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Mittwoch, 18. September 2019
La dolce vita 2019 Drucken E-Mail
Geschrieben von Christian Spatt   

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Es ist anzunehmen, dass die Generation 1 der Vespa Elettrica primär als Generation 1 in Erinnerung bleiben, aber das Fahrzeug selbst nicht den großen, bleibenden Eindruck hinterlassen wird über das klassische Programm des Herstellers hinaus.

Das mag jetzt ein wenig süffisant klingen, aber man kann das durchaus auch positiv sehen, ist es ja doch immerhin so, dass man das, was man erwartet, auch bekommt. Du willst eine Vespa? Du bekommst eine Vespa!

Das Konzept des elektrischen Motorrades wurde in einer Form umgesetzt, die sympathisch ist und abgesehen vom fehlenden Klang der Verbrennungsvariante von der Anmutung her sehr ähnlich ist. Man darf die Vespa Elettrica allerdings nicht mit den großen 300ern vergleichen, hier sind wir irgendwo in der Liga der 50er bis 125er. Das bedeutet eine Spitze vom 53 km/h, allerdings (als Wermutstropfen) mit einer für Elektro unerwartet schwachen Beschleunigung. Die Reichweite, so ist zumindest zu befürchten, kann mit den Verbrenner-Versionen ebenfalls nicht mithalten. Lt. Anzeige werden wir uns vermutlich bei 80 km einpendeln, lt. Prospekt sollten es 100 km sein (im „Power“ Modus, „Eco“ könnte die Antwort auf die Frage nach den angegebenen Werten sein).


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Was neu ist im Vergleich zu herkömmlichen Vespas ist der Retourgang. Nachdem der Motor den quasi gratis mitgibt, musste noch die Elektronik unter dem Display ein wenig adaptiert werden, und schon funktioniert er.

Natürlich ist die Frage zu stellen, ob dieser wirklich Sinn macht, wir haben hier doch einen leichten, eher wendigen Roller vor uns, der seine Besitzer/innen nicht vor wirkliche Herausforderungen stellt, was Fragen der Mobilität angeht. Andererseits, wenn es praktisch gratis out of the Box mitgeliefert werden kann, wieso nicht?

Leicht und sommerlich, das ist auch das Stichwort für den zweiten Grund unserer Ausfahrt. Wir durften uns nicht nur mit der Vespa Elettrica schmücken, sondern auch mit der neuen Kollektion von Sneakers im Vespa-Design. Gibt’s in verschiedenen Farben und Modellen, uns hat der schlanke graublaue Sneaker in Kombination mit der ähnlich gefärbten Vespa am besten gefallen.

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Aber zurück zum Motorrad: Es stehen drei Modi zur Verfügung, neben dem bereits angesprochenen Retourgang gibt’s zweimal Vortrieb, einmal Eco, einmal Power. Der spürbarste Unterschied ist die Höchstgeschwindigkeit, danach (vermutlich, wir konnten das nicht durchgehend testen) die Reichweite. Die Beschleunigung erscheint in beiden Fahrmodi gleich. Der Bordcomputer ist mehr oder weniger intuitiv, allerdings ließe sich die Kombi aus Schalter-Modus und Map vermutlich noch einen Hauch intuitiver lösen. Im Handschuhfach gibt es auch einen USB-Anschluss, beispielsweise für ein Navi, ob dieser allerdings eine sichtbare Verringerung der Reichweite verursacht, konnte im Test nicht geklärt werden. Weiters lässt sich das Mobile Phone via Bluetooth und Vespa App mit dem Roller verbinden, was aus dem Display eine Nachrichtenzentrale macht.  
 


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Auf der Straße liegt diese Version vergleichbar mit anderen Versionen im Bereich kleiner Kubaturen. Aufgrund der Motorleistung haben wir so und so keine Rennmaschine unter dem Hintern, daher wird man so und so gemütlicher unterwegs sein und nicht einmal ansatzweise in die Nähe physikalischer Grenzbereiche kommen. Der Schwerpunkt ist ebenfalls weit genug unten, dass wir die klassische Vespa-Kombi aus wendig und stabil haben. Einzig für ein bisserl Unbehagen sorgt die Höchstgeschwindigkeit, die sich in Bergaufstücken spürbar reduziert. Wenn dann noch eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 70 km dazugesellt (Triester Straße beispielsweise), ist der Blick in den Rückspiegel nicht mehr so wahnsinnig beruhigend.
 


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Ebenfalls state of the art ist ein KERS (oder Rekuperation, wie man so schön sagt), wie es jedes einigermaßen ernstzunehmende elektrisch angetriebene Fahrzeug heutzutage besitzt. Auch hier hat man die Wahl, was den Wirkungsgrad und damit auch den Grad der Verzögerung angeht. Der Unterschied ist spürbar, aber in keinem Fall ist die Verzögerung dergestalt, dass man über den Lenker köpfelt. Wie weit das System damit allerdings tatsächlich die Reichweite verlängert, konnten wir nicht ernsthaft testen.

Das größte Thema aus unserer Sicht ist allerdings, dass die Batterien fix verbaut sind und zum Laden nicht entfernt werden können. Damit benötigt man defakto einen Garagenplatz zuhause bzw. eine Ladestation in der Nähe des Arbeitgebers, wenn sie für den täglichen Weg in die Arbeit verwendet werden soll. Das nimmt gerade im innerstädtischen Bereich sehr viel an Attraktivität, auch wenn ein voller Ladezyklus bei herkömmlicher Stromversorgung in unter viereinhalb Stunden zu machen ist.

Was bleibt für uns als Fazit? Elegant – Early Adopters – Stadtroller – Grün – … die Elettrica erfüllt das alles. Für uns sicher ein Schritt in die richtige Richtung, aber wir sehen auch noch Potential, es gibt doch die eine oder andere Schwachstelle im Konzept …

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