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Sonntag, 3. Juli 2022
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Elektronik im Odtimer – Attraktivität von Rallyes (1 Leser) (1) Gast
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THEMA: Elektronik im Odtimer – Attraktivität von Rallyes
#1812
Elektronik im Odtimer – Attraktivität von Rallyes vor 13 Jahren, 4 Monaten  
Wie ja bekannt ist haben mein Bruder und ich uns Ende 2007 aus der Oldtimer-Rallyeszene zurückgezogen. Ich wollte in der Folge max. 1 – 2 Veranstaltungen im In- oder Ausland pro Jahr bestreiten. Dabei sollte für mich nicht die Platzierung sondern das Erlebnis Oldtimerfahren, das Ambiente und die Menschen im Vordergrund stehen. Gesundheitlich bedingt bin ich leider nun nicht in der Lage dies umzusetzen und kann zurzeit gar keinen Oldtimer fahren. Mein Kommentar zur aktuellen Diskussion über das Thema „Elektronik im Oldtimer“ ist somit sicher nicht von Eigeninteressen geprägt. Dennoch glaube ich, dass ich nach 10 erfolgreichen Jahren in der Oldtimer-Rallyeszene, die ich vielleicht auch maßgeblich beeinflusst habe, über genug Erfahrung verfüge um meine Meinung hier einzubringen.
Meine Stellungnahme möchte ich in 3 Punkte unterteilen: einerseits zum Thema „Elektronik im Oldtimer“, andererseits zu den Überlegungen von Günter Rott im Leserbrief an die Austro Classic – der mich überhaupt erst animiert hat mich mit diesen Punkten wieder einmal auseinanderzusetzen. Und schließlich zur Entwicklung im Austro Cup.
1.Elektronik im Oldtimer
Im Sinne des historischen Oldtimergedankens wäre es sicher richtig ausschließlich rein mechanische Wegstreckenzähler, mechanische Uhren und Schnitttabellen zu verwenden. Wenn wir allerdings auch an die Teilnehmer und Veranstalter denken – der Einstieg in die Szene soll einfach und kostengünstig sein um ein möglichst breites Feld anzuziehen – sind hier Kompromisse nötig. Digitale Stoppuhren kosten einfach nur einen Bruchteil von mechanischen und sind für viele Beifahrer einfacher abzulesen (auch deren Count Down – Funktion) als analoge. Daher sollte man diese erlauben, was sich ja viele Jahre hindurch bewährt hat. Bei Wegstreckenzählern und Schnitttabellen würde ich allerdings keine Ausnahmen machen und klar digitale Geräte oder elektronische Schnitttabellen weiterhin verbieten. Hier ist die Zulassung des Retrotrip schon ein Grenzfall – denn auch er arbeitet zunächst elektronisch, hat aber zumindest eine analoge Anzeige. Aber sein Preis macht ihn einfach attraktiv für Einsteiger. Alles, was darüber hinausgeht sollte klar verboten sein und diese Verbote müssen von den Veranstaltern auch kontrolliert und durchgesetzt werden – nur dann hören sich die Verdächtigungen auf die viel böses Blut in die Szene bringen und vielen die Freude nehmen.

