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Samstag, 17. April 2021
Stehen oder Fahren – die 24-fachen Verkleinerungen Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Winterle   

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Grundsätzlich teilen sich zwei Gruppen von Spielzeug- bzw. Modellautos diese Größe.

Zum einen die reinen Standmodelle, zum zweiten die Fahrzeuge der Heimrennbahnen, besser bekannt unter ihren englischen Namen – Slot Car Racer. Dort repräsentieren sie die großen Brüder der 1:32er. 

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Bleiben wir bei jenen Miniaturen, die keinen Drang verspüren, permanent durch das Wohnzimmer zu rasen, einen staubfreien Standplatz in einer diskret beleuchteten Vitrine vorziehen. Genau genommen muss es 1:24 oder 1:25 heißen, denn noch vor 30 Jahren wurden viele Modelle wie beispielsweise Mebetoys, Bburago, Politoys und Polistil um eben diese Spur kleiner hergestellt.

Betrachtet man Modelle dieser Größe eingehender und in aller Ruhe, egal ob als Einzelstück oder in einer gepflegten Sammlung, so werden sie zunehmend immer sympathischer. Warum?

Kaum ein zweiter Maßstab ist so begreifbar, erfassbar, anschaulich, aber gleichzeitig kompakt, wie eben dieser. Egal aus welchen Materialien die Autos gefertigt wurden, diese Größe bot von jeher genug Raum für exakte Detaillierungen.


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Theoretisch könnten exakt 1:24 große Einzelexemplare bis in die früheste Zeit des Spielzeugautobaues bzw. des Mustermodellbaues zurückgehen. Ihre Maßstäblichkeiten wäre aber reiner Zufall. Möglicherweise gab es gerade im Blechmodellbereich tatsächlich vor 100 Jahren bereits den einen oder anderen 1:24er. Nur wer Zugang zu Modell und Original hat, kann Metermaß, Zollstock und Schiebelehre schon einmal auspacken und nachmessen. Neuzeitliche Blechmodelle gibt es kaum, aber der Reiz historischer Schuco- oder CKO-Modelle, um nur zwei deutsche Beispiele zu nennen, verleitet zum Schwärmen.

Woher kam eigentlich die Idee, Modelle in der 24- bzw. 25-fachen Verkleinerung herzustellen? Ganz sicher nicht von der europäischen Modelleisenbahn! Die vergleichbare Eisenbahn ist jene von 1:22,5, mit 45 bzw. 64 mm Schienenbreite. Diese auch als Größe II, LGB oder Gartenbahn bezeichnete Bahn, nutzt diese Autos aber gerne zur Staffage bei der Dioramen-Gestaltung. Ein eigener Keller oder Dachboden dürfte dazu wohl die größenmäßige Mindestanforderung sein. Suchen wir nach dem Ursprung also lieber in Amerika, denn dort könnte er liegen. Hubley Toys, 1894 in Lancaster, Pennsylvania gegründet, baute beispielsweise ab 1959 Kunststoffbausätze in 1:24. Noch um einiges älter sind die Modelle aus Metalldruckguss derselben Firma. Die amerikanischen half-inch Modellbahnen wurden in – 1:24 gefertigt! Könnte das eine Erklärung sein, oder wenigstens ein Zusammenhang bestehen?


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Die stehenden Miniaturen teilen sich in zwei Gruppen. Einmal in Fertigmodelle und zweitens in Bausätze. Da die seit den 1950er-Jahren angebotenen Bausätze einen wesentlichen Teil einer Sammlung in dieser Größe einnehmen können, passen neben den europäischen 1:24ern natürlich auch die in 1:25 hergestellten amerikanischen Modelle dazu. Auf das Bauen von Modellen wird an anderer Stelle detaillierter eingegangen.

Betrachten wir das aktuelle Angebot an Diecast Toys, also Fertigmodellen, so drängen sich natürlich chinesische Produkte mit europäischer Vertriebsstruktur in den Vordergrund. Das Preis-Leistungsverhältnis ist dabei schlicht und ergreifend – kaufentscheidend. Die Aktualität ist es meistens auch.

In den Segmenten PKW, Sport- und Rennwagen, gebaut in Metall/Kunststoffbauweise, beherrschen Namen wie White Box, Welly, Bburago, Mattel, Yat Ming, Maisto, Mondo Motors, Jada, Motormax und wie sie sich sonst noch nennen mögen, die Billigpreisszene. Sporadisch bieten auch Qualitätsmarken wie Franklin Mint, GMP usw., Neuheiten an. Interessanterweise macht das aktuelle 1:24er-Angebot nur etwas mehr als ein Drittel der 1:18er an Volumen aus.


