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Donnerstag, 17. Januar 2019
Franzl, schau oba! Drucken E-Mail
Geschrieben von Hannes Denzel   

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Nach 68 Jahren Regierungszeit war am 21. November 1916 Kaiser Franz Joseph I. gestorben. Sein Tod war gleichzeitig der Anfang vom Ende der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie, die mit dem Regierungsverzicht Kaiser Karl I. im November 1918 endet.

Nach 68 Jahren Regierungszeit war am 21. November 1916 Kaiser Franz Joseph I. gestorben. Sein Tod war gleichzeitig der Anfang vom Ende der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie, die mit dem Regierungsverzicht Kaiser Karl I. im November 1918 endet.


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Franz Joseph war also nicht der letzte österreichische Kaiser, dennoch steht sein Name als Synonym für die Donaumonarchie. In manchen Gegenden scheint er immer noch quicklebendig zu sein, im Salzkammergut – das er jeden Sommer aufsuchte, um dort seiner Jagdleidenschaft zu frönen und tausenden Wildtieren den Garaus zu machen, die heute als Trophäen in der Kaiservilla hängen – z.B. pflegt man heute noch Erinnerungen. Kein Wunder, hat er doch alljährlich den ganzen Hofstaat mitgebracht, unzählige Adabeis nachgezogen und auch Repräsentanten befreundeter Königshäuser ganz Europas eingeladen. Somit ist es mit Sicherheit ihm zu verdanken, dass aus dem verschlafenen Marktflecken Ischl die Kaiserstadt Bad Ischl wurde, ein Renommée, das sich heute noch prächtig touristisch vermarkten lässt – zumal Franz Joseph Superstar heute noch wie ein allgegenwärtiger Geist durch den Ort wandelt: Er ist Werbeikone, Fremdenführer, heimlicher Ortschef, Veranstaltungsmanager, und seit acht Jahren auch Namenspatron einer Oldtimerveranstaltung.


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Die FranzJosefsFahrt ist also ein Treffen für Motorräder aus der frühen Epoche, die allerdings um ein Jahrzehnt nach hinten sickert, bis 1929 offen ist. Die teilnehmenden Fahrzeuge glänzen in Messing und Nickel, wer chromschimmernde Teile an seinem Moped trägt, wird schief angeschaut – hat er doch entweder bei der Restauration geschludert oder ist sein Zweirad schlicht zu jung. Im Kurpark-Fahrerlager im Schatten des mächtigen Kongresshauses – in dem heute noch wie seinerzeit bevorzugt Operetten Franz Lehars und seiner Zeitgenossen gespielt werden – fällt es also leicht, sich um 100 Jahre zurückversetzt zu fühlen und sich vielleicht einzudenken in die Aufgabenstellung der damaligen Konstrukteure – was sie sich gedacht haben, als sie daran arbeiteten, aus dem Fahr- ein Motorrad zu machen. Wie sie auf die Idee kamen, das Antriebsaggregat übers Vorder- oder Hinterrad zu platzieren (oder als Nabenmotor sogar mitten ins Rad), oder auch irgendwo am Rahmen „anzuklipsen“, bevor sich endlich die allgemeingültige Lösung durchsetzte, den Motor anstelle des Tretlagers zu platzieren – das bald ja eh nicht mehr gebraucht wurde. Ähnliche Überlegungen kann man anstellen, was einen zweiten Passagier betrifft. Mit stärker werden der Motoren konnte das Fahrzeug ja problemlos zwei Personen befördern, bloß: wohin mit denen? Rücksitze gab es noch nicht, die Rahmen waren dafür noch nicht geeignet. Bevor der Seitenwagen sich bewährte, wurde der Mitfahrer entweder nach vorne im sogenannten Vorsteckwagen in einen Korbstuhl gesetzt oder sogar nach hinten in einen zweispurigen Anhänger verbannt. Beide Versionen konnte man heuer bei der FJF sowohl stehend im Fahrerlager, als auch in hurtiger Fahrt bei der Präsentationsrunde bestaunen.


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Studieren ließen sich im Fahrerlager auch die frühen Beleuchtungseinrichtungen an den Motorrädern. Öllaternen, Karbidlampen, Kerzenleuchten – erst in den 20er-Jahren begann die elektrische Beleuchtung, die vorsintflutlichen Varianten zu verdrängen. Besonders bei der Damenwelt findet der Trend bei den Motocyklisten großen Anklang, sich stilgerecht zu kleiden – die meisten der 140 Teilnehmer aus A, D, CH, NL und H waren zeitgenössisch korrekt gewandet. Obwohl auch Uniformen zu sehen waren, war Uniformität nicht zu erkennen. Die Bewohner des Salzkammerguts sind ja dafür bekannt, sich nicht nur deshalb in Tracht zu kleiden, weil sie sich so gerne von den zahlreichen Touristen aus Fernost knipsen lassen, sondern um die Tradition zu bewahren. Auch als Motorradbekleidung eignet sich die Krachlederne, und ebenso der Steirerjanker ist sowohl modisch passend als auch als Schutz gegen den Fahrtwind geeignet. Daneben hatten aber auch die Knickerbocker, Tweedanzüge und natürlich klassische Barbourjacken und anderes Leder Saison. Ein Thema für sich sind die Kopfbedeckungen: Schildkappen, Quastenmützen, Pudelhauben, Trachtenhüte und – anscheinend besonders bei Kärntnern beliebt – der Tirolerhut. Nicht zu vergessen für Sicherheitsbewusste der Kacherl- bzw. Halbschalenhelm. Im Umfeld Science Fiction aber auch zu sehen: Vollvisier- und Integralhelme.


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Wenn jemand weiterführende Studien zu einem dieser Themen machen möchte, am 19./20. Oktober 2019 hat sie/er dazu wieder Gelegenheit. Dann findet die 9. FranzJosefsFahrt statt, und die große Frage steht im Raum: Bleibt’s wieder trocken? Bisher hat es noch nie geregnet, war immer Kaiserwetter, aber? …

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