2.Kommentar zu den Überlegungen von Günter Rott
Grundsätzlich hat Herr Rott recht – die Veranstaltungen haben sich in den letzten Jahren in die falsche Richtung entwickelt. Dadurch verlieren einerseits viele bisherige Teilnehmer die Freude am Hobby, andererseits geht die Attraktivität für Einsteiger verloren. Gepaart mit der steigenden Zahl an Veranstaltungen bedeutet dies sinkende Teilnehmerzahlen und daher verstärkten wirtschaftlichen Druck auf die Veranstalter. Die Anzahl von Veranstaltungen kann man nicht limitieren – hier können nur die Oldtimerfahrer mit ihrer Teilnahme oder Nichtteilnahme ein klares Signal geben, welche Art von Veranstaltung seine Klientel findet und welche nicht. Aber was hat sich geändert?
Früher stand die Freude am Oldtimerhobby im Vordergrund. Und die Rallyes boten den Rahmen sich mit Gleichgesinnten zu treffen, Benzin zu reden und auch sich mit den Veranstaltern auszutauschen. Nicht nur bei den Abendveranstaltungen, sondern auch während der Rallye. Damit hatte man aber auch während der Rallye genug Gelegenheit Abstand vom SP-Stress zu gewinnen und die Veranstaltungen zu genießen. Heute dagegen fährt man oft stundenlang alleine, sieht keinen Veranstalter und hat durch die vielen SP´s auch keine Zeit zum Plausch mit anderen Startern. Begonnen hat es mit dem „Selbststart zu vorgegebenen Zeiten“ – was ohne Funkuhr nicht wirklich geht – und gipfelt heute in den GPS – Messungen mit denen eine Vielzahl von Messungen möglich ist. Wem nützt dies? Sogar die Herausforderung „sehe ich den versteckten Lichtschranken“ als letzter Kontakt zum Veranstalter ist damit verloren gegangen.
Mein Vorschlag daher: weniger ist mehr – also reduziert die Anzahl der SP´s wieder. Dies bringt mehr Genuss für die Teilnehmer und auch die Zeitunterschiede in den Ergebnislisten werden kleiner. Gewinnen werden trotzdem die Spezialisten – und wenn es einmal einen Zufallssieger gibt, so ist dies nur von Vorteil.

Im Gegensatz zu Herrn Rott glaube ich allerdings, dass sich die Oldtimerrallyes schon an den klassischen Vorbildern orientieren sollten. Am besten hat dies über Jahre die 1000 Minuten Klassik geschafft – hier war Aufbau und Ablauf wirklich nahe an den Vorbildern mit kurzen Etappen auf verkehrsarmen Nebenstrassen, gestarteten Sonderprüfungen, Passierkontrollen, etc. – aber auch genug Zeit zum Plaudern. Dies hat dieser Rallye auch großes Lob von Profis wie Rauno Aaltonen oder Paul Ernst Strähle eingebracht. In den letzten Jahren hat aber auch diese Rallye einen falschen Weg bestritten – wobei ich die 1000 Minuten hier exemplarisch für viele Rallyes nehme : die SP´s sind auch zu Orientierungsaufgaben geworden, Zeitmessungen erfolgen in Ortschaften (was einfach einen Lotteriefaktor bringt), die Veranstaltung wird medial nicht angekündigt wodurch es keine Zuseher mehr gibt (2008 wurde nicht einmal mehr der GP von Krems lokal vermarktet). Mit dem mangelnden Zuschauerinteresse geht für die Teilnehmer ebenfalls ein Anreiz verloren (man möchte seinen schönen Oldtimer ja auch präsentieren) und die Sponsoren bleiben in der Folge auch aus. Und wer auch am Ergebnis interessiert ist muss daher die Abendstunden in die Vorbereitung für den nächsten Rallyetag investieren statt gemütlich zu plaudern. Und das wollen immer weniger!
Für die Wertung soll es allerdings schon primär auf das autofahrerische Können ankommen und nicht auf einen automatisierten Ablauf – daher halte ich die Schnittprüfungen mit geheimen Messungen an anspruchsvollen Stellen für interessanter und näher am klassischen Rallyesport als Timing – Prüfungen. Diese sollten nur dort gemacht werden, wo man für Zuseher eine Show bieten will. Aber dann muss ich mit einer perfekten Zeitnahme und einem Sprecher den Zusehern auch erklären, was abläuft und Ergebnisse vermitteln.
Der öfter gemachte Vorschlag auf Schnittprüfungen gänzlich zu verzichten und nur noch Timing – Prüfungen mit Schlauch- oder Lichtschrankenmessungen zu machen geht in die falsche Richtung. Denn dann kommen italienische oder teilweise auch deutsche Verhältnisse, wo seit Jahren dieselben 5 – 10 Teams alles gewinnen. Clubs haben fest installierte Schlauchstrecken und die Spezialisten trainieren bis zu 3x die Woche – oder fahren 20 und mehr Rallyes pro Jahr. Damit werden die Abläufe dermaßen automatisiert dass die Sieger meist bei 40 Messungen und mehr im Bereich von 0,05 sec pro Messung im Schnitt liegen. Newcomer haben hier überhaupt keine Chance – außer sie investieren sehr viel Zeit.