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Gehen wir 30 Jahre zurück, so leben wir in einer anderen Sammlerwelt. Internet und Handy steckten in den Kinderschuhen. Die aktiven Sammler lebten mit der Fachzeitschrift. In diesen regelmäßig neu erschienenen Publikationen fand sich all das, was der Enthusiast zum Träumen benötigte. Vor allem auch die Inserate der bedeutenden Händler, welche über ihr Ladengeschäft hinaus mittels Postpakets landesweit, einige sogar europaweit, lieferten. Damals war dann zu Kaufpreis und Transportkosten noch Zoll zu entrichten, sofern die Sendung aus dem Ausland kam. Glücklich der, welcher trotz unsachgemäßer Behandlung der Ware, seitens der Zollorgane, sein heiß ersehntes Fertigmodell oder den nicht minder filigranen Bausatz, unbeschädigt ausgehändigt bekam. Ich hatte beruflich jahrelang das „Vergnügen“, diesen „Beamten“, Handelswaren zum Verzollen vorlegen zu müssen, und weiß nur zu genau, mit welch dumm-dämlicher Ahnungslosigkeit manch einer dieser „Organe“ zu Werke ging.


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Die Verwendung neuer Materialien, kombiniert mit modernsten Fertigungstechniken ermöglichten eine bis dahin unerreichte Detailgenauigkeit. Präzise gebaute Selbstverständlichkeit mit zu öffnender Türen und Hauben, den Originalfahrzeugen täuschend ähnlicher Lackierung, Motornachbildungen, Originalfelgen mit dementsprechenden Reifen, ein Interieur, das keine Wünsche offen ließ usw. usf., gaben den Ausschlag für den großen kommerziellen Erfolg. Von diesem Kuchen schnitten sich ab den 1970er-Jahren vor allem italienische Manufakturen die größten Stücke ab. Plastikmodelle von ESCI, Metallmodelle von Mercury und Polistil/ Politoys, einem der auflagenstärksten Produzenten dieser Zeit. Einzigartig waren die Togi Alfas und Lancias – gefertigt in 1:23! Diese Modelle tauchen heute noch, wenn auch sehr selten, auf italienischen Börsen auf. Da gab es legendäre Namen, wie etwa Martoys, den Nachfolger von Mebetoys und Vorläufer von Bburago. Nicht einmal ganze zwei Jahre existierte diese Marke. Sie waren eindeutig die Wegbereiter dieser Art von Diecast Toys. Natürlich viel zu schade für den Sandkasteneinsatz, wurde dieser doch vielen zum schicksalshaften Verhängnis.

 Wer das Danhausen-Angebot und die einschlägigen Fachjournale der späten 1980er-Jahre studiert, wird nur einen Namen aus der Jetztzeit dort bereits finden – Bburago. Auch wenn sich Eigentümer und Produktionsstandort zwischenzeitlich natürlich gewandelt haben. Damals boten aber noch weitere Hersteller ihre Erzeugnisse an, die den Spagat vom Spielzeughersteller zum Lieferanten für Vitrinen-Modelle geschafft hatten.


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Die spanischen Firmen Mira und Guisval steuerten Rally-Versionen von Mercedes, Audi, Renault, Porsche usw. bei. Neben Schuco lieferte nur Gama in Deutschland, Mercedes und Opel Miniaturen in dieser Größe. Alle theoretisch käuflichen Modelle zusammengenommen machen zahlenmäßig nicht die Hälfte dessen aus, was alleine der Marktführer Modellcarworld heute, in 1:24 offeriert. Wer aber vor 1990 bereits auf eine längere Zeit als Sammler zurückblicken durfte, hatte nicht nur Erfahrung, sondern auch Modelle aus dieser Zeit im Gepäck.

Vor 1970 findet sich kein Anbieter von Diecast-Modellen dieser Größe. Was es gab, waren sehr schöne Plastikautos, meist mit Blechboden und Schwungradantrieb, sowie mit oder ohne Batteriefach und Fernsteuerdraht-Anhängsel. Neben ganz einfachen, sandkisten-tauglichen Modellen, gab es die bereits erwähnten Blechfahrzeuge.


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Gerade diese billigen Sandkastenspielzeuge sind heute kaum noch auf einem Flohmarkt oder einer Fachbörse zu finden, im Internet erreichen die wenigen mehr oder weniger abgespielten Exemplare wahre Spitzenpreise. Selbst schmucklose, einfach gefertigte Spielzeuge aus billigen Werkstoffen, wie sie in Südeuropa oder der DDR hergestellt wurden, faszinieren heute Profisammler wie Gelegenheitsliebhaber gleichermaßen. Einer der Gründe dafür kann in der Erinnerung an die eigene Kinderzeit, mit ihren Formen, Farben und Materialien liegen.

Freilich haben solch einfach zusammen gesteckte Minis mit den Modellen von Martoys & Co. nichts gemeinsam, außer eben – den gleichen Maßstab.


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Abschließend erscheint mir der günstigere Platzbedarf für eine 1:24er-Sammlung im Verhältnis zu den 1:18ern eine wichtige Sammlungsentscheidung zu sein.

Eine intensive Beschäftigung mit dem Hobby, durch die Kombination von Diecast Toys mit dem Bau, von teilweise wirklich preiswerten Kits, ist perfekt gegeben.

Das schließt vor allem auch die Möglichkeiten mit ein, jedes Modell nach seinen ganz persönlichen Vorlieben zu gestalten. Puristen, die bei einem Tekno-Modell schon über eine aufgeklebte Nummerntafel die Nase rümpfen würden, mokieren sich bei einem selbst gebauten Miniaturauto über keinerlei noch so sichtbare Umbauten.

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