: Exklusive Prototypen auf der einen Seite, Volksautos wie den Fiat Cinquecento auf der anderen. Toprestaurierte Fahrzeuge und Garagenfunde, die auf ein Wiedererwachen warten. Es gibt internationale Teilehändler und dann eben diesen Mechaniker aus der Nähe von Bologna dazwischen. Trotz der hilfreichen Übersetzung des deutschen Händlers wurde der Motor nicht gekauft. Denn der Mechaniker aus Bologna mit seiner Fulvia-Maschine behauptete „tutto è nuovo“ – alles ist neu! Der Motor sah jedoch nicht so aus. Ein bisserl italienische Schlitzohrigkeit war am Ende doch dabei …

Dennoch, wer rare und seltene Ersatzteile für seinen italienischen Klassiker benötigt, sollte nach Padua: Ein Blinkerglas für einen Ferrari Daytona? Kein Problem! Tuningteile für einen Fiat? In Hülle und Fülle! Neue Weber-Batterien? Na klar! Bodenbleche für die Alfa Berlina? Selbstverständlich! Und was den Autor dieses Artikels besonders gefreut hat: Es gab sogar eine ultraseltene Frontscheibe für einen Maserati Quattroporte IV. Und wenn etwas nicht in einer der zwei großen Hallen mit Teilen und Zubehör oder am Freigelände zu finden war, dann konnten die Händler zumindest weiterhelfen und Telefonnummern und Kontaktadressen vermitteln.


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Zum 35. Mal fand die Auto e Moto d’Epoca in der Stadt nahe Venedig statt. Der Titel dieser Jubiläumsmesse war „Vivi la passione per le auto di ieri, oggi e domani“, was „Lebe die Leidenschaft für die Autos von gestern, heute und morgen“ heißt. Das Logo der Fiera – ein zu einem Herzen geformtes Lenkrad – drückte sehr gut aus, was diese größte Klassikerveranstaltung südlich der Alpen vermitteln sollte. Mehr als 1.600 Aussteller mit über 5.000 Fahrzeugen waren auf der Fiera. An den vier Tagen kamen mehr als 120.000 Besucher.

Natürlich liegt in Padua der Schwerpunkt auf italienischen Autos. Wer sich an alten Ferraris, Lancia, Fiats etc. und den Raritäten der unzähligen, kleineren Hersteller und Raritäten satt sehen möchte, muss einfach hin.


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Doch auch die internationalen Hersteller ließen sich den Auftritt nicht entgehen: Mercedes zeigte einen C 111, Volvo zelebrierte seine Kombimodelle beginnend mit dem 445 Duett bis hin zum frischen S60. Bentley zeigte den neuen Continental GT und einen 3-Liter von 1925, und McLaren präsentierte einen M1B von 1967 und den neuen 570S Spider. Porsche feierte den 70. Geburtstag der Firmengründung, Peugeot den 50er des 504, dem Auto „mit Augen wie Sophia Loren“, wie einst Designer Sergio Pininfarina urteilte. Citroen legte den Schwerpunkt auf 70 Jahre 2 CV.

Fiat-Chrysler Automobiles Heritage präsentierte beim Heimspiel in Italien auf dem imposanten Messestand unter anderem einen Fiat S61 Grand Prix von 1908, vis-à-vis stellte Maserati (auf einem nicht weniger imposanten Stand) den bekannten 420 M „Eldorado“ von 1958 aus der Panini-Sammlung aus.


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ImageDas waren alles in allem runde Jubiläen, ein Bezug zu 2018 war also da. Zwei interessante Stücke gab es etwas versteckt: Der Bernardi 3 HP von 1884 gilt als das erste italienische Auto. Enrico Bernardi aus Verona ließ sich seinen Benzinmotor 1882 patentieren und produzierte ab 1886 in seiner kleinen Fabrik Fahrzeuge.

Der ausgestellte Peugeot Typ 3 vis-à-vis von 1892 soll der erste Wagen gewesen sein, der permanent auf den italienischen Straßen fuhr. Seit 2017 fährt der restaurierte Wagen auch bei der London-Brighton-Rallye mit.

Von den vertretenen Clubs stach jener der Fiat Ritmo-Anhänger hervor. Der Kompaktwagen, der 1978 vorgestellt wurde, hat eine kleine treue Fan-Gemeinde. In Österreich ist der italienische Golf-Konkurrent ja so gut wie ausgestorben.


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Kultstatus haben die kleinen, flinken Autobianchi A 112 Abarth. Die Marke, die irgendwann Lancia eingliedert wurde, bot eine breite Modellpalette bis hin zur viertürigen Stufenhecklimousine an. Der Markenklub hat ein eigenes Magazin und zeigte von der aufgemotzten Rennsemmel bis hin zum A 111 und der femininen Bianchina so ziemlich alle Modelle.

Weitere Highlights waren: Anita Ekbergs Jaguar XK140 Roadster (sie ist im Fellini-Film „La Dolce Vita“ mit Marcello Mastroianni in der Trevi-Brunnen-Szene verewigt) oder Niki Laudas Ferrari 312 T-Weltmeisterwagen von 1975. Der Club Auto e Moto d’Epoca Toscanio zeigte einen Cisitalia SC 202 und einen Ferrari 250, mit dem Giovanni Bracco bei der Mille Miglia 1953 lange in Führung lag, bis er in Siena mit Differentialschaden ausgefallen ist. Ein neues – altes Auto: Nach 60 Jahre beginnt Zagato mit der Produktion des Porsche 356 Carrera Coupé: Neun Exemplare werden jetzt nach den Entwürfen von 1959 im Sanction Lost-Projekt hergestellt. Interessenten haben nicht nur 300.000 Euro für den Bau der Alu-Karosserie, die natürlich in Handarbeit entsteht, mitzubringen, sondern auch einen geeigneten 356er Porsche, der als Basis dient.


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ImageZwei österreichische Anbieter auf der Messe: CarCollection und das Classic Car Center Hödlmayr. Beide brachten Prachtexemplare mit: Franz Wittner beispielsweise einen Maserati Ghibli und einen Mexiko, Oliver Bulant vom Classic Car Center ein wunderschönes Siata Daina Bertone Coupé von 1952.

Am zweiten Tag urteilte Bulant: „Der Markt speziell bei hochpreisigen Fahrzeugen spielt sich mittlerweile im Internet ab. Dennoch ist der Auftritt bei Veranstaltungen wie der Auto e Moto d’Epoca zwecks Kommunikation und Repräsentation wichtig. Von einem Einbruch des Marktes – besonders bei seltenen und qualitativ hochwertigen Fahrzeugen – spüren wir nichts. Die Besucher kommen nicht nur zum Schauen und Staunen, es wird auch gekauft.“

 2019 findet die Auto e Moto d’Epoca vom 24. bis 27. Oktober statt. Es wird wieder mehr als 5.000 Fahrzeuge in Padua geben. Die Stadt, die mit ihrem italienischen Charme auch für ein paar Tage zum Verweilen einlädt.

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