Die Idee von Herrn Rott von den Baujahrsklassen zu Leistungsklassen zu wechseln ist sicher eine interessante Anregung. Denn was unterscheidet einen Jaguar E-Type, Bj. 1962 von einem E-Type, Bj. 1969? Oder einen Austin Healye, Bj. 1959 von einem Bj. 1965 – wenn sie entsprechend technisch im Schuss sind. Diese Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Aus meiner Erfahrung ist man bei allen Rallyes mit einem Auto ab ca. 90 - 100 PS „dabei“ – dies zeigen viele Ergebnisse. Zuletzt der Gesamtsieg von Helmut Artacker mit dem Alfa Romeo Giulia Sprint GT (1600 ccm – 110 PS) bei der 1000 Minuten Klassik 2008. Ich habe selbst keine Erfahrung mit schwächeren Autos, könnte mir aber vorstellen dass eine Unterteilung „bis 50 PS“, „von 50 – 100 PS“ und „über 100 PS reicht“.
Dies würde vielleicht auch das technische Aufrüsten reduzieren das in letzter Zeit groß in Mode gekommen ist. Und wodurch nur noch im Typenschein ein Baujahr steht, Motor, Bremsen, Getriebe, etc. damit aber nichts mehr zu tun haben. Tuning und technische Verbesserungen gab es immer – aber im Rahmen der Möglichkeiten der Zeit. Aber Motoren mit 3,4 l Hubraum oder Einspritzaggregate der 80er Jahre habe z.B. im Porsche 911 der späten 60er- bzw. Anfang der 70er Jahre nichts verloren.
Um die Rallyes für Zuseher interessant zu machen sollte man sich die Baujahresgrenzen ebenfalls überlegen. Denn kaum ein Zuseher ist interessiert einen VW Golf aus den späten 70er Jahren als Oldtimer präsentiert zu bekommen. Interessant sind natürlich Vorkriegsautos oder Autos der 50er bzw. frühen 60er Jahre – für diese sollte man als Veranstalter die Rallyes attraktiv machen (Auslegung der Strecke, reduzierte Teilnahmegebühr, etc.). Ich würde eine generelle Baujahrsgrenze bei 1975 machen – ab dann werden die Autos jünger und immer moderner und es beginnt auch die Elektronik schrittweise ihren Einzug. Bei Autos bis Baujahr 1979 würde ich eine Ausnahme machen wenn dieser Typ eine bedeutende Stellung im Motorsport hatte.
Alles Jüngere gehört für mich in die Kategorie der Youngtimer – und die spielt wieder in einer anderen Liga.
In jedem Fall gehören die Klassensiege aufgewertet – auf ein Gesamtklassement sollte man aber sicher nicht verzichten.

Über Streichresultate wurde schon oft philosophiert. Ich bin grundsätzlich dagegen. Wenn ich einen Fehler mache oder auch ein technisches Problem habe, so muss ich die Konsequenzen einfach tragen. Die nächste Rallye kommt ja bald.
Bezüglich Etappen und Auslegung der Sonderprüfungen teile weitgehend ich die Ausführungen von Herrn Rott. Ich halte auch die Unterscheidung in „einsteigerfreundliche“ und „fortgeschrittene“ Rallyes für einen interessanten Ansatz – wenn auch die Veranstalter bereit sind diese konsequent zu gehen. Aber auch bei den Rallyes für Fortgeschrittene sollte sich der Vorbereitungsaufwand in Grenzen halten – siehe meine Ausführungen oben. Von vorbereiteten Schnitttabellen mit Navigation vom Veranstalter halte ich dagegen nichts. Denn davon profitieren die Teilnehmer, deren Kilometrierung zufällig mit der des Veranstalters ident ist – allen andern bringt es nichts. Und ein Halda ist halt nur in Stufen anpassbar.

Klar ist für mich, dass Verstöße gegen das Reglement entsprechend geahndet gehören – diese Verantwortung liegt eindeutig bei den Veranstaltern. Und diese haben sich mit wenigen Ausnahmen bisher gescheut hier konsequent vorzugehen. Umgekehrt kann ich nur sagen, dass es bezüglich Elektronik viele Verdächtigungen aber nur wenig Beweise gibt. In unserer Neidgenossenschaft wird der Erfolgreiche einmal grundsätzlich beschuldigt – ich kann ein Lied davon singen. Dabei sollte sich jeder einmal zunächst fragen, was macht der Andere eventuell anders / besser als ich. Aber statt den Fehler bei sich zu suchen ist es ja viel einfacher andere zu verdächtigen und damit böses Blut zu verbreiten. Ich bin auch überzeugt, dass teilweise unerlaubte Hilfsmittel eingesetzt werden – die Geräte, die verkauft wurden werden auch verwendet. Ich glaube allerdings, dass diese zum Großteil nicht bei den wirklich erfolgreichen Teams zu finden sind, sondern eher bei den Ehrgeizlingen im Mittelfeld, die um jeden Preis nach vorne kommen wollen.
Und bei allem Ehrgeiz sollte man eines nicht vergessen: wir betreiben ein, teilweise aufwendiges, Hobby und nicht einen Profisport. Es geht um zumeist wertlose, manchmal auch geschmacklose, Pokale, manchmal um eine Uhr – aber nicht um einen Vertrag in der WRC oder Formel 1. Und im Unterschied zu Italien erhalten nicht einmal die erfolgreichsten Piloten ein Auto des Importeurs zur Verfügung gestellt – wir geben also wirklich unser eigenes Geld aus. Daher soll das Vergnügen überwiegen und auch am Tag nach der Veranstaltung soll man sich beim Rasieren in den Spiegel schauen können.

3. Entwicklung des Austro Cup
Leider geht die Entwicklung des Austro Cup in die falsche Richtung und widerspricht in vielen Punkten den obigen Überlegungen:
Die Freigabe von elektronischen Schnitttabellen ist eine klare Abkehr von den klassischen Vorbildern. Wie es sein sollte – schon mit den Kompromissen bezüglich Kosten und Einsteigerfreundlichkeit – ist oben ausgeführt.
Die Faktorwertung bezüglich der Anzahl der SP´s widerspricht ebenfalls den Überlegungen „mehr Spass – weniger Stress“. Das Limit sollte bei 30 Prüfungen liegen – dann überlegen sich die Veranstalter vielleicht mehr, wo eine Messung wirklich anspruchsvoll ist anstelle einen GPS-Punkt nach dem anderen zu programmieren. Und eine Rallye unter 20 Wertungen sollte im Austro Cup gar nicht vorkommen.
Ebenso ist der Anteil von 50% Timing-Prüfungen zu hoch. Natürlich sind diese einfach und kostengünstig zu machen. Aber um den klassischen Rallyecharakter zu bewahren sollte deren Anteil max. 30 % sein. Und dass attraktive Rallyes auch fast ohne Timing – Prüfungen auskommen können hat die 1000 Minuten Klassik über viele Jahre bewiesen: außer dem GP von Krems gab es nur Schnittprüfungen. Und die Gewichtung des Ergebnisses einer 1000er würde ich weit höher ansetzen als 40 Wertungsprüfungen mit irgendwelchen GPS-Messungen oder Timing-Prüfungen.
Gegen Kontrollen der StVO durch den Veranstalter bin ich auch. Dazu ist die Exekutive da – aber ich will keine Permanentüberwachung durch einen Überpolizisten.
Falsch halte ich auch, dass Fahrer- und Beifahrerpunkte gemeinsam gewertet werden. Es handelt sich dabei um 2 unterschiedliche Geschicklichkeiten – es sollte daher auch 2 Wertungen geben. Und gerade beim heutigen Mangel an Beifahrern ist es einfach als Beifahrer möglichst viele Veranstaltungen zu bestreiten und Punkte zu sammeln. Den Kostenaufwand für Auto und Vorbereitung tragen aber die Fahrer.
Auch finde ich 8 Veranstaltungen, von denen 4 gewertet werden, für zu viel. 4 aus 6 wäre wesentlich ausgewogener. Man könnte ja ein Rotationsprinzip überlegen um alle interessierten Veranstalter gleich zu behandeln.

Auch der Austro Cup würde aus meiner Sicht mit einem „back to the roots“ wieder attraktiver werden. Wer erinnert sich heute noch an Austro Cup Sieger vergangener Jahre?

Rudolf Schraml
 
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Elektronik im Odtimer – Attraktivität von Rallyes
Rudolf Schraml 12.02.2009 10:31
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Mike Höll 13.02.2009 08:33